Altes muss brennen, um Platz für Neues Wachsen zu schaffen: der Perchtenlauf in Diedorf mit Neujahrsfeuer vor dem Rathaus.

  Diedorf: Rathaus | Gemäß dem alten Perchtenbrauch muss das Altbewährte zu jedem Jahresbeginn Platz für Neues Wachsen schaffen. All der Kehrricht, der sich im Laufe eines Jahres angesammelt hat , soll noch vor Beginn der Rauhnächte am 21.12, dem Thomastag, aus dem Hause geschafft oder verbrannt werden. Will man alten Hausregeln Glauben schenken soll in der Zeit der Losnächte, in denen sich nach altem Glauben das Geschick des kommenden Jahres entscheidet, jede verändernde Arbeit vermieden werden, um den Rhythmus des Jahreszeitenwechsels nicht durcheinander zu bringen.
Dem scheidenden Bürgermeister Otto Völk gilt unser herzlicher Dank, dass er uns am 3. 1. 2014 um 18.00 Uhr die Möglichkeit zu einem Neujahrsfeuer vor dem Rathaus Diedorf einräumte. Die Gemeinde Diedorf hat in seiner Amtszeit die Aktivitäten des Hauses der Kulturen und des internationalen Maskenmuseum ebenso unterstützt, wie die der anderen kulturtragenden Vereine und Institution. Natürlich hoffen wir sehr, dass auch die künftigen Amtsinhaber/innen unser Wirken in Zukunft ebenso fördern. Hier in Diedorf stehen ja dann die politischen Losnächte etwas später im März ins Haus, bei denen sich hier in der Gemeinde bei den Wahlen gleich unter zwei Handvoll Kandidaten alles für die kommenden Jahre entscheiden wird.
Beim „Winteraustreiben“ wie das Perchtentreiben oft umgangssprachlich genannt wird, geht es vor Allem freilich darum, die erneuernden Kräfte im Boden durch Glockenlärm und Stampftänze zu wecken und den ausklingenden Rhythmus der großen Weltmaschine Natur fast wie ein Herzschrittmacher auch im Neuen wieder richtig auf Spur zu bringen. Gleich drei Gruppen aus unserer näheren Umgebung beteiligten sich mit insgesamt 60-70 maskierten Läufern daran. Zwei davon stammen aus Diedorfer Ortsteilen: Die Diedorfer Germanen und die Biburger Hexen. Die dritte Gruppe aus den “Stauden”, der Umgebung von Diedorf, der Augsburger “Wilde Westen” hatte sich mit historisch alten Schiach-perchtenmasken aus dem Maskenmuseum Diedorf ausgestattet und trägt dazu wie beim Perchtenlauf in den Alpenregionen dicke, zusammengesetzte Fellkostüme und jede Menge an Glocken und Schellen, um lautstark die bösen Geister ab zu schrecken und die guten wach zu rütteln. Trommler begleiteten den Zug, der vom Maskenmuseum über die B300 bis zum Rathaus Diedorf an der Kreuzung Lindenstraße/ Blumenstraße zog. Dank gilt auch der Diedorfer Feuerwehr, die die Strasse für den Autoverkehr gesperrt hatte und ein flackerndes Feuer am Brennen hielt. Aus anderen Straßen und Marktteilen stießen die zwei anderen Gruppen lautstark hinzu, um dort zusammen um´s Feuer herum zum rhythmischen Schlag der Trommeln und dem vielstimmigen Geläut der Glocken, Schellen und Rollen zu tanzen. All den Gruppen ganz besonderen Dank für die tollen showreif einstudierten Einlagen. Eine ganze Menge an Zuschauern auch aus Augsburg und München, wo auch in Funk und Fernsehen darüber berichtet wurde, belohnte die Akteure durch ihr zahlreiches Erscheinen. (http://www.br.de/nachrichten/schwaben/maskenmuseum...)
Zum Ursprung des Perchtenlaufs:
Der Perchtenlauf in den Alpenregionen geht auf alte Brauchtumsformen zurück, die sich seit dem Mittelalter fragmentarisch erhalten und heutzutage neu belebt haben. Ursprung sind wahrscheinlich Fruchtbarkeits- und Wiedergeburtskulte, die sich in Bulgarien und den Staaten des ehemaligen Jugoslavien aus den altgriechischen Mysterien in Eleusis entwickelt haben:
Dort geht der Mythos: Im goldenen Zeitalter lebte Persephone, die Tochter der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter, als lebenssprühendes Mädchen, bei dessen Anblick, die Blumen erblühten und das Getreide zum Reifen kam. Der Gott der Unterwelt, Herr über die Schattenseelen, entführte Persephone und so kam die kalte Jahreszeit und das Sterben müssen auf die Erde. Die Menschen schickten Demeter auf die Suche nach Ihrer Tochter, die gramgebeugt und gealtert von Haus zu Haus zog und nach dem Verbleib Ihrer Tochter fragte (in vielen Ländern war ihre Sprache unverstanden). Eine Abmachung mit Hades gab Persephone schließlich jedes Jahr wiederum ein halbes Jahr frei; die beiden Jahreszeiten Sommer und Winter entstanden. Demeter(alt) und Persephone (jugendlich) verschmelzen in Personalunion zu einer Figur mit zwei Gesichtern.
Nachdem die griechische Aussprache für die Alpenvölker zu kompliziert war, wurde Persephone (röm. Proserpina) auf den Namen Berscht oder Perchta verschliffen.
Wie Demeter zieht die Frau Perchta tief gebeugt von Haus zu Haus und brabbelt in unverständlicher Sprache. Den Kehrricht des Alten Jahres will sie beseitigt wissen. In Ihrem Gefolge sind der mittelalterlichen Deutung nach oft die furchtbaren Gesellen der “Wilden Jagd”, die heidnisch germanischen und slawischen Götter, die sich im frühen Christentum zu Schreckgestalten wandelten und ungetaufte Seelen.
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