Das Elterntaxi bleibt stehen

Aktionswoche „Ohne Auto zu Schule und Kindergarten“

Viele gute Gründe sprechen dafür, den Weg zur Schule oder zum Kindergarten zu Fuß zurückzulegen: Weniger Verkehrschaos und weniger Umweltbelastung, dafür mehr Sicherheit für die Kinder und mehr Zeit für Familien. Der städtische Kindergarten Schneegarten, die Mangold-Grundschule und die Mädchenrealschule St. Ursula rufen mit einer Aktionswoche vom 19.5. bis 23.5.2014 dazu auf, das „Taxi Eltern“ in Donauwörth öfter mal stehen zu lassen.
„Die Aktionswoche soll den Anstoß dazu liefern, dass unsere Kinder gemeinsam zu Fuß, mit Roller oder Fahrrad zur Schule oder zur Bushaltestelle kommen“, meint Schulleiterin Sibylle Lutzkat, „aber das soll keine einmalige Sache bleiben.“ Für die Mangoldschule geht es darum, die gefährlichen Verkehrssituationen durch den Bring- und Holverkehr im Spindeltal dauerhaft zu vermeiden.
Auch der städtische Kindergarten Schneegarten will das alltägliche Verkehrschaos reduzieren. „Unsere Kinder sollen aber auch frühzeitig lernen, Spaß am Laufen zu haben und dabei schonend mit der Umwelt umzugehen“, beschreibt Gabriele Vaas ein weiteres Ziel dieses Projekts. Die Leiterin des Kindergartens ergänzt: „Bewegung und frische Luft sind positive Begleiterscheinungen - Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, tun also etwas für ihre Gesundheit.“
Für die beteiligten Einrichtungen ist es natürlich wichtig, dass die Kinder sicher unterwegs sind. „Mütter und Väter müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie ihre Kinder morgens zu Fuß aus dem Haus schicken“, betonen die Verantwortlichen. Denn gemeinsam mit engagierten Eltern und der Polizei wurden verschiedene Maßnahmen überlegt, beispielsweise „Laufbus-Haltestellen“, an denen sich die Kinder sammeln können: Kindergartenkinder werden von dort aus begleitet, Schulkinder starten dort ihren gemeinsamen Weg.

Für die Schülerinnen und Schüler der Mangoldschule wurden zusammen mit der Verkehrswacht sichere Wege beschrieben, über die dann alle Eltern mit einem Elternbrief informiert wurden. Schließlich wird die Fußgängerampel in der Pflegstraße in der Aktionswoche durch Verkehrshelfer und Polizei zusätzlich gesichert und beobachtet. Für Sicherheit ist also gesorgt. Außerdem ist der Schulweg mit dem Auto nur vermeintlich sicherer. „In den letzten Jahren verunglückten die meisten Kinder als Mitfahrer in einem PKW“, berichtet Günter Schön von der Verkehrswacht Donauwörth.
Unterstützung erfährt die Aktion auch durch die Stadt Donauwörth und das Lokale Bündnis für Familie Donau-Ries. Zwar schlummerte die Idee „Autofrei zu Schule und Kindergarten“ schon seit einiger Zeit in den Köpfen der Beteiligten. „Aber den Kick für die Umsetzung lieferte letztendlich die Donauwörther Zeitwerkstatt im Mai letzten Jahres“, verrät Bündniskoordinator Günter Katheder-Göllner. Denn dort wurde - neben vielen anderen Lösungsvorschlägen für „mehr Zeit für Familie“ - ein ganz einfacher Gedanke formuliert: Wenn Eltern ihre Kinder nicht zu Schule oder Kindergarten bringen müssen, bleibt ihnen Zeit für andere Dinge – egal ob Familie, Freizeit oder Beruf.
Entstanden ist daraus nun mit etwas Anlauf die Aktionswoche in Donauwörth. Die Akteure in diesem Projekt hoffen zukünftig auf viele Nachahmer im Landkreis Donau-Ries. „Für mich ist das eine tolle Sache, bei der es aus meiner Sicht nur Vorteile gibt“, zeigt sich auch Landrat Stefan Rößle begeistert von dem Vorhaben. Und wenn so viele gute Gründe dafür sprechen, dann wäre es doch schade, wenn zukünftig nur in Donauwörth Papas und Mamas morgens zu hören bekommen: „Du kannst das Auto in der Garage lassen, ich geh‘ zu Fuß!“.

Hintergrund:

Sechs gute Gründe für das Projekt „Autofrei zu Schule und KiTa“:
1. Bewegung & frische Luft
Bewegung im Freien ist nicht nur gut für Muskeln und Ausdauer, sondern fördert die Koordination und das Denkvermögen. Erzieher und Mediziner empfehlen täglich zwei Stunden Aufenthalt an der frischen Luft. Kinder, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Roller unterwegs sind, tun also etwas für ihre Gesundheit.
2. Soziale Kontakte
Gemeinsam mit anderen Kindern zurückgelegte Wege stärken soziale Kontakte. Die Kinder lernen sich untereinander besser kennen. Es entstehen neue Kontakte und Freundschaften zu Kindern, die den gleichen Weg gehen.
3. Selbständigkeit
Eigenständig zurückgelegte Wege stärken die Selbstständigkeit von Kindern. Schulkinder können die meisten Wege alleine bewältigen. Das Vertrauen der Eltern in ihre Kinder („Du schaffst das!“) stärkt ihr Selbstbewusstsein.
4. Eltern sparen Zeit
Wenn Eltern ihr Kind nicht zur Schule bringen müssen, bleibt ihnen mehr Zeit für andere Dinge – egal ob Haushalt, Freizeit oder Beruf. Die „gewonnene Zeit“ kann auch am Nachmittag oder abends wieder als Zeit für Kinder „reinvestiert“ werden (… weil andere Dinge in der „Schulwegzeit“ erledigt werden konnten).
5. Gut für die Umwelt und den Geldbeutel
Jede Strecke, die nicht mit dem Auto zurückgelegt wird, schont die Umwelt und den Geldbeutel. Auf kurzen Strecken sind der Spritverbrauch und dadurch auch die Abgasbelastung extrem hoch. Selbst wenn der Schulweg nur einen Kilometer beträgt und ein Auto dabei nur 7 Liter/100km verbraucht, ergibt das bei den aktuellen Benzinpreisen eine Ersparnis von etwa 40€ im Jahr.
6. Mehr Sicherheit, weniger Stress
Viele Schulen und Kindertageseinrichtungen klagen über das tägliche Verkehrschaos zum Beginn und Ende des Unterrichts. Dieses Verkehrschaos kostet nicht nur allen Beteiligten Nerven, sondern gefährdet auch die Sicherheit der Kinder. Weniger Autos bedeuten also mehr Sicherheit und weniger Stress.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 15.05.2014 | 16:57  
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