von Manuel Knoll und Philipp Polifka
Lauingen. Zwei Landkarten flankieren das Rednerpult, das auf der Bühne im Theaterkeller des Albertus-Gymnasiums bereit steht. Die erste zeigt die föderalistische Bundesrepublik, auf der anderen sieht man Europa. Im vollbesetzten Saal haben sich die Schüler der drei Oberstufenjahrgänge zusammengefunden, um den Vortrag eines Zeitzeugen zu hören. Als der Staatsminister a.D. den Raum betritt, applaudieren die Schüler. Schulleiter Hans Lautenbacher rühmt in seiner Begrüßung den prominenten Gast als einen Mann, dessen Wort Gewicht hatte und auch heute noch hat. Hans Maier, der von 1970 bis 1986 das Amt des bayerischen Kultusministers ausübte, kam ursprünglich aus Freiburg im Breisgau. Vom Wahlkreis Günzburg wurde der CSU-Politiker in den Landtag gewählt.
Seine Ausführungen beginnt der ehemalige Minister mit der Vergegenwärtigung der Situation nach dem zweiten Weltkrieg: Die Menschen lebten in Ruinen, sorgten sich ums Überleben. Hinzu kamen viele Vertriebene, die in dem geographisch dezimierten Deutschland eine neue Heimat suchten. Trotzdem schätzt Maier die damalige Lage als positiv ein. So sagt er: „Die Befreiung durch die Alliierten war eine Befreiung von einem Regime, dass die Deutschen selbst nicht abschütteln konnten.“ Das größte Problem der Verfassungsväter stellten die mangelnden Vorbilder dar, da die Bevölkerung vom Dritten Reich stigmatisiert war und man auch ungute Erfahrungen mit der ersten Republik auf deutschen Boden gemacht hatte. Von den Kinderkrankheiten geheilt zog das junge Staatsgebilde Bundesrepublik seine Lehren aus der Weimarer Verfassung. Maier hebt diese Divergenzen immer wieder hervor. So erklärt er, dass die im Grundgesetz verankerten Grundrechte eine Kopernikanische Wende darstellten. Auf Grund des desaströsen Endes der ersten deutschen Republik verzichtete man auf plebiszitäre Elemente. Diese werden jedoch heute oftmals wieder gefordert. Deshalb meint der Politiker: „Konrad Adenauer würde sich heute schwerer tun.“
Als wichtig erachtet Maier das Verhalten Deutschlands als ein normaler Nationalstaat. Dies sei bedeutsam, um als verlässlicher Partner für andere Länder zu gelten. Die größte Herausforderung sei ein normaler Patriotismus, der nicht in bedrohlichen Nationalismus entartet.
Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Albertus-Schüler mit dem Politiker unter anderem über die Gefahren, die vom rechten und linken politischen Rand ausgehen. Maier, der während des so genannten „Deutschen Herbsts“ aktiv in der Politik als Kultusminister tätig war, schätzte die damalige linke Bedrohung als gefährlich ein. Aktuelle Gefahren wie die sinkende Wahlbeteiligung sieht Maier mit großer Sorge. Dies sei ein Anzeichen für eine Krise der Demokratie. Als weiteres Problem erachtet der Unionspolitiker den abnehmenden Zuspruch der SPD in der Bevölkerung. Maier würdigte die Verdienste der beiden Volksparteien, auf deren Schultern unsere Demokratie basierte, jedoch: „Die Leute wollen sich heute nicht mehr binden, weder durch die Ehe, noch durch Politik, noch durch die Kirche.“ Hinzu komme, so Maier, dass sich die Bevölkerung nicht mehr ausreichend mit ihren Volksvertretern identifizieren könne.
Als kleine Anekdote zum Schluss fügte er hinzu: „Intellektuelle haben immer die Nase gerümpft über Konrad Adenauer, mit der Begründung er könne nur tausend Wörter Deutsch - diese konnte er aber gut!“








