Maniküre im Kuhstall

Der Klauenpfleger bei er Arbeit: Ausgerüstet mit Schutzbrille und blauem Overall schneidet er mit einem gekrümmten Spezialmesser die Klauenzwischenräume frei

Diedorf: Bauernhof Reiter | Man kennt es von seinen eigenen Fingernägeln: Irgendwann werden sie zu lang, dann muss man sie abschneiden oder zurechtfeilen. Das gleiche Problem haben auch Tiere, wie z.B. Rinder. Auch sie brauchen zwischendurch eine Klauenbehandlung.

Bei Kühen übernimmt die Tätigkeit der Hufpflege im Zeitalter der Haltung großer Bestände ein spezialisierter Klauenpfleger. Sein Handwerkszeug: Eine elektronische Flexmaschine, mit der die Hufe geschliffen werden, diverse spezielle Messer, für die Problemfälle, und eine Stellbox, in der die Tiere während der Behandlung fixiert werden.

Im letzten Monat war der „Klauenschneider“, wie er sich nennt, im Anwesen von Franz Reiter in Anhausen zu Gange. Annähernd 100 Rinder galt es in dem landwirtschaftlichen Meisterbetrieb zu behandeln. Das entspricht dem Arbeitspensum von einem Klauenpfleger und einem Gehilfen an einem Tag.

Der Landwirt Franz Reiter hat diese Arbeit früher bei seinen Kühen selbst durchgeführt, als er noch nicht so viele Tiere im Stall hielt. Aber inzwischen vertraut er auf die Erfahrungen des professionellen Klauenpflegers. „ Früher habe ich 10 Rinder an einem Tag geschafft, der Klauenpfleger macht 100 Rinder an einem Tag. Das bringt mir mehr Zeit, um mich um andere wichtige Aufgaben auf dem Hof zu kümmern“, so Franz Reiter. Der Kostenaufwand von ca. 1200 € pro Tag fällt da nicht so sehr ins Gewicht.

Eine Behandlung pro Tier dauert kaum fünf Minuten. Eine Kuh nach der anderen wartet in einer Warteschlange geduldig vor der Stellbox. Sobald sich eine in der Box befindet, legen sich auf Knopfdruck automatisch Schnallen um den Bauch und die Beine des Tieres. Das gesamte Tier wird durch eine Hebeanlage leicht angehoben und schwebt mit allen vier Beinen über der Stellfläche. Die vier Hufe werden durch Hebel und Bandagen in eine passende Position gebracht, um für den Klauenpfleger gut zugänglich zu sein.

Der Arbeitsablauf erfolgt nach einem genau abgestimmten Programm, erläutert Klauenpfleger Manfred Nieß: Zuerst wird der Huf grob von Dreck und Mist gesäubert, danach erfolgt der Grobschliff mit der Flexmaschine. Dabei werden die Klauenfläche, die Klauenumrandung, der Klauenzwischenraum und dann die darüberliegenden zwei Klauenballen abgeschliffen. Schließlich kommt der Feinschnitt der Zwischenräume mit dem Hufmesser. So wird ein Fuß nach dem anderen abgearbeitet. Zuletzt werden auf Knopfdruck die Bandagen um die Gelenke und den Bauch der Kuh wieder gelöst Dann kann das Tier wieder selbst auf seinen vier Beinen stehen. Weiter geht es mit der nächsten Kuh.

Die Kunst des Klauenpflegers besteht darin, das Gespür für die richtige Tiefe des Schliffs zu haben. Flext er mit dem Handschleifer zu wenig weg, spüren die Tiere keine Verbesserung, flext er zu viel weg, gibt es schnell blutende Schnittwunden. „Dafür muss man ein Gefühl entwickeln.“, so Klauenpfleger Manfred Nieß. Er macht diesen Job schließlich schon seit zehn Jahren.

Falls man die Kuh an den Klauen verletzt oder sie aufgrund von Druckstellen medizinisch behandeln muss, erhält sie einen Sprüher aus dem Desinfektionsspray auf die Wunde und dann einen dicken Verband um den Huf. „Entzündungen und Einlagerungen müssen behandelt werden, sonst hat die Kuh Schmerzen und kann nicht mehr richtig laufen. Das verheilt nach wenigen Tagen“, beruhigt Manfred Nieß.

Am nächsten Tag wartet bereits ein neuer Auftrag für den Klauenpfleger und seinen Gehilfen auf einem anderen Betrieb. In sechs Monaten wird das Team dann wieder auf dem Hof in Anhausen sein. Alle sechs bis acht Monate brauchen die Kühe einen neuen Klauenschnitt.

Die Vorteile der Klauenpflege liegen für den Landwirt auf der Hand: Die Tiere werden weniger an den Hufen krank und sind zufriedener. Damit spart man Kosten für Tierarzt und Arzneimittel. Und glückliche Kühe geben bekanntlich mehr Milch, so Landwirtschaftsmeister Franz Reiter.

2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Facebook senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .
2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Twitter senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Twitter. Mehr dazu rechts unter .
2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Google+ senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Google+. Mehr dazu rechts unter .
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen Webseiten Senden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.

Ähnliche Beiträge Übereinstimmende Themen:

Kühe und Licht für Afrika „Bibertal Hilft“ überweist weitere 10.000 Euro an Pater George in Tanzania Obwohl Pater George Aranchery CST schon vor über 15 Jahren die...
150 Jahre Landwirtschaft im Ries! (Rieser... 150 Jahre Landwirtschaft im Ries! (Rieser Bauernmuseum Maihingen)