Ein OFEN für ELENA. Der Kälte wegen.
Clever ist sie schon, die Elena. In der Adventszeit ist gut betteln, das haben allerlei Organisationen im Laufe von hunderten von Jahren langsam, aber sicher erkannt. Eine regelrechte Bettel-Invasion steht uns - und fällt uns - in der Adventszeit ins Haus.
Nicht nur vor der Haustüre geben sich die Spendensammler jeder Couleur die Türklinke in die Hand, nein auch in meiner Mailbox wimmelt es von ungebetenen Hilferufen aus aller Welt. So auch von Elena. Oder von jemandem, der sich für Elena ausgibt.
Nennen wir die Schreiberin also Elena, der Einfachkeit halber. Am Ende dieses Beitrages habe ich den Bettelbrief, der so gar nicht als SPAM daherkommt, im Original wiedergegeben.
Die 31-jährige Elena (ein Bild habe ich auch gefunden, siehe unten) lebt mit ihrer 7-jährigen Tochter, aber ohne Ehemann (der ging stiften) bei ihrer Mutter. Damit wir uns nicht wundern, warum die Elena eine Email schreiben kann, gibt sie noch an, dass sie in der Bibliothek arbeitet und daher an den Computer mit Internet-Anschluss kommt.
Schicksalsschläge und Druck der Verhältnisse gehören in jeden guten Bettelbrief, daher zähle ich jetzt mal auf:
1.) Der Mann, normalerweise in Russland möglicherweise traditionell der "Haupt-Ernährer" der Familie, ist auf und davon.
2.) 7-jährige Tochter braucht was zu Essen, was offenbar durch den Bibliotheksjob nicht herangeschafft werden kann.
3.) Mutter (also Omma des Hauses) hat nun ihren Job verloren, also kommt von daher keine Knete mehr ins Haus.
4.) Winter, der kalt und kälter wird: Sie wissen nicht, wie sie überleben sollen. Erfrieren ist also eine recht wahrscheinliche Option.
5.) Kein Ofen da, aber viel Holz zum Verbrennen
Zusammengefasst möchte Elena folgendes:
Falls der Adressat dieser SPAM-Mail einen transportablen Ofen hat, möge er ihn doch spenden - und für den Transport sorgen. Alternativ könnte der Adressat natürlich eine Geldspende leisten, um es Elena zu ermöglichen, mit diesem Betrag vor Ort den Ofen zu besorgen.
Elena, du hast mein hartes Herz erweicht. Noch nie hat jemand so logisch so wenig von mir verlangt. Scheiß auf die genau 193 Euro, die der Ofen kostet, ich gebe sie dir mit Freuden.
Schade nur, dass ich von dir nur deinen Vornamen und deine Email-Adresse kenne.
Wo wohnst du? Wie heißt du richtig? Wer steckt hinter der Email?
Das werde ich sicherlich gleich erfahren. Am besten schreibe ich dir gleich zurück, noch heute.
Dann bekomme ich auch endlich weihnachtliche und warme Gefühle, die seit dem ersten Lebkuchenverkauf im September leider ziemlich abgeflacht waren.
Elena, vielleicht bringe ich dir auch gleich den Ofen mit, wenn ich mich mit meinem Auto Richtung Osten auf den Weg mache, denn ich will das Leuchten in den Augen deiner Tochter Angelina und deiner Mutter (wie hieß sie doch gleich noch mal?) sehen, wenn sie endlich eine warme Bude haben. Ich freue mich schon auf die Länder, die ich durchquere, um zu dir zu kommen, vielleicht Tschechien, Polen, Weißrußland, Ukraine, wer weiß?
Ich wünsche dir eine schöne Bescherung, Elena, und dass du ganz viele liebe Emails bekommst von guten Menschen, die dir helfen wollen.
Wenn du (und deine Kolleginnen vom Hotline-Callcenter) dann den Antwortbrief mit den Einzelheiten zur Zahlung mitteilst, wird der Geldsegen nicht lange auf sich warten lassen. Schade, dass die Millionärsmesse in Moskau schon vorbei ist. Aber sicher hat sich dein Chef schon informiert, was er mit der vielen Knete anfängt, die er einsammeln wird.
Übrigens: Wer der Elena jetz gleich schreiben will, schickt mir bitte eine Privat-Mail. Die Email-Adresse der guten Dame kommt dann so schnell wie möglich.
Hier also die Original-SPAM-Mail:
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Hi,
My name is Elena, I have 31 year and I live in Russian province. I work in library and after my work I allowed to use computer when it possible.
I finded your address in internet and I decide to write you this letter.
I have 7 year daughter Angelina, her father abandoned us and we live with my mother.
Due to crisis recently my mother lost job and our situation becomed very difficult.
Price for heating our home very high and we cannot afford it anymore.
Winter is coming and weather becoming colder each day. We worry if the temperature will become cold in our home, we don't know how survive.
For heating our home we need portable stove which give heat from burning wood. We have many wood in our region, but we cannot buy this stove in local market because it cost equivalent of 193 Euro and very expensive for us. If you have any old portable wood burning stove, we will be very happy if you can donate it to us and organize transport of its to our address or help us to buy it in our local market. This oven are different, they are from cast iron and weight 100-150kg.
I hope to hear from you soon and I hope that our situation will become better in the New Year.
Elena.
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Wer mehr über Abzocker-SPAMs aus Russland lesen will:
Spam aus Russland: Valentin und Elena betteln wieder
http://www.computerbetrug.de/nachrichten/newsdetai...
Request from Russia
Alle Jahre wieder: Mails von Valentin aus Russland
http://www2.tu-berlin.de/www/software/scam/valenti...
Auch eine Elena bittet wie Valentin um Spenden: Sogar ein Bild von Mutter und Tochter!!!
http://www2.tu-berlin.de/www/software/showscamtxt....
http://spam.weltretter.de/2009/01/12/hi-2/
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Ein weiterer Beitrag aus der Reihe "MomentMal"
http://www.myheimat.de/tag/momentmal
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Kommentare zum Beitrag
@Renate: Na klar, wer sich jetzt ärgert, ist selbst schuld. Übrigens: Hast Du nicht zufällig in der nächsten Zeit eine Autotour in den Osten vor? Ich habe gerade einen alten Ofen gefunden, den Elena sicherlich brauchen kann. ;-)
Wir schlagen 2 Fliegen mit einer Klappe. Warum suchen wir nicht einen männlichen Single, dem geben wir den Ofen mit und die beiden verlieben sich. In der Arbeit erhalte ich fast täglich Emails von jungen, bildhübschen Russinnen, die nur nach Deutschland kommen möchten, um die große Liebe kennenzulernen. Es wäre doch nur ein kleiner Nebeneffekt, um nach Deutschland zu kommen. Also Singels - ran an die Buletten - meldet euch!
@Silke: Imma ma langsam mit die Pferde, wa!
Die Dame (Elena) möchte nicht unbedingt ihre Mutter und ihr Haus verlassen. Das, was sie möchte, ist ein warmer Ofen.
Das mit dem planvollen Verlieben finde ich eine großartige Idee, nur muß sich der lover-in-spe bewusst sein, dass er den Rest seiner Tage nicht in Lauingen oder Wertingen verbringt, sondern als Alleinverdiener "in Russian province", wie Elena schreibt.
In der Stellenausschreibung für einen zukünftigen Neurussen müsste auch drin stehen, das er die Sprache einigermaßen beherrscht (so gut wie andersrum unsere Neubürger halt) und dass er mit etwas rauherem Klima rechnen muß, je nachdem, wie weit östlich die "Russian province" liegt.
Außerdem sollte er kräftige Fäuste und einen Selbstverteidigungskurs absolviert haben, denn bei Rückkehr des ehemaligen, nunmehr unauffindbaren Ehemanns könnte es Komplikationen geben!
Wenn wir unseren 150 kg Mann - begutachtet von uns - losschicken, wird Elena anbeißen. Du machst von der Reise Fotos und schreibst einen Bericht, für die Hochzeit mache ich die Deko und das kleine Mädchen ist natürlich das Blumenkind. Mönsch Wolfgang, vernichte doch nicht so meine Träume! Ich will doch nur helfen!
ja, ja, ja...
"er will doch nur spielen" !
AUTSCH!
Gut, ich geb' ja schon Ruhe und spende die 193,00 €! Wollte nur nebenbei ein kleines Vermittlungsbüro aufmachen :-)))
Jetzt im Ernst, meinst du, dass da Leute wirklich spenden? Ich kanns mir beim besten Willen nicht vorstellen!
ok, also die Email-Adresse zu weiterer Kommunikation mit unserer Strohwitwerin bekommst Du per Privatmail.
Wer die Email-Adresse zu weiterführenden Spielchen braucht (*), melde sich bitte per Privatmail an mich.
*) ## Rache ist Blutwurst: Scambaiter-Deutschland
http://scambaiter.sc.funpic.de/
@Silke, die da frug, ob die Leute wirklich spenden?
Na klar spenden die. Es ist doch Adventszeit, die Zeit der offenen Herzen und offenen Geldbörsen! Guck nur mal die Links an, die ich oben angeführt habe. Wenn sich die Chose nicht lohnen würde, hätte Elena und ihr Cousin (oder Bruder oder Geschäftspartner) Valentin schon lange mit der Nigeria-Masche (*) weiter gemacht. Aber die Ofen-Sache scheint sich über lange Jahre hinweg trefflich zu lohnen!
*) http://www.myheimat.de/dillingen/beitrag/61030/fra...
Danke, ich überdenke mein berufliches Schaffen ;-))
Hier kann man noch mal gründlich über diese Bettelbriefe nachlesen:
http://www2.tu-berlin.de/www/software/scam/valenti...
"Bei Rückfragen geht es meist nur noch um Geld, das per Western Union transferiert werden soll."
Übrigens auch eine hübsche Namensänderung im Laufe des letzten Jahre seit 1999: Erst Valentin, dann Olga und jetzt Elena. Oder alle 3 ;-)
"Mehr als hundertfünfzig Milliarden digitale Massenwerbebriefe sausten im Jahr 2008 pro Tag durch das Internet."
Dies und andere unglaubliche, doch wahre Zahlen präsentiert heute der "Rheinische Merkur":
http://www.merkur.de/2009_29_Nettigkeiten_aus.3581...


Hallo , lieber Wolfgang,
vielleicht sollte unsereiner auch mal auf diese Weise auf Geldfangtour gehen.. !! Die Methoden werden immer dreister. Bei mir stand vor kurzem ein Mann vor der Tür und hielt mir einen handgeschriebenen Schmierzettel unter die Nase. Auch irgendein Bettelschreiben. Ich habe ganz schnell wieder die Haustür zugemacht. Zum Glück hat der mir meine Weihnachtsdeko vor dem Haus nicht zertreten... man weiß ja nie.
Schade, dass man auch schon davor Angst haben muß. Wer spenden will, der sollte es bei sich vor Ort machen, wo man auch sehen kann, was mit dem Geld gemacht wird. Bei den großen Organisationen geht ein großer Teil des Geldes für Verwaltungskosten drauf.
In diesem Sinne, trotzallem eine schöne Weihnachtszeit !!
Nicht ärgern !
LG
Renate Wachholz