Furioser Start zum 25-jährigen TiF-Jubiläum: Jens Neutag begeistert in Frauenriedhausen

Jens Neutag als Ulla Schmidt

Mit einer perfekt gelungenen Ouvertüre startet das TiF (Theater in Frauenriedhausen) in sein Programm der diesjährigen Lauinger Kabaretttage. Seit 25 Jahren besteht der Lauinger Kleinkunstverein und hat sein Zuhause von Anfang an im alten Schulhaus in Frauenriedhausen.

Anfänglich wurden teils aufwändige Inszenierungen auf die Bühne gebracht, und als das Konzept mangels Ensemblemitglieder nicht mehr trug, orientierte sich der Verein neu und verschrieb sich der Förderung vielversprechender junger Brettelkünstler. Das funktioniert bis heute, unter der Leitung der beiden Vorsitzenden Günter Landgraf und Gerti Wunderle-Gut, zur Freude aller Beteiligten.
Man muss nicht in eine größere Stadt fahren um dort für teuer Geld die Künstler zu sehen, die mittlerweile auch im Fernsehen allzeit präsent sind. Im kleinen Frauenriedhausen konnte man am Samstag Kabarett vom Feinsten mit einem jungen Künstler erleben und die Ouvertüre machte offensichtlich Appetit auf das ganze Programm, einige Veranstaltungsbesucher wollen sich jedenfalls die folgenden Termine im TiF dick im Kalender anstreichen.
Jens Neutag präsentierte sein drittes Soloprogramm „Totalschaden“ mit vollem Körpereinsatz und startete einen Angriff nach dem Anderen auf das Zwerchfell seiner Zuhörer. Er platzte mehr auf die Bühne als dass er sie betrat, wobei seine Brille zwar zu Bruch ging, in der Folge aber doch immer wieder gute Dienste als nötiges Requisit tat. Dann entspann er, ausgehend von seinem angeblichen Autounfall kurz vor Frauenriedhausen, ein feines Netz von gedanklichen Fallstricken. Politik, Sport und alle Bereiche der Zwischenmenschlichkeit wurden Gleichermaßen in das Netz eingewoben. Jens Neutag bewegte sich haareraufend und zum allergrößten Vergnügen der Zuhörer mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen diesen selbst verlegten Fallstricken ohne je wirklich zu Fall zu kommen. Absurditäten des Alltags trieb er erbarmungslos auf die Spitze und als Zuschauer konnte man das Gefühl bekommen, dass ihn das Gelächter im Saal zu immer neuen, noch wahnsinnigeren Gedankengängen anstachelte. Das Publikum staunte über die Vielfalt der Themen und Menschen seiner Beobachtungen. Unglaublich, wie er, als Ulla Schmidt, näselnd und an der Brille nestelnd in der improvisierten Küche der Gesundheitsreform einen ungenießbaren Gesundheitsfonds zusammenbraute, den man nur löffelweise unters Volk bringen könne. Und während das Publikum noch Tränen lachte, verwandelte sich Neutags Mimik schon in die Alfred Bioleks. Die Verkostung einer imaginären Flasche Rotweins unter vielen „Hmmmms“ und „Haaaas“ rief weitere Heiterkeitsausbrüche im Publikum hervor.
Sogar bei den Zugaben hatte der Künstler noch Steigerungen auf Lager. So galt auch bei der im Kasernenhofton gebrüllten Nachwuchsrekrutierung der Bundeswehr das Motto des ganzen Abends: „Lache muss mer trotzdem“. Schließlich half nur die Verwandlung in Marcel Reich- Ranicki. In bekannter Manier, lispelnd und gestikulierend, gegen die fragwürdige Kunst eines Kabarettisten mosernd setzte der Künstler für das Publikum den endgültigen Schlusspunkt hinter einen Abend voller bester Kabarettunterhaltung.

Sylvia Knecht

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