Echte Medienkompetenz beginnt mit Medienabstinenz

Medienkompetenz zählt zu den viel strapazierten Schlagwörtern, wenn es um Schule und Erziehung geht. Am Donnerstagabend, 25. September 2014, führte Medienexperte Uwe Buermann seinen Zuhörern in der Landsberger Waldorfschule lebhaft vor Augen, wie sinnvoller Umgang mit den digitalen Medien aussieht. An sehr deutlichen Beispielen zeigte er die weitreichenden, bisweilen schockierenden Nebenwirkungen einer verfrühten, sinnentfremdeten – kurz inkompetenten Nutzung der virtuellen Welt. Seine klare Empfehlung lautet: „Echte Medienkompetenz beginnt mit Medienabstinenz in der Kindheit und frühen Jugend.“

Die Zahlen aus dem Suchtbericht von 2012, die rund 250.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 14 bis 24 Jahren Internetabhängigkeit zuschreiben und rund 1,4 Mio als problematische Internetnutzer ausweisen, sind erschreckend. Alarmierend sind sie insbesondere vor dem Hintergrund, dass diese Altersgruppe in der digitalen Welt groß geworden ist und eigentlich kompetent sein müsste. Umso wichtiger sei es die Debatte, ob das Internet gut oder schlecht ist, endlich zu beenden, mahnte Buermann. Entscheidend nannte er hingegen die Frage, welche Fähigkeiten der Nutzer mitbringen muss, um der virtuellen Welt kompetent begegnen zu können.

Sinnvollen Umgang mit den digitalen Medien verdeutlichte Buermann an mehreren Beispielen, darunter ein Erwachsener, der in ein soziales Netzwerk eintritt, um das 20.Jubiläum seines Abiturs zu organisieren. Eine sinnvolle, zielführende Sache, so Buermann. Ein 13-Jähriger, der sich unbedingt bei Facebook anmelden möchte, habe dagegen eine ganz andere Intention. „Er möchte fremde Menschen kennenlernen und wohl kaum seinen ehemaligen Kindergartenfreund ausfindig machen, um mit ihm auf ein Kindergartenjubiläum anzustoßen,“ zwinkert Buermann.

Data mining schöpft persönliche Daten ab


Mit Sicherheit hat der 13-Jährige jedoch keine Vorstellung, was es bedeutet, wenn sein unkontrollierter Aufenthalt und dessen allzu nachvollziehbare Spuren im virtuellen sozialen Raum nie mehr gelöscht werden. Er kann und macht sich wohl kaum Gedanken darüber, dass Google, Facebook und Co. über sogenanntes Data mining, dem Schürfen in Daten, alles über ihn wissen und daraus Schlüsse für den eigenen Nutzen ziehen.

In teils beängstigenden Szenarien erläuterte der Medienspezialist wie Javascripte oder gar aus dem Militär stammende Global Positioning Systeme (GPS) die Daten der Smartphone-, Tablet- oder iPod touch-Nutzer abschöpfen. Je nach Nutzungsintensität übermitteln die Daten, wo sich der Nutzer, wann, warum und mit wem gerade befindet. „Es gibt kein anonymes Surfen im Internet“, machte Buermann klar.

Klare Haltung zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen


Gerade mit diesem Wissen, empfahl der Experte Eltern, Lehrern und Erziehungsberechtigten eine klare Haltung zur Mediennutzung. „Wir schenken ja einem 12-Jährigen auch keine Kettensäge und wenn es sie sich noch so wünscht. Warum tun wir uns aber bei der altersgerechten Nutzung eines Smartphones so schwer?“, fragte Buermann in die Runde.

Was ihn betrifft hat Buermann eine ganz klare Haltung. Unter 16 Jahren bekommt seine Tochter kein Smartphone. Denn zu den Fähigkeiten, die Menschen für eine Medienkompetenz brauchen, zählt in erster Linie Sozialkompetenz und die müsse erst im realen Leben gelernt werden. Damit sind das passende Alter und die damit verbundene entwicklungspsychologische und -physiologische Reife Voraussetzung für eine sinnvolle Nutzung der modernen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten.
Mehr über Uwe Buermann und Medienkompetenz
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