Basilikakonzerte mit Saxophon und Orgel eröffnet
Dillingen an der Donau: Basilika St. Peter | "Ein einmaliges musikalisches Ereignis" (Schirmherr Msgr. Gottfried Fellner) erlebten die Zuhörer in der gut besuchten Basilika St. Peter, die sich trotz Olympiaübertragung und Sturmwarnung am vergangenen Sonntagabend eingefunden hatten. Zwei 34-jährige Protagonisten zeigten hochkarätiges Duo- und Solomusizieren: Basilikaorganist Axel Flierl mit J.S.Bach und Olivier Messiaen sowie Hans-Christian Dellinger am Sopransaxophon mit zeitgenössischen Werken und Eigenkompositionen. Verständnisfördernd die geschickte Anmoderation, bei der die Solisten gegenseitig ihre Werke vorstellten. Darunter die Auftragskomposition "Lemniscate", die H.-Chr. Dellinger auf Wunsch Axel Flierls schuf und in der Basilika uraufführte. Nach Aussage des Komponisten meint "Lemniscate" die liegende Acht als Zeichen des Unendlichen. Sie füge sich ein in die Betrachtung von Tod und Auferstehung, ist sie doch dem Andenken an das frühe Hinscheiden seiner Partnerin geschuldet. Authentisch die Interpretation: tief empfundene Melodien, verinnerlicht vorgetragen und virtuos überhöht bis zum abrupten Schluss und dem musikalischen Hinweis, dass das Ende der Anfang ist. Axel Flierl begleitete kongenial mit homophonen oder angebrochenen Orgelakkorden, weichem Schwellwerkhintergrund mit Pedalkontrapunktik und ergreifendem Klangcrescendo. Enjott Schneiders Werk "Nekyia" (1989) vertiefte die Thematik des Nachtkonzertes "Mors et resurrectio", in dem er die griechische Totenbeschwörung als Archetyp aller Religionen darstellt: Der Weg zum Leben geht über das Kreuz. Die dreiteilige Komposition widmet jeweils dem Leben (Vivo), der Totenklage (Mesto) und der Auferstehung (Lux aeterna) beziehungsreichen musikalischen Inhalt. "Klänge des Lichts - Musik nach innen" auch in "Watching" (2001) des Engländers Graham Fitkin, der die Situation eines Mannes beschreibt, der einen anderen beobachtet, zunehmende Einsamkeit verspürt und auf sich selbst zurückgeworfen wird. Den Hell-Dunkel-Gegensatz offenbarte die Orgel mit beklemmend tiefen Klangschichten, Orgelpunkten oder gleich bleibenden pochenden Sequenzen, auf denen das Saxophon seine elegische Grundstimmung wie ein Englischhorn klagend ergreifend darstellte. Welch ein Unterschied zu den vier Gesängen aus dem "Schemelli" von J.S.Bach, bei denen das Saxophon quasi als eigenes Register mit der Orgel verschmolz. Einzigartig aber Hans-Christian Dellingers Solo vor dem Volksaltar. Sein vor zwei Jahren entstandenes Präludium mit Hymne ergriff den Raum und die Zuhörer gleichermaßen und belohnte diese großartige Wiedergabe mit Zwischenapplaus. Man fühlte sich an eine Violin-Solo-Sonate von J.S.Bach erinnert oder an ein Prélude von Claude Debussy, als der Saxophonist seine wunderbaren Girlanden pulsierend in das Kirchenschiff wob, Echowirkungen zauberte und sich mit glasklarem, rundem Ton himmlisch steigerte. Axel Flierls Künstlertum belegte die sechsstimmige Choralbearbeitung "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" von J.S.Bach (BWV 686). In diesem dichten Werk war bei der Verwendung des Doppelpedals technische Souveränität gefragt und ein Gespür für die polyphonen Zusammenhänge. "Wie eine unwiderstehliche positive Naturkatastrophe" (Almut Rößler) wirkte das Tutti-Stück von der Auferstehung Christi mit seinen gewaltigen, aufwärts drängenden Akkordmassen in Olivier Messiaens 9. und 10 Teil aus seinem "Livre du Saint Sacrement" (1984). Flierl hatte in der "Finsternis" (les Ténèbres) die dissonanten Aufschreie beim Auseinanderreißen der Glieder bei der Kreuzigung und die Zwölftoncluster erhebend und eindringlich nachgezeichnet. Großer Schlussbeifall für außergewöhnliches Musizieren.





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