Lieber Ringo,

    ich weiß, ich habe Dich bei meinem letzten Bericht nicht erwähnt ... ich weiß das. Ich habe Dich nicht vergessen, aber ich dachte mir, daß schon sehr viel über Dich geschrieben wurde - sei es von Dir selbst, was an sich Deiner zurückhaltenden Art nicht ganz entspricht oder aber von mir oder sehr vielen anderen Gastschreibern, die Du schon berufen hast.
Ich wollte unter keinen Umständen den Eindruck vermitteln, daß ich Dich vergessen würde oder Du es nicht wert seist, daß ich Dich beschreibe. Niemals nicht würde mir das in den Sinn kommen. Du bist jetzt schon seit so langer Zeit der Tagebuch Schreiber, daß es wahrscheinlich schon fast normal ist, daß man Dich kennt. Wir alle haben viel über Dich gelesen, aber ob das schon ausreicht, um jemanden beschreiben zu können, der sich hauptsächlich damit beschäftigt über andere Bewohner zu schreiben? Hast Du uns denn schon Dein wahres Ringo-Gesicht gezeigt? So wie ich Dich beobachtet habe, bist Du ein netter Hund, der sich kaum in den Vordergrund drängeln will. Du bist nicht sonderlich laut, Du nimmst es scheinbar einfach so hin, wenn Besucher an Dir vorbei laufen, weil sich Marlo oder auch Hugo lauter zu erkennen geben oder Kasimir höher springen kann und Bella einfach durch ihr Aussehen alleine schon die Blicke auf sich zieht. Du bist eine bekannte Größe im Tierheim, Du bist eine für die Menschen bekannte und vertraute Rasse, Du bist der, an dem man oft vorbeigeht, weil man das ja auf so vielen Bauernhöfen sieht und kaum einer denkt, daß Du ein echter Menschenhund bist. Nicht nur zum Schutz, nein auch zum Kuscheln und Schmusen. Natürlich hast Du Ecken und Kanten - wer hätte das nicht, wenn er mit 7 Jahren schon aus einem fahrenden Auto geworfen worden wäre, ein eingewachsenes Halsband überstanden hat, 2 mal den Versuch eines Auszugs gestartet hat und es einfach nicht geschafft hat, dort leben zu können und somit 3 mal hier ins Tierheim eingezogen ist ... wer hätte da nicht mit der Zeit Ecken und Kanten, um sich zu schützen. Auch eine Hundeseele braucht Schutz vor dem alltäglichen Leben. Auch an einem Hund prallt das Leben nicht einfach so ab. Es wird immer erwartet, daß der Hund der beste Freund des Menschen ist und bleibt, egal was der Mensch tut - was für eine bornierte Annahme des Menschen. Auch ein Hund kann seine Ängste tief in sich vergraben und manchmal einfach nicht mehr verstecken. Wie würden Sie denn reagieren, wenn Sie auf einmal mit einer Ihrer größten Ängste konfrontiert würden - aus dem Nichts, ohne Vorwarnung. Würden Sie das mit einem Lächeln wegstecken? Laß Dir nichts einreden Ringo viele Artgenossen wären an Deinem bisherigen Leben schon zugrunde gegangen und Du bist immer noch ein freundlicher Hund. Du freust Dich, wenn Du Gassigehen darfst, Du jubelst förmlich, wenn Deine Lieblingsgassifrau kommt und mit Dir eine schöne lange Runde dreht. Ich frage mich, ob es stimmt, daß Du es hier nicht so schlimm findest. Stimmt der Eindruck, daß Du zufrieden bist, mit dem, was Du jetzt hast, weil Du schon so viel Schlimmeres erlebt hast? Stellst Du Dir nicht manchmal vor, wie es wäre, wenn einer Deiner Gassigänger Dich einfach mitnehmen würde und Du dort so leben kannst, daß es für Dich lebenswert ist? Wie willst Du denn leben, Ringo? Sag doch dem Tagebuch was Du genau suchst, vielleicht konnte es bisher nur seine Magie nicht entfalten, weil Du noch nie gesagt hast "Ich bin Ringo, ich will hier raus!".......
Ich habe gehört, daß Dir Dein Rücken wieder zu schaffen macht. Keine Angst, ich bin mir sicher, daß unsere Menschen sich schon den Kopf zerbrechen, wie sie Dir helfen können. Ich glaube übrigens, daß die das ohnehin sehr viel tun - zwar nicht nur über Dich und wegen Dir, aber bestimmt nicht gerade wenig über Dich und wegen Dir. Bist Du jetzt der dienstälteste Bewohner hier? Ich glaube schon! Zwar nicht der älteste - nicht war Hugo - in Deinem Hundehaus, aber der mit der größten Erfahrung in Sachen Tierheimleben.
Jetzt habe ich so viel geschrieben, aber an sich nicht über Dich .... wie bist Du Ringo? Du bist nett und freundlich, manchmal scheint Dir aber selbst ein kleiner Mensch mit einer zu schnellen Bewegung einen Schreck zu versetzten und da Du kein kleiner Hund bist, fällt Deine Reaktion auch nicht klein aus. Du scheinst kaum Probleme mit Artgenossen zu haben, es sei dann wahrscheinlich, Dich meckert einer an. Über Deine Beziehung zu mir und meinen Artgenossen denke ich kann man sagen, daß Du einen miauenden Mitbewohner wohl akzeptieren könntest, aber einen fremden wohl auch schon mal schneller und genauer anschauen wollen würdest. Ich denke aber, daß auch das ganz normal ist im Leben Hund und Katze.
Und was ist mit Menschen? Für die richtigen Menschen gehst Du durch die Hölle, den falschen Menschen zeigst Du auch mal, daß Du sie nicht leiden kannst. Hektik und Lärm verunsichern Dich - so scheint es mir. Das Leben hat Dich gelehrt, daß es nicht gut ist, wenn man immer nur wartet, denn das kann richtig weh tun, deswegen reagierst Du manchmal bevor Du Dein Hundehirn einschalten kannst. Aber wenn Du vertraust, dann vertraust Du! Du hast mir gesagt, es ist lange her, daß ich noch verstehen werde, daß es hätte viel schlimmer kommen können, als hier zu leben. Damals dachte ich mir, daß Du spinnst, aber wenn ich Dich beobachte, dann scheint es mir fast, als ob Du es Dir auf Dauer vorstellen könntest. Laß Dir hierzu eines ganz klar sagen: unsere Menschen wollen sich das nicht vorstellen! Denk an Deine Vorgänger wie Bob, Captain oder unseren Edward ... auch sie mußten lange warten, aber es kam das beste Leben dabei heraus, das man sich als Hund oder Katze vorstellen kann - wenn nicht sogar noch viel besser. Also trau Dich zu hoffen und träum nachts doch ein wenig von einem schönen Zuhause.

Das können übrigens ein paar Mitbewohner aus dem Katzenhaus aufhören - also das träumen meine ich, denn sie sind ausgezogen.
Da wären das Geschwisterpärchen Pina und Colada, die auch zusammen in ein neues Leben starten durften. Und auch Ping und Hot haben die Herzen von Menschen erobert und sind ausgezogen.
Ganz besonders freut es mich aber, daß endlich Bella und Barney zusammen ein neues Leben beginnen können. Endlich können die Beiden Auf Wiedersehen sagen. Das ist ein ganz besonders glücklicher Auszug, denn 2 erwachsene Katzen, die zusammen bleiben müssen, weil sie zusammen gehören, sind in der Tat nicht so leicht in einer Familie unterzubringen. So ähnlich wie schwarze Kater oder scheinbar schwar-weiße Katzen mit eigenem Willen. Nun ja, die Zeit wird auch noch kommen - da bin ich mir sicher und träume des nachts immer mal wieder von einem großen Garten, der an einen Wald anschließt in dem ich nachts herumstreunen kann und immer sicher weiß, daß ich nach Hause zurücklaufen kann, dort mein weiches Kissen auf mich wartet und ganz besonders leckeres Futter, von dem Menschen, der sich trotz meines ganz eigenen Charakters immer um mich kümmern wird und mich immer lieben wird. Ich träume nicht von diesem Tag, ich träume über diesen Tag, denn ich weiß, daß er kommen wird und dann wird alles gut sein.
Egal was wir hier tun und erleben, dieser Traum, verbunden mit dem Wissen, daß hier schon Menschen sind, die uns lieben und sich um uns kümmern, läßt uns an den einen Tag glauben der da kommt: Auzugstag!
Ihre
Betty


http://www.tierheim-hoechstaedt.de
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 27.01.2015 | 23:00  
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Werner Szramka aus Lehrte | 27.01.2015 | 23:10  
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