Tutti fratelli (ital. Alle sind Brüder)
Castiglione delle Stiviere (Italien): Fiaccolata | Wasserwacht Dillingen bei internationalem Rot-Kreuz-Treffen
Am 24. Juni 1859 passierte der Schweizer Kaufmann Jean-Henry Dunant, der auf dem Weg zu Napoleon war, die Schlachtfelder von Solferino. In dieser Schlacht kämpften mehrere hunderttausend Franzosen, Italiener und Österreicher gegeneinander. Schockiert von diesen Eindrücken, vergaß er seinen Auftrag und organisierte spontan Hilfe. Zusammen mit den einheimischen Frauen wurden alle Verletzten versorgt, egal welcher Nation sie angehörten. Dies war für damalige Verhältnisse eine Sensation. Durch diesen Einsatz reifte in Henry Dunant der Gedanke eine Organisation für Verwundete zu gründen. Aus diesem Grund wird Solferino als die Geburtsstätte des Roten Kreuzes angesehen.
Zum Gedenken an dieses Ereignis findet jedes Jahr an dem Wochenende um den 24. Juni ein Gedenk- und Fackelmarsch von Solferino nach Castiglione über die Felder der damaligen Schlacht statt. An diesem wollten wir dieses Jahr auch teilnehmen.
Unsere Reise startet am Donnerstag den 21. Juni gegen 15 Uhr. Von Dillingen sollte es auf direktem Weg nach Castiglione delle Stiviere gehen, aber leider blieben wir nach Reutte in einer Vollsperrung stecken, die erst nach fast 2 Stunden wieder aufgehoben wurde. Auf Grund dessen erreichten wir unser Ziel erst um 1 Uhr. Als dann noch die Anmeldung in der unendlichen Weite des Webs verschwunden war ( ist schlicht und ergreifend nicht angekommen), schien alles perfekt.
Trotz allem wurden wir sehr freundlich im Campo Lidia aufgenommen und bekamen Feldbetten im Zelt 33 zugeteilt. Auf dem riesigen Gelände herrschte noch Partystimmung, so wurde es eine recht kurze Nacht.
Nach allen formellen Erledigungen am Freitag Morgen und einem ausgiebigen italienischen Frühstück erforschten wir das riesige Gelände. Heute fand der Internationale RK Wettbewerb statt. Gruppen ab sechs Personen könnten daran teilnehmen. Gefragt war das Wissen über die geschichtlichen Entwicklung des Internationalen Roten Kreuzes, über das humanitäre Völkerrecht, in der Praxis Verletzte aus einem Kino evakuieren und versorgen, mit einen Suchhund richtig arbeiten. Ein Wasserspiel, sowie technische und sportliche Aufgaben gehörten ebenso dazu. Da wir nur zu dritt anwesend waren, besichtigten wir die kleine Stadt Sirmione, am südlichen Gardaufer gelegen. Dort hatten schon früher die Römer ihre Ferien verbrachten. Ein kühlendes Bad im See durfte natürlich nicht fehlen, da die Temperatur weit über 35° C anstieg. Im Campo zurückgekehrt wurden wir von unseren Nachbarn, den Finnen zu einem Kennenlernspiel eingeladen. Alle hatten großen Spaß daran. Ein wirklich nettes und lustiges Volk. Am Abend stand die Siegerehrung des RK-Wettbewerbes an. Mit Spannung wurde diese erwartet. Die Rumänen heizten die Stimmung im Partyzelt mächtig an. Nach der Ehrung tobte das ganze Zelt zu guter Musik. Auch diese Nacht war recht kurz, zumal wir noch mit den RK Gruppe aus Leutkirch anstießen.
Der Samstag stand ganz im Zeichen des Roten Kreuzes. Immer mehr Mitglieder des RK aus aller Welt reisten ins Camp, insgesamt ca. 1500 Personen aus 39 verschiedenen Nationen. An diesem Tag stand der Besuch des Rot Kreuz Museums in Castiglione als Pflichtteil auf dem Programm. Außerdem bestiegen wir den Turm in San Martino delle Battaglia. Von diesem konnte das Gelände auf dem die Schlacht zu Solferino getobt hatte, überblickt werden. Auf den Feldern werden zum Teil heute noch Knochenreste gefunden. Ins Lager zurückgekehrt, zogen alle ihre Dienstkleidung an, denn die Abfahrt zur Fiaccolata stand an, dem absoluten Highlight des Tages. Etliche Tausend Menschen warteten auf die Busse um nach Solferino gebracht zu werden (inzwischen waren noch viele Gruppen aus Italien angereist). Dort marschierten alle über die Viale Henry Dunant auf den Marktplatz der 2500 Seelen Gemeinde. Weiter begaben wir drei uns zu der auf einem Hügel liegenden Knochenkapelle Ossario di Solferino. In dieser kleinen Kirche werden die Schädel von 1413 Gefallenen der Schlacht und Knochen von ca. 7000 weiteren Opfern aufbewahrt. Ein wirklich erschütterndes Zeugnis über die Grausamkeit eines Krieges.
Von dort aus ging es weiter zum „Spion von Italien“ (Turm) und dem Rot Kreuz Denkmal von 1959, an dem jede nationale Rotkreuz- oder Rothalbmond-Gesellschaft durch eine Steintafel repräsentiert wird.
So nach und nach trafen einige tausende Teilnehmer des Fackelzuges ein. Nach einigen Grußworten wurden die Fackel entzündet und ein acht Kilometer Marsch begann. Über den Marktplatz von Solferino führte der Weg bergauf und ab nach Castiglione, dort spielte eine Blaskapelle zur Begrüßung auf, über die gesamte Wegstrecke beklatschen und feuerten uns Anwohner und Passanten an. Für erfrischende Getränke wurde mehrere Male am Wegesrand gesorgt, denn der Schweiß floss in Strömen.
Gegen 23 Uhr, also nach 3 Stunden Marschzeit, erreichten fast alle wohlbehalten die Zeltstadt.
Zum Abschluss wurde noch ein herrliches Feuerwerk gezündet und wer noch konnte, feierte bis tief in die Nacht. Schon wieder eine kurze Nacht.
Die Rückreise führte uns am westlichen Gardasee Ufer nach Torbole. Dort genossen wir ein letztes Mal die italienische Sonne und das kühlende Nass. Gegen 21:30 Uhr endete unsere Rot Kreuz Wallfahrt wieder im heimischen Dillingen, leider. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr wieder zur Fiaccolata 2008, wäre echt super!! Übrigens die Finnen wollen nächstes Jahr auch wieder hin.
Unter www.wasserwacht-dillingen.de gibt’s natürlich noch mehr Fotos zu sehen.




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