Die Bagger mussten ruhen

Bibliotheksleiterin Kerstin Pflanz informiert über Oettinger Leseorte (Foto: Pflanz/Zapke)
 
Die Vorleserin Angelika Nitsch gab eine Kostprobe aus ihrem Geschichtenrepertoire (Foto: Pflanz/Zapke)

Vorlesezeit für ältere Menschen # Ein neues Angebot des Lokalen Bündnis für Familie # Infoveranstaltung in Oettingen

„Gefühlt“ ist für viele derzeit ganz Oettingen eine Baustelle. Vor den Türen der Stadtbibliothek mussten die Bagger vor kurzem allerdings ruhen. Denn ungestörtes Zuhören war erwünscht bei einer Infoveranstaltung, zu der das Lokale Bündnis für Familie Donau-Ries eingeladen hatte. Etwa 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger aus dem ganzen Landkreis befassten sich mit dem Thema „Vorlesen für ältere Menschen“.


Bürgermeister Matti Müller war aus seiner Amtsstube herüber geeilt und ließ es sich nicht nehmen die Teilnehmer in Oettingen willkommen zu heißen. „Ich finde es toll, dass Sie sich für andere Menschen engagieren wollen“ betonte er in seiner kurzen Ansprache. Besonders freue ihn, dass in Oettingen schon in vielen Einrichtungen vorgelesen wird.

Tipps aus der Praxis

„Lesestunden gibt es schon im Krankenhaus, im Seniorenheim, in der Geriatrie und in der Tagespflege“ zählte anschließend Kerstin Pflanz, Leiterin der Oettinger Stadtbibliothek, die Orte auf, an denen bereits vorgelesen wird. Ergänzt wurden ihre Ausführungen von Berichten und Tipps aus der Praxis der Oettinger Vorleserinnen und Vorleser. „Unsere Geschichten dienen oft nur als Anstoß um ins Gespräch zu kommen“ erzählte beispielsweise Emma Lindenmeyer. Flexibel zu sein und auf die Bedürfnisse der Zuhörer einzugehen sei deshalb sehr, sehr wichtig.

Dies bestätigte auch Conni Mair. Sie hat in Mertingen das Projekt „Geschichten aus dem Koffer“ ins Leben gerufen. „Als wir unseren Bücherkoffer im Seniorenheim zum ersten Mal auspackten, dachten die Leute zunächst wir wollten ihnen etwas verkaufen“, erzählte Mair schmunzelnd.
„Jetzt aber freuten sich die Heimbewohner jedes Mal schon riesig auf die Vorlesezeit!“, berichtete Conni Mair, Mitarbeiterin der Gemeindebücherei in Mertingen, weiter.

Gesellschaftliche Teilhabe

Zwischen den Berichten gab es auch Geschichten. Statt einer Pause entführten die Vorleserinnen Ulla Stiegler und Angelika Nitsch die Zuhörerinnen und Zuhörer in die Welt der Märchen und Erzählungen. Mucksmäuschenstill war es da für kurze Zeit in der Oettinger Stadtbibliothek.
Viel zu schnell verging so die Zeit. Moderator Katheder-Göllner betonte zum Abschluss nochmal, wie bereichernd Vorlesezeit für ältere Menschen ist. „Literatur bietet ihnen einen interessanten, oft spannenden und schönen Zugang zur Welt und fördert die gesellschaftliche Teilhabe. Darüber hinaus wirkt Literatur belebend und hält geistig fit.“ Er versprach, dass es in der nächsten Zeit weitere ähnliche Veranstaltungen geben werde. Der Familienbeauftragte des Landkreises dankte – auch im Namen von Landrat Stefan Rößle - den ehrenamtlichen Lesepatinnen und Lesepaten für ihr Engagement: „Denn Lesen und Vorlesen kann man nie genug“.

Hintergrund
o Das Projekt „Leseland Donau-Ries“ wurde vom Lokalen Bündnis für Familie ins Leben gerufen. Mittlerweile gehören etwa 90 Lesepatinnen und Lesepaten zum Kreis, dazu Initiativen (z.B. RainLesen) und die Bibliotheken im Landkreis.

o Ursprüngliches Ziel war es, Kinder für das Lesen zu interessieren, ihnen das Lesen „schmackhaft“ zu machen und so einen Beitrag zur aktiven Sprachentwicklung von Kindern zu leisten. Dazu kommen die ehrenamtlichen Lesepaten in Kindergärten und Grundschulen und lesen dort regelmäßig oder bei besonderen Anlässen einer Gruppe von Kindern oder einer Klasse vor.

o Interessierte können sich gerne an den Familienbeauftragten des Landratsamtes, Günter Katheder-Göllner wenden: Tel. 0906 / 74 198 oder per E-Mail: familienbeauftragter@lra-donau-ries.de

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