Schwanger – und keiner darf es wissen

v.l.: Johann Brau, Norbert Ziegler, Inge Christensen ,Gundi Ott-Bauer, Alfred Kanth und Maria Gerstmeyer informierten über die vertrauliche Geburt. (Foto: Stefan Grassl)
Donau-Ries: Landratsamt |

Erstes Netzwerktreffen zur vertraulichen Geburt im Landkreis Donau-Ries


Im Landratsamt Donau-Ries fand kürzlich ein Informations- und Abstimmungsgespräch zur vertraulichen Geburt statt. Ziel der vertraulichen Geburt ist es, die für Mütter wie Kinder riskanten heimlichen Geburten ohne medizinische Betreuung zu vermeiden oder zu verhindern, dass Neugeborene ausgesetzt oder sogar getötet werden. Die staatlich anerkannte Schwangerenberatungsstelle am Landratsamt Donau-Ries hat zu diesem Thema alle beteiligten Stellen eingeladen.

Am 1. Mai 2014 trat das Gesetz zur Regelung der vertraulichen Geburt in Kraft. Frauen, die ihre Schwangerschaft verheimlichen, befinden sich in einer schwerwiegenden, mit Angst und Rückzug verbundenen Krise. Ihre Verzweiflung ist so groß, dass sie sich niemanden anvertrauen können. Nun steht ihnen ein erweitertes Beratungs- und Hilfsangebot zur Verfügung. Das neue Verfahren zur vertraulichen Geburt ermöglicht eine medizinisch begleitete und sichere Geburt, bei der die Frau zunächst anonym bleiben kann. Mit 16 Jahren hat das Kind die Chance zu erfahren woher es kommt, ein wichtiger Baustein in der Identitätsentwicklung eines Menschen.

Alfred Kanth, Fachbereichsleiter der Beratungsstelle für Jugend, Familie und Senioren begrüßte zu Beginn der Veranstaltung unter anderem Vertreter der Donau-Ries-Klinik Donauwörth und des Stiftungskrankenhauses Nördlingen, Frauenärzte, Hebammen, die Rettungsleitstelle Donau-Ries sowie Vertreter des Jugendamtes, der Adoptionsvermittlungsstelle, der Standesämter und des Familiengerichtes. Vertreter von Wohlfahrtsverbänden waren ebenfalls anwesend. Moderator Walter Gruber betonte in seiner Einführung wie wichtig eine gute Zusammenarbeit der beteiligten Professionen zur Umsetzung der vertraulichen Geburt zum Wohle der anonym gebärenden Frauen und deren Kinder ist. Er freute sich auf einen regen Informations- und Erfahrungsaustausch.

Maria Gerstmeyer, Mitarbeiterin der Schwangerenberatungsstelle am Landratsamt Donau-Ries, stellte das Gesetz zur vertraulichen Geburt vor und erläuterte Ziele und Aufgaben der beteiligten Professionen. Anschließend erläuterten Inge Christensen (SkF) und Gundi Ott-Bauer (DonumVitae) anhand von Fallbeispielen den Verfahrensablauf einer vertraulichen Geburt, die einige Vorteile hat. Sie bietet Rechts- und Handlungssicherheit für alle Beteiligten durch einen rechtlich festgelegten Verfahrensablauf. Den Rechten des Kindes auf seine Herkunft ist ebenso Rechnung getragen, wie den Rechten der Väter, die unberührt bleiben.

Flächendeckend im ganzen Bundesgebiet begleiten ausgebildete Fachkräfte einer Schwangerenberatungsstelle die Schwangere bis zur Entbindung und darüber hinaus unter Wahrung ihrer Anonymität. Dazu sucht sich die Schwangere ein Pseudonym aus, unter dem sie geführt wird. Ihre wahre Identität wird in einem Herkunftsnachweis hinterlegt und an das Bundesamt für zivilrechtliche Angelegenheiten (BAFzA) geschickt. Der Herkunftsnachweis dient später dem leiblichen Kind um die Identität der Mutter zu erfahren. Dieser darf nur durch eine Schwangerenberatungsstelle ausgestellt werden, welche die Federführung in dem Verfahrensablauf hat.

Alle drei Referentinnen haben eine Fortbildung zur qualifizierten Fachkraft absolviert und können nun eine vertrauliche Geburt im Landkreis Donau-Ries begleiten. Bundesweit wurden bisher 146 vertrauliche Geburten registriert. Bisher gab es im Landkreis Donau-Ries noch keine vertrauliche Geburt. Falls dieser Fall eintrifft kann eine vertrauliche Geburt aber problemlos durchgeführt werden. Durch den Netzwerktag sind die besten Voraussetzungen dafür geschaffen worden.


Ansprechpartnerinnen für eine vertrauliche Geburt im Landkreis Donau-Ries:
Maria Gerstmeyer, Schwangerenberatungsstelle am Landratsamt Donau-Ries, Tel. 09081/294444
Gundi Ott-Bauer, Donum Vitae Augsburg (Sprechstunde in Nördlingen) Tel. 0821/4508888
Inge Christensen, Sozialdienst katholischer Frauen Augsburg (Sprechstunde in Donauwörth) Tel. 0821/4208990

Die Webseiten www.geburt-vertraulich.deww.geburt-vertraulich.de">www.geburt-vertraulich.de und www.bmfsfj.de informieren betroffene Frauen umfassend über die Hilfsangebote für Schwangere. Betroffene Frauen können auch jederzeit rund um die Uhr über das Hilfetelefon 0800 40 40 020 „Schwangere in Not - anonym und sicher“ jemanden erreichen.
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