Bedarf an Erziehungsberatung nimmt stark zu

EJV-Leiter Heinrich Riegel, OB Hans-Jürgen Weigl, Landrat Leo Schrell, Jugendamtsleiter Reinhold Metz am Tag der offenen Tür in der Beratungsstelle.

Jahresbericht von Erziehungsberatungsstelle und Familienhilfe vorgestellt

Dillingen (kjf)
„Erfreulich und beängstigend zugleich“ ist laut Dipl.-Psychologe Heinrich Riegel, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle, die momentane Anmeldesituation in der Erziehungsberatung.


„Die Zahl der betreuten Kinder und Familien lag schon im vergangenen Jahr auf Rekordhöhe, in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres haben wir im Vergleich zu den Vorjahresmonaten einen weiteren Zuwachs um mehr als hundert Prozent zu verzeichnen,“ so Riegel bei der Vorstellung des Jahresberichts 2005.

Im Jahr 2005 wurden den drei Fachkräften, einem Psychologen und zwei Sozialpädagogen, insgesamt 319 Kinder und deren Familien zur Beratung vorgestellt. Häufigste Anmeldeanlässe waren Familienprobleme wie z.B. Trennung und Scheidung, soziale Auffälligkeiten und schulische Fragestellungen. Durch eine Ausweitung der Öffnungszeiten, etwa an Donnerstagen bis 20 Uhr, und flexible Terminvergaben konnte die Wartezeit im vergangenen Jahr mit durchschnittlich zwei Wochen gering gehalten werden. „Sollte sich der momentane Trend aber verfestigen, werden diese kurzen Wartezeiten auf Dauer nicht zu halten sein“, befürchtet Heinrich Riegel.
Es zeigte sich im letzten Jahr an der Beratungsstelle, dass die „klassische“ Familie mit beiden Elternteilen und gemeinsamen Kindern weiter an Boden verlor. Ihr Anteil lag bei nur noch 44 Prozent, es überwogen erstmals Stiefelternfamilien und Familien mit allein erziehenden Elternteilen. Auf gute Resonanz stießen im Berichtszeitraum die Präventionsangebote der Einrichtung, insbesondere die Gruppe für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien, die mit 10 Teilnehmern ausgebucht war, sowie der Grundkurs für „pubertätsgeschädigte“ Eltern, den durchschnittlich etwa 35 Personen besuchten.
Eine Zäsur markierte zur Jahresmitte die Verabschiedung von Dipl.-Psychologe Günter Hofstetter in den Ruhestand. Mit dem Ausscheiden Hofstetters endete eine Ära. „Er hat die Einrichtung auf- und ausgebaut und über 30 Jahre hinweg mit großem Engagement geleitet“, würdigt Riegel die Leistung seines Vorgängers. Ein anderes wichtiges Ereignis war der Tag der offenen Tür im Herbst, zu dem u.a. MdL Winter, OB Weigl, Landrat Schrell und Jugendamtsleiter Metz begrüßt werden konnten.
Seit Jahresbeginn bilden Psychologische Beratungsstelle und Sozialpädagogischer Fachdienst gemeinsam den Erziehungs- und Jugendhilfeverbund (EJV) Dillingen unter Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge. Von den vier Mitarbeitern des Fachdienstes wurden im vergangenen Jahr insgesamt 41 Familien in ihrem Lebensumfeld betreut mit dem Ziel der Hilfe zur Selbsthilfe. Zu den Aufgaben gehörte u.a. die Unterstützung der Eltern in ihren Erziehungsaufgaben, Hilfe bei der Bewältigung von Alltagsproblemen sowie Unterstützung im Kontakt mit Ämtern.
Heinrich Riegel, der Anfang Januar mit der Gesamtleitung des EJV betraut wurde, dankt in seinem Bericht allen Kooperationspartnern, „die unser Engagement für Kinder und Jugendliche auch in Zeiten leerer Kassen möglich gemacht haben, allen voran den Verantwortlichen des Landkreises sowie den Mitarbeitern des Jugendamts für die zu jeder Zeit konstruktive Zusammenarbeit.“

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