Das Ich und das Selbst


Für die Persönlichkeitsentwicklung sollte eine Blüte wenigstens ihre Farbe wechseln.
Als ich meinen schrieb, war Dein Kommentar noch nicht da. Habe also nur die Zwillingsblüten gesehen.
Menschliche Zwillinge sollten nicht die gleiche Kleidung tragen, weil die Persönlichkeitsentwicklung Schaden nehmen könnte.
Wenn wir in den Spiegel schauen, suchen wir die Bestätigung unseres Seins. Ich bin noch da, ich lebe und ich mag mich. Ja, ich bin.
Ja, das stimmt, Karola! Es erfordert schon einer bewussten Motivation, wenn wir mehr als eine Bestätigung suchen, z. B. ganz offen, so als ob wir noch nie gesehen hätten, was sich darstellt. Das ist gar nicht leicht.
Der Blick in den Spiegel kann uns zeigen, dass die Sache mit dem Ich gar nicht so einfach ist: Denn anschauen kann ich immer nur eigentlich etwas Anderes; wenn ich mich im Spiegel anschaue, schaue ich zugleich mich als das Andere an ... :-)
@ Chris Tiane: Ich dachte es mir ... .
Der Spiegel stellt in einem physisch-physikalischen Sinn eine Reflexionsoberfläche dar: Das Licht, das er widerspiegelt, zeigt meine Erscheinung, ich erlebe mich, indem ich reflektiert werde.
Meine Frage: Gibt es noch andere Reflexionsweisen im Leben, die ähnlich mich - wie Karola richtig festgestellt hat - mein Ich bestätigen? Ich schaue auf ein Ich im Spiegel: Das Ich, das ich bin, ist doppelt da, real und reflektiert.
Wenn ich im sozialen Leben anderen Ichen begegne, steht mir auch ein Ich gegenüber, allerdings anders als das Spiegelbild, nicht eine getreue Abbildung, sondern zwei reale Iche, du und ich.
Das Ich, das ich als Du erlebe, ist im Gespräch oder in einer Erlebnissituation also eine Verdopplung meines Ichs, zunächst ganz gleich, wie ähnlich oder fremd dieses Ich da meinem Ich ist, denn in einem Dialog und in einer Wahrnehmung ist das Gegenüber-Ich vergleichbar dem morgendlichen Spiegelbild, das Einzige, das Eine für eine mehr oder minder lange Zeit, das meinen Erlebnisraum - erfüllt, kongenial ausgestaltet.
Ist das wirklich das ICH oder ist es nicht vielmehr das, was ich glaube zu sein? Wie ich mich selber sehe?
Das ist wirklich ein wichtiger Einwand: Erkenne ich das, was das Du reflektiert, oder "filtere" ich und sehe nur das, was ich sehen möchte?
Kann ich den Anderen objektiv verstehen oder manipuliere ich das, was der Andere reflektiert?
Wieviel Wahrheit steckt in meinem Erleben? Wann mische ich Illusionen in mein soziales Erleben hinein?
Oft sehen wir uns anders, als andere uns sehen.
... und das ist gut so! Ob andere i h r e Sichtweise über uns ändern, kann ich nicht wissen; aber ich kann meine Sichtweise über mich korrigieren, falls ich erkenne: Hoppla, stimmt ja :-)
Normalerweise ist ja auch das Interesse am Leben des Anderen etwas begrenzter als das am eigenen Dasein ... :-)
Das "ICH" sehe ich überall, in jedem Menschen, in jeder Pflanze, in ALLEM , usw., all dies ist für mich ein Spiegel, im Positiven, wie im Negativen. Wir sind einzigartig und doch miteinander verbunden. Dies zu wissen hilft mir in vielen Dingen oft weiter. Es öffnet mir wunderbare Türen, auch wenn es nicht immer gleich erkennbar ist.
Ja, um genau diese Gegenwärtigkeit des Ichs geht es auch: Aber da sind naturgemäß auch Aspekte des Ichs, die sich gewiss nicht so wiederfinden in allem, alles was die Egoität, auch als positiver Teil meines Selbstes, existiert, Bedürfnisse z. B., die sich auf mich als Einzelwesen beziehen:
Daher nannte ich diese einführenden Betrachtungen auch: das Ich u n d das Selbst, dieses Doppelte, das mich als Ich und als Gemeinschaftswesen charakterisiert.
Die Egoität kann nicht geleugnet werden (manche sehen n u r diese Egoität des Ichs), ebenso wenig wie das Selbst, das wesenhaft auch sozial ist, da es vielfältig Fäden, Verbindungen und Realität im Ganzen hat.
Dieses folgt demnächst in einem weiteren Beitrag ... :-)
"Eins und doppelt" oder: "Einiges über Paradoxien des Menschseins"
Das Ich und das Selbst
TEIL I: Einführung
Es gehört zu einem der schönsten Kapitel abendländischer Philosophie, wenn in epistemologischem Kontext über das Eine, makrokosmisch und mikrokosmisch, gesprochen und diskutiert wird, einem nicht ganz einfachen Kapitel, das nicht zuletzt deshalb immer und immer wieder von verschiedenen Philosophen aufgeschlagen worden ist, um das Scheinbar so leichte, dass ich nämlich doch eigentlich e i n e r bin, aber dieser Eine sich facettenreich in dem Vielen widerspiegelt und wiederfindet.
Ich? Na klar: Bis auf "eins" kann doch jeder zählen, ich bin einer! Hm. Der da, der da im Spiegel!
Stehe ich vor einem Spiegel, wenn ich über das Eine philosophiere (und das muss keine vergeudete Zeit sein, nein, das kann k o s t b a r sein), dann habe ich schon keinen schlechten Ansatz meiner Reflexion gefunden.
"Das bin ich!" Wenn ich vor einem Spiegel stehe, etwa im Flur meiner Wohnung, dann erlebe ich etwas Besonderes, etwas, das - wenn ich mir dessen bewusst werde - keineswegs trivial mir erscheinen kann. Denn genau dann sehe ich nicht mehr - wie sonst eigentlich i m m e r - das Andere, da draußen, sondern da d r a u ß e n, dort - schaue ich mich selber an.
"Das bin ich!" Ja, dieses, was ich anschaue, das ist anders als alles, was ich sonst so sehe im Laufe eines lieben langen Tages: das bin ich, und schon zögere ich: Das bin nicht ich, sondern das ist zu mir gehörig, mein Körper, meiner! Denn wenn ich mich im Spiegel anschaue - Männer quittieren in der Regel den morgendlichen Anblick im Spiegel mit einem kurzen "Passt scho!" nach einer eventuellen Rasur z. B.
Wie? Was heißt denn hier: "das passt!"? Hm. Warum sollte es denn nicht passen?! Eben. Wir schauen eben tatsächlich meistens nicht g r u n d l o s in einen Spiegel. Beim Zähneputzen oder Rasieren oder nach dem Duschen ... .
Nun ja, normalerweise hoffen wir ja dabei nicht allzu viel Neues zu entdecken, schließlich kennen wir den da schon so ziemlich ein ganzes Leben lang, ja, im Grunde wollen wir gar nichts anderes wahrnehmen und sehen, als dass eben "alles schon pimaldaumen in Ordnung ist" - etwa wenn wir uns zu einem Date außer Hauses begeben.
"Das bist Du!" müsste ich eigentlich denken, wenn ich mich im Spiegel betrachte, denn was ich sehe, spiegelt mich eben doch n u r wider ... .
Aber dieses Du ist jenes, das mich repräsentiert, hm.