Pilgern und Filmen auf dem Jakobsweg

von Juan Carlos Oliver-Vollmer aus Augsburg | am 27.01.2009 | 1619 mal gelesen | 5 Kommentare | 2 Bildkommentare | 6 Bilder
Finistere (Leuchtturm von Finistere "Ende der Welt"
 
Unterwegs bei nicht immer guter Witterung

Ein Interview mit den Pilgern Sepp Mayer und Wolfgang Vogel

Warum haben Sie sich auf den Jakobsweg gemacht?
Vogel: Letztendlich machte mich das Buch von Hape Kerkeling neugierig auf den Jakobsweg. Zudem hatte ich aufgrund des Eintritts in die Ruhephase der Altersteilzeit endlich auch die Zeit für eine längere Tour. Weitere Informationen (Literatur, Lichtbildervortrag, TV-Sendungen) führten dann zur Ausführung meines Wunsches von den Pyrenäen nach Santiago zu pilgern.
Mayer: Nach Eintritt in die Altersteilzeit wollte ich einmal etwas Besonderes machen. Die Idee zur Jakobsweg Pilgerwanderung entstand in gemeinsamen Gesprächen mit meinem Wanderfreund Wolfgang Vogel

Sind Sie gläubige Menschen?
Beide: Ich bin der Meinung ein gläubiger Christ zu sein.

Nervten euch Menschen, die nur wegen Hape Kerkeling wandern?
Beide: Unter den Pilgern, mit denen wir uns unterhalten haben war keiner, der offensichtlich aus diesem Grund unterwegs war. Wir empfanden unsere Mitpilger mit einer Ausnahme als freundliche und hilfsbereite Menschen, die aus den unterschiedlichsten Beweggründen den Jakobsweg gingen.

Weshalb hatten Sie die Videokamera dabei?
Vogel: Ich dokumentiere seit vielen Jahren meine Unternehmungen (Urlaubsreisen, Vereinsausflüge etc.) mit der Filmkamera und (was für mich wichtiger ist) bearbeite (Schnitt, Titel, Ton) das Material zu m.E. vorzeigbaren Filmen.

Wieso veröffentlichten Sie den Film?
Vogel: Ich zeige meine Filme im Wesentlichen nur den Personen, die an der jeweiligen Unternehmung beteiligt waren bzw. deren Angehörigen und Bekannten. Das an mich herangetragene breite Interesse an dem Film über den Jakobsweg führte zur öffentlichen Aufführung. Da viele Leute hierfür etwas bezahlen wollten, wurden die freiwilligen Spenden von mir ausnahmslos weitergegeben (Kindergarten, Kirchenrenovierung etc.). An einer Vermarktung besteht meinerseits kein Interesse.

Wie lange dauerte die Pilgerwanderung?
Beide: Die ging 38 Tage – vom 26. März bis zum 03. Mai 2008.

Wie viel wog die Kameraausrüstung?
Vogel: 2,650 kg einschließlich Transporttasche, 2 Reserveakkus, Ladegerät und Filmkassetten. Ich teilte mir den Transport mit meinem Mitpilger. Die an der Brust baumelnde Kamera war eher lästig als schwer. Aufgrund der überwiegend nassen Witterung gestaltete sich das Trockenhalten der Kamera als schwierig (Bei entsprechender Luftfeuchtigkeit stellt die Kamera ihre Tätigkeit ein).

War das Pilgern sehr anstrengend?
Vogel: Es war für mich ungewohnt jeden Tag zu gehen. Auf durch Niederschläge aufgeweichten Wegen zu gehen war sehr anstrengend insbesondere wenn es bergauf ging. Auch Schnee, Frost, Regen und Sturm erschwerten das Vorankommen. Ich bekam eine schmerzhafte Sehnenentzündung (Tendinitis) im linken Schienbein, die erst wieder eine Woche nach Rückkehr verschwand. Mein Mitpilger Josef Mayer hatte keine körperlichen Probleme.

Welche Abschnitte waren schön und welche weniger schön?
Beide: Schön oder weniger schön war mehr von der Witterung als vom Gelände abhängig. Bei trockenem Wetter oder Sonnenschein waren auch landschaftlich eher langweilige Abschnitte interessanter als Bergtouren bei Schnee und Regen. Insgesamt hatte jedoch jede Landschaft einen besonderen Reiz.

Und wo fanden Sie es am besten?
Beide: Beeindruckend waren die Kathedralen in Burgos, Leon, Astorga und Santiago. Landschaftlich äußerst reizvoll war jedoch die Verlängerung des Weges nach Muxia und Finisterre, dem sogenannten „Ende der Welt“.

War die Pilgerreise etwas Einmaliges oder denken Sie darüber nach diese zu wiederholen?
Vogel: Für mich war dieser Weg etwas Einmaliges. Wenn ich nochmals nach Santiago pilgern wollte, dann auf einem anderen Weg (Küstenvariante oder über Portugal). Es gibt noch so viele Sehenswürdigkeiten im In- und Ausland, die mich derzeit mehr interessieren als die Wiederholung eines Weges von dem man dann vielleicht enttäuscht sein könnte. Auch das Wandern auf Jakobswegen in Deutschland, der Schweiz und in Frankreich wären eine interessante Möglichkeit.
Mayer: Mich hat der Weg sehr beeindruckt und ich möchte ihn noch einmal mit meinen Kindern gehen und ihnen alles zeigen. Es könnten auch nur Teilstrecken sein, die mich am meisten beeindruckt haben.

Wird es weitere Dokumentationen verbunden mit öffentlichen Aufführungen geben?
Vogel: Wenn mir Interesse signalisiert wird, bin ich hierzu gerne bereit – eine Planung besteht jedoch meinerseits nicht.

Vielen Dank für das Gespräch
(Ein Dankeschön auch an Frau Anne Vogel, die den Kontakt zu den beiden Pilgern für mich herstellte.)

Beitrag zu diesem Interview ergänzend: www.myheimat.de/dillingen/beitrag/67983/

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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Myheimat-Stadtmagazin Dillinger | Erschienen am 04.02.2009
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