Zum Finale nach New York Großartige Solisten und beeindruckende Ensembles bei Albertus-Serenade
Der unbeständigen Witterung war es geschuldet, dass die ursprünglich als Freiluft-Konzert geplante Serenade des Albertus-Gymnasiums kurzerhand in die Turnhalle verlegt werden musste. Wer sich aber vom ersten Programmpunkt, Griegs nordischer „Peer-Gynt-Suite“, Abkühlung von der Lauinger Sommerhitze versprach, hatte umsonst gehofft. Was das Große Orchester unter der furiosen Leitung von Thomas Rausch an rhythmischer Verve und klanglicher Opulenz entfaltete, sprühte spätestens im ekstatisch anschwellenden Satz „In der Hale des Bergkönigs“ vor Funken und brachte den Saal buchstäblich zum Brodeln. Die beiden charmanten Moderatorinnen Melda Sesigür und Nathalie Camek führten mit pointenreichen Überleitungen durch den Abend. Mit der von ihm selbst arrangierten „Chaconne-Fantasia d-moll“ für Marimbaphon und Streichorchester löste der Solist Mathias Lachenmayr, der als Jungstudent in Augsburg ausgebildet wird, regelrechte Begeisterungsstürme aus. Traumwandlerisch leicht wirbelten seine Schlägel in kompliziertesten Doppelgriffen durch die Luft, machten vor keiner technischen Fußangel Halt. Eine solche virtuose Souveränität gepaart mit musikalischer Beredsamkeit und Formwillen ist – mit einem Wort – großartig. Der Große Chor „Al-Cantus“, der dank der einfühlsamen Einstudierung von Klaus Nürnberger mit Klangkultur und deutlicher Artikulation glänzte, erzeugte in einem weit gespannten Bogen mit Kompositionen von Dowland, Brahms und Rheinberger Momente lyrischer Verinnerlichung. Zylinderschwingend erfreute der Männerchor mit „Veronika, der Lenz ist da“ und der „Parkplatzregen“ wurde dank Mike Almeidas meisterlicher, täuschend echt wirkender Schlagzeug-Imitation („Human Beatbox“) zu einem rhythmischen Genuss. Die schwungvollen Arrangements und die beeindruckenden Soli in „Kansas City“, „When a Man Loves a Woman“, „The Birth of the Blues“ und „It Don’t Mean a Thing” kamen beim Publikum derart überwältigend an, dass es von der hervorragenden Big Band, von Almut Stark präzise einstudiert, lautstark Zugaben forderte.
Mit dem Reißer „Pirates of the Caribbean“ eröffnete das wuchtig aufspielende Orchester den zweiten Teil des Konzerts. Einmal mehr hielten die Zuhörer an dem Abend den Atem an, als die Saxophonistin Regina Reiter Planels „Prélude et saltarelle“ interpretierte (Klavierbegleitung: Erich Broy). Ob man mehr von dem kultivierten, unmittelbar nahegehenden Vibrato an den verhaltenen Stellen oder den perlend-irisierenden Arpeggio-Kaskaden schwärmen soll, weiß ich nicht. Technische Grenzen scheint die Preisträgerin des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ jedenfalls keine zu kennen. Der durch eine Jazz-Combo verstärkte Chor brachte mit hinreißend vorgetragenen Nummern wie „Agua de Beber“, „Lullaby of Birdland“ und „Chattanooga Choo Choo“ das Publikum zum Mitklatschen und –schnippen. Während der Mittelstufenchor klangschön im verliebten „All of Me“ schwelgte, stachen die tiefen Männerstimmen im augenzwinkernden „Probier’s mal mit ‘nem Bass“ ihre Kollegen aus den anderen Stimmgattungen mit dunkel-sonorem Selbstbewusstsein aus. Die Umbaupause nutzten die beiden Vertreterinnen des Elternbeirats, Anneliese Schreitmüller und Carmen Bayer, um zusammen mit Direktor Hans Lautenbacher drei Albertus-Schüler mit dem Ehrenpreis „Al-Bonus“ auszuzeichnen. Auch langjährige Mitglieder der Chöre und Orchester wurden mit Ehrennadeln bedacht. Zum großen Finale leuchteten die Lichter der Großstadt: Orchester, Big Band, Chor und Schüler der 7. Klassen stimmten gemeinsam „New York, New York“ an. Ein solches musikalisches Feuerwerk lohnte das Publikum mit begeisterten Bravo-Rufen.
Von Mladen Karali


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