Farbexpressive Harmonik und Klanggestaltung beim Orgelkonzert in der Basilika
Dillingen an der Donau: Basilika St. Peter | Die zu Ton gewordenen Dreifaltigkeit bei J.S.Bach, die Anmut César Francks, eine Erstaufführung von Karl Höller und das Gedenken an den vor 25 Jahren verstorbenen französischen Komponisten Maurice Duruflé bestimmten das zweite internationale Orgelkonzert in der Basilika. Am vergangenen Sonntagnachmittag überzeugten sich achtzig Besucher von der interpretatorischen und spieltechnischen Kompetenz Axel Flierls. Bei Thierry Escaich in Paris hat der Basilikaorganist das Gesamtwerk Duruflés erarbeitet. Durch das Studium bei Edgar Krapp hat Flierl die Bekanntschaft mit dem Werk Karl Höllers gemacht. Die Herausgabe einer Monographie 2007 über Leben und Werk Höllers legitimiert Axel Flierl auf besondere Weise als Interpret. So bezeichnet ihn Prof. Dr. Alexander L. Suder als "Enkel-Schüler" Höllers. Flierls Reputation fand auch Ausdruck in der Anwesenheit der 70-jährigen Tochter Höllers Sibylle, die Monsignore Stadtpfarrer Gottfried Fellner herzlich begrüßte. Seine erläuternden Textbeiträge zu den einzelnen Werken waren hilfreiche Merkpunkte für das Verständnis der kompositorischen Absichten. Freilich werden die sich erst bei mehrmaligem Hören zur Gänze erschließen.
Auf zwei Aussagen zur Tonsprache Höllers weist Axel Flierl in seiner Monographie hin: auf die Affinität zu den Impressionisten Frankreichs und zu der monumentalen Wirkung großer Steigerungen im Sinne Max Regers. Die musikalische Vielgestaltigkeit bei der "Ciacona" (op. 54) von Karl Höller (1950) gab Axel Flierl beste Gelegenheit, die klanglichen Möglichkeiten der Sandtner-Orgel darzustellen. Die Pianissimo-Anteile in der fortdauernden Pedal-Sequenz, Anläufe und Gegenstimmen bis zur dramatischen Kulmination beherrschte Flierl kongenial und gab diesem Höchststufenwerk ein unvergleichliches Gewicht. Selten hat man Flierl so unangestrengt, gelöst, fast heiter erlebt wie in César Francks "Prélude, Fugue, Variation" op. 18 (1864). Wie von selbst, in typischer Registrierung flossen die filigranen Begleitfiguren dahin, über die eine wiegenliedhafte, natürliche Melodie kreiste. Ähnlich elegant gelang dem Organisten die Transkription über den Bach-Choral "Ertöt uns durch deine Güte" von Maurice Duruflé. Dessen Werk, dem Gedenken seines Freundes Jehan Alain gewidmet, der als 29 jähriger 1941 im Krieg gefallen ist, unterzog Flierl eine aufmerksame Interpretation, in der er die vielschichtige Satztechnik und die impressionistische Farbgebung aufzeigte. Zweier- und Dreierrhythmus, akkordische und melodische Themen, vierstimmige Fugenexposition, die schillernden Triolen des "Alain"-Motivs entwickelte der Organist in nachvollziehbarer Größe.
Schließlich Präludium und Fuge in Es-Dur BWV 552, das "leuchtende Juwel im Sanctuarium von Bachs Kunst" (Hermann Keller). Hier konnten die Zuhörer Bachs genialem Wurf nachspüren, die göttliche Trinität mit den Mitteln der Musik darzustellen. Mit der Dreiteilung im Präludium mit ouvertürenhafter Festlichkeit, einem zurückhaltenden zweiten und einem feurig-schwungvollen dritten Thema formt Bach eine Konzertsatz von ungeheurer Dichte, dem sich die Fuge mit gleichfalls drei Themen anschließt. Ruhig und majestätisch Gott Vater, auf- und absteigende Bewegungen Jesus Christus, herabschwebende, sich ausbreitende Sechzehntel der Heilige Geist. Ganz einig und einzigartig Axel Flierl, in seiner umfassenden Werktreue zu einem himmelwärts gerichteten Blick. Lang anhaltender Beifall für singuläre Interpretationen.





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