Dillingen und seine Badeseen: Die Qual der Wahl. Baden im Dillinger Land

Schabringer Weiher, Oststrand
 
Mit dem Rad zum Badesee: Durch diese hohle Gasse muß er fahren
Das Dillinger Land zeichnet sich durch eine Vielzahl von beschwimmbaren Seen aus, deren touristisches und erholungsmäßiges Potential von der einheimischen Bevölkerung noch lange nicht ausgereizt ist. Dagegen findet man allerorts Autos, die herkunftsmäßig in allen möglichen Orten auf der schwäbischen Alb anzusiedeln sind. HDH, AA, GP und viele andere mehr sind keine Seltenheit. Sogar Angler aus dem Kreis Heilbronn habe ich schon getroffen. Schwimmen am See ist offenbar nicht alles, auch die Angler kommen von weit weit her, mit Wohnmobilen und Caravans, um hier kostengünstig einen fantastischen (Kurz-) Urlaub oder das Wochenende zu verbringen.

Den Auwaldsee in Lauingen habe ich an dieser Stelle schon zur Genüge vor- und dargestellt.
http://www.myheimat.de/dillingen/tag/auwaldsee/

Heute, am Sonntag, habe ich mich per Fahrrad in Richtung Norden aufgemacht, wo auch der Schabringer Weiher (1) liegt. Auf dem Weg dorthin fühle ich mich wie in einem Geruchs-Lehrpfad. Die Rapsblüte ist bereits Vergangenheit, doch der Holunder, der Holunder! Die riesigen Blüten drängen sich mit Gewalt in das Riechorgan, schon alleine der Geruch macht es, dass man sich jung, stark und gesund fühlt. Gleich ein paar eingepackt, das gibt hinterher hervorragende Holunderküchle. Mhmmmm, lecker!

Doch am Schabringer Weiher angekommen, am Sonntag vormittag, bin ich bass erstaunt, dass sich hier so gut wie niemand aufhält. Nun ja, "niemand" ist nicht ganz richtig, am sonst leeren Kiesstand mit dem kinderfreundlichen seichten Zugang zum Wasser hat es sich nur 1 (ein) Mann bequem gemacht, der Fahrrad und Badematte dabei hat. Nebenbei: Man kann an verschiedenen Stellen ans Ufer, doch in letzter Zeit wurden manche Zufahrten rigoros dicht gemacht, so dass der Fußgänger oder Radfahrer hier klar im Vorteil ist.

Vom gegenüberliegenden Ufer dringen russische Laute herüber: Eine vierköpfige Familie genießt das Anglerdasein in herrlicher Natur. Kurze Zeit später gesellen sich (offenbar) Freunde mit einem Wohnmobil dazu. Auf der schmalen Landzunge (spaßeshalber Kamtschatka - russisch Камчатка - genannt), die von Bergheim her in den See ragt, kann man gut den Nachmittag in Gemeinschaft verbringen, an drei Seiten vom Wasser umgeben. Ob nun der Fisch beißt oder nicht, das Naturerlebnis ist unbezahlbar!

Da fällt mir auf: An unseren Badeseen fühlen sich die nicht-deutsch-muttersprachlichen Neubürger sehr wohl. Ich freue mich, dass unsere herrliche Natur wenigstens von dieser Personengruppe angenommen wird. Die Neubürger sind sehr gesellig und bringen die ganze Familie und Freunde mit. Da wird gegrillt, gelacht und der Wohlfühlfaktor ist entsprechend hoch.

Das vermisse ich sehr bei den Einheimischen. Vermutlich bin ich wohl auch an den falschen Seen, oder zur falschen Zeit. Der See ist sauber, das Wasser ist klar und hat 22 Grad. Vielleicht sollte ich am Nachmittag nochmals hierher kommen. Ach, fast hätte ich es vergessen: Einheimische treffe ich hier nicht nur als Einzelgänger und -innen, sondern auch in Rudeln von Halbwüchsigen, die es sich eher AM als IM Wasser gemütlich machen. Sehen und gesehen werden ist da offensichtlich die Devise.

Abends wird es an manchen Seen erst interessant. Da fährt man mit dem Auto, so es denn erlaubt ist, bis nahe an die Waterkant (ans Ufer), und dann wird die Natur erst mal richtig beschallt, dass die gefiederten Freunde in Scharen reißaus nehmen ob der großen Phon-Gewalt. Dann wird Feuerholz ausgeladen, und es wird gefeiert bis in die Puppen.

Wer am nächsten Morgen an diese Stellen der heimischen Seen-Ufer kommt, ist ofmals mehr als entrüstet, zersplitterte Flaschen, scharfkantige angekohlte Büchsen, bunte Plastiktüten aller Art und sonstige Gebrauchsgegenstände zu finden, die, wohl aus akutem Schwächeanfall der vormaligen Besitzer, den Weg in den Müllbeutel, ins Auto und zurück in die heimische Mülltonne nicht mehr geschafft haben.

Wer es also richtig schön ruhig haben will an unseren Seen, kommt am Vormittag her. Zu dieser Tageszeit hört man noch die Vögel ihr vielstimmiges Konzert aufführen. Einschränkung: An Baggerseen, die noch aktiv bewirtschaftet werden, hört man während der Woche keine Vögel, sondern die Rollbänder, die Kies durch die Gegend befördern. Auch interessant, aber nur mit guter Musik im Ohr zu ertragen.

Apropos Kiesgewinnung: Wer an kantigen Formen und Industriearchitektur interessiert ist, für den habe ich an diesen Bericht einige schöne Beispiele angehängt. Die Aufnahmen sind alle im Landkreis gemacht, z.B. diese hier, die schon an einem anderen Fleck bei MyHeimat steht:
http://www.myheimat.de/dillingen/beitrag/34236/

Fortsetzung folgt als Bildergeschichte. Siehe die hier hochgeladenen Bilder und der Text dazu. Der Beitrag wurde am 2.7.2008 in der print-Ausgabe des DILLINGER leicht gekürzt veröffentlicht, allerdings mit einem recht flach wirkenden Mini-Foto.

1) auch Silbersee genannt (kein Grund zur Verwirrung: Den Namen gibt es des öfteren hier in der Gegend!
http://maps.google.de/maps/mm?ie=UTF8&hl=de&t=h&ll...
Anmerkung: Wie immer ist die Google-Earth-Ansicht recht veraltet. Die vielen Autos, die man auf der Ansicht (24.6.2008) sieht, gibt es nicht mehr, da Schranken weit vor dem See errichtet wurden. Und: Der Kiesbagger arbeitet nicht mehr. Daher: Sauberes Wasser, Sichtweite mehr als 2 Meter (Juni 2008).

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Uschi Bofinger aus Krumbach am 09.06.2008 um 18:54 Uhr  
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