Eine Bilanz, die keinen Vergleich zu scheuen braucht! - Interview mit Oberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl
Oberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl steht seit 1984 an der Spitze der Stadt Dillingen a.d. Donau. Bei den Kommunalwahlen 2008 wird er nicht mehr als Kandidat antreten. Unsere Redakteurin Simone Fehling führte mit Hans-Jürgen Weigl ein Gespräch über die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Dillingen, die wichtigsten Themen und Projekte 2007, den Klimaschutz sowie die anstehenden Kommunalwahlen 2008.
myheimat: Herr Weigl, Sie sind nun seit über 23 Jahren erster Bürgermeis-ter der Stadt Dillingen. Wie hat sich Dillingen seit dem Beginn Ihrer Amtszeit wirtschaftlich entwickelt?
Hans-Jürgen Weigl: Dillingen kann am Ende meiner Amtszeit insgesamt eine gestärkte Position als Zentrum des Landkreises behaupten. Einem Einwohnerzuwachs von 12,7 % steht bei den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen ein Zuwachs von 30% gegenüber. Im selben Zeitraum konnte sich beim Anteil aller Arbeitsplätze im Landkreis die Stadt Dillingen von 30,9% auf 32,9% verbessern. Zu dieser positiven Entwicklung trug auch die städtische Haushaltspolitik bei. In diesen 24 Jahren umfassten die Haushaltsvolumina 811 Millionen Euro. Der Schuldenstand reduzierte sich von 14.151.000 auf 7.145.000 Euro; die allgemeine Rücklage stieg dagegen von 2.907.000 auf 18.836.000 Euro. Eine Bilanz, die keinen Vergleich zu scheuen braucht! Auch der Zuwachs im Bereich des Dienstleistungssektors ist erfreulich. Dillingen ist mit seiner sanierten Innenstadt das Einkaufszentrum im Landkreis geworden.
myheimat: Welche Themen und Projekte prägten Dillingen im vergangenen Jahr 2007?
Hans-Jürgen Weigl: Das beherrschende Thema war 2007 zweifellos das Planfeststellungsverfahren für die B16-Umfahrung Dillingen-Steinheim, das wohl noch bis Mitte 2008 dauern wird. Der Bau eines Naturholz-Hackschnitzel-Fernwärmeheizkraftwerkes in Dillingen durch die Erdgas Schwaben brachte neben einer ökologisch sehr hoch einzuschätzenden Minderung des CO2-Ausstoßes natürlich auch Beschwernisse durch den Bau eines Leitungsnetzes von Ost nach West durch das ganze Stadtgebiet für Anwohner und Verkehrsteilnehmer mit sich und damit gerade für die Geschäfte in der Innenstadt bedauerliche, aber unvermeidbare, Einbußen in der Kundenfrequenz. Erfreulich waren u. a. der Bau des neuen Leichtathletikstadions, die Sanierungsmaßnahmen in der Altstadt und viele große Jubiläen, z.B. 750 Jahre Heilig-Geist-Stift und 325 Jahre Garnisonsstadt. Ein Dauerbrenner war auch 2007 die Sicherung des Kreiskrankenhauses St. Elisabeth durch finanzielle Beteiligung der Stadt und das Bauleitverfahren für ein Fachärztezentrum in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses.
myheimat: Welche Themen sind für Dillingen 2008 von Bedeutung?
Hans-Jürgen Weigl: Wie schon gesagt, erwarten wir Dillinger den Abschluss des Planfeststellungsverfahrens und einen zeitnahen Baubeginn für die B16-Umfahrung Dillingen-Steinheim 2008. Das Jahr 2008 muss auch die entscheidende Wende für eine wirtschaftlichere Führung der Kreiskrankenhäuser bringen, um sie in kommunaler Trägerschaft weiterführen zu können. Ich persönlich freue mich auf die Einweihung des neuen Museums im April 2008 und bin sehr gespannt, wer bei der OB- und Stadtratswahl am 2. März 2008 das Rennen machen wird.
myheimat: Klimaschutz ist die zentrale Aufgabe des 21. Jahrhunderts. Was können Sie auf kommunaler Ebene bewirken?
Hans-Jürgen Weigl: Klimaschutz ist auch eine kommunale Aufgabe. Dazu gehört eine energiesparende Bauleitplanung ebenso dazu wie unser Stadtbus, der den Individualverkehr in die Innenstadt deutlich begrenzen könnte. Wer Klimaschutz will, muss auch den verstärkten Einsatz CO2-neutraler Energieträger von Seiten des Stadtrates fördern. Die städtischen Liegenschaften können mit Hilfe eines modernen Energiesparmanagements und eines Energiespar-Kontraktings ihre Heizanlagen modernisieren und gleichzeitig Energie sparen. Die energetische Gebäudesanierung wird künftig eine der kommunalen Hauptaufgaben sein. Straßenbeleuchtungen sind auch nach energiesparenden „Nachthalbschaltungen“ noch effektiv. Die regelmäßigen Energiesparberatungen für Bürger im Rathaus müssen künftig Standard sein.
myheimat: Welche speziellen Klimaschutzprojekte existieren bereits in Dillingen und welche sind noch in Planung?
Hans-Jürgen Weigl: Das größte derzeit laufende Klimaschutzprojekt in Dillingen ist der Bau des Naturholz-Hackschnitzel-Fernwärme-Projektes der Erdgas Schwaben. Die von dort gelieferte Fernwärme von 24.000 MWh/Jahr entspricht der Einsparung von ca. 2,8 Mio. Liter Heizöl bzw. m3 Erdgas. Der erzeugte Ökostrom von 6 bis 7 Mio. kWh/Jahr entspricht dem Stromverbrauch von 2.000 Familienhaushalten. Über 9.000 t/Verminderung von CO2-Emmissionen schlagen dabei positiv für den Klimaschutz zu Buche. Auch die Donau-Stadtwerke werden ein kleineres Pflanzenöl-KWK-Kraftwerk bauen. Im Stadtteil Fristingen steht ein Photovoltaikpark mit einer Ökostromerzeugung von 800.000 kWh/Jahr, was eine weitere CO2-Minderung von 450 t/Jahr bedeutet. Mehrere Landwirte erzeugen im Stadtgebiet mit Biogasanlagen ebenso Ökostrom, wie das durch die Stadt am Schretzheimer Egaukanal wieder aktivierte Kleinwasser-Kraftwerk. Die Stadt wird mit einem „11-Dächer-Solarprogramm“ auf städtischen Gebäuden ebenfalls durch Photovoltaik erzeugten Ökostrom in das Netz einspeisen. Die Erdgas Schwaben betreibt seit 24 Jahren die Erdgasversorgung in Dillingen. Die Gasabnahme in Dillingen von 127 Mio. kWh/a bewirkt eine Minderung der CO2-Emmissionen von 7.617 t/Jahr. Zu den in der Antwort zu Ihrer vierten Frage genannten laufenden Aktivitäten hat die Stadt zusätzlich beschlossen, von jedem Bauplatzkäufer eine „Solarpauschale“ von 2.500 Euro als „Nebenkosten“ zu fordern, die nach Errichtung von Solaranlagen oder Ähnlichem am oder beim Gebäude verzinslich wieder erstattet wird.
myheimat: Bei der nächsten Kommunalwahl 2008 treten Sie nicht mehr als Kandidat für das Bürgermeisteramt an. Was wünschen Sie sich von Ihrem Nachfolger?
Hans-Jürgen Weigl: Nach menschlichem Ermessen wird mein Nachfolger wohl aus der Stadtverwaltung oder aus der Mitte des Stadtrats kommen. Ich erwarte daher bei allen neuen Überlegungen auch ein Stück Kontinuität auf der Basis des gemeinsam Erreichten.
myheimat: Welche Ratschläge geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
Hans-Jürgen Weigl: Ich werde mich hüten, dem künftigen Oberbürgermeister öffentlich Ratschläge zu erteilen. Aus diesem Grunde kandidiere ich auch nicht für den Dillinger Stadtrat. Jeder der von mir angesprochenen Kandidaten weiß aber aus Erfahrung, dass ich, falls gewünscht, jederzeit meine Erfahrungen in persönlichen Gesprächen weitergeben werde.
myheimat: Haben Sie schon Pläne für die Zukunft nach dem Ablauf der Wahlperiode?
Hans-Jürgen Weigl: Ich werde wohl weiter im Dillinger Kreistag als Mitglied der SPD-Fraktion für Stadt und Landkreis Dillingen arbeiten können. Im Übrigen freue ich mich darauf, endlich mehr Zeit für meine Frau Ingrid und die Familie zu haben und auch sonst manches von dem nachzuholen, was mir „24 Jahre arbeiten für Dillingen“ verwehrt haben. Im Übrigen lasse ich alles auf mich zukommen.
myheimat: Was wünschen Sie sich und den Dillingern für das Jahr 2008?
Hans-Jürgen Weigl: Allgemein sicher weiter inneren und äußeren Frieden für unsere Stadt, der auch in den vergangenen 24 Jahren den Fortschritt erst ermöglicht hat. Das Planfeststellungsverfahren für die B16 neu möge ohne weitere negative Einwirkungen von Außen so rechtzeitig abgeschlossen werden, dass ein Baubeginn zeitnah ermöglicht wird. Und insgesamt einen neuen Stadtrat, der, wie bisher, das Verbindende über das Trennende zum Vorteil der ganzen Stadt Dillingen zu stellen weiß.
myheimat: Herr Weigl, vielen Dank für dieses Interview.




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