Kirchenführung in Anhausen mit Kreisheimatpfleger Prof. Pötzl

Die heilige Adelgundis als Konigstochter wird von einem Engel begleitet (Altarbild am linken Seitenaltar).
Diedorf: Kirche St. Adelgundis | Am 6. Oktober fand anlässlich der Diedorfer Kulturtage und der Kultur- und Heimattage des Landkreises Augsburg eine Führung mit Kreisheimatpfleger Prof. Dr. Walter Pötzl in der Pfarrkirche St. Adelgundis, Anhausen, statt. Etwa 80 kulturinteressierte Zuhörer versammelten sich dazu in der Pfarrkirche. Neben der Führung in Anhausen hatte der Referent noch eine weitere Führung in der Pfarrkirche in Kutzenhausen an diesem Nachmittag auf dem Programm.

Prof. Pötzl setzte gleich zu Beginn seines Referats zwei markante Kontrapunkte in Bezug auf die Kirchenpatronin St. Adelgundis. Nach seiner Recherche handelt es sich bei der Heiligen nicht um eine Königstocher - so die bisherige Ansicht -, sondern um die Tochter des ersten Ministers des Königs. Er habe diese Erkenntnis aus einem umfangreichen Lehrwerk über Heilige entnommen.

Unbestritten bleibt allerdings die Tatsache, dass Adelgundis einer geplanten Ehe entfliehen wollte, und sich in ein Kloster begab. Aber auch zu diesem Punkt hatte der Referent einige relativierende Anmerkungen. Nach seiner Ansicht war es im Mittelalter durchaus üblich, dass Mädchen aus höherem Stand zwangsverheiratet wurden. Ebenfalls nicht unüblich war dann die Reaktion, dass sich die betroffenen Frauen lieber in die Obhut eines Klosters begaben, als sich dem unerwünschten Ehelos zu ergeben. Die Hinwendung der hl. Adelgundis von der Königstochter zur Nonne wird auf dem Altarbild des linken Seitenaltars dargestellt.

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt in den Ausführungen von Prof. Pötzl bezog sich auf die Herkunft der zehn Engelsfiguren, die auf halber Höhe durch das gesamte Gotteshaus angeordnet sind. Jeder Engel trägt andere Gegenstände in den Händen, die alle dem Leidensweg Jesus zuzuordnen sind. Nach Ansicht von Pötzl handelt es sich dabei um Kopien der Engelsfiguren auf der römischen Engelsbrücke „Ponte Sant`Angelo“. Die Originalfiguren wurden von Bernini gestaltet und seien in Stil und Ausdruck den Anhauser Engelsfiguren sehr ähnlich. Möglicherweise habe ein kirchlicher Würdenträger oder ein Künstler die Original-Engel gesehen und skizziert, um sie dann für die Anhauser Kirche kopieren zu lassen. Er müsse diese Vermutung aber nochmals durch eine Vor-Ort-Recherche in Rom bestätigen, so Pötzl.

Das Engelsmotiv sieht Pötzl auch als verbindendes Thema für die Fresken an der Kirchendecke. In jedem der Fresken treten Engel als handelnde Personen auf. Eine andere Verbindung zwischen den 10 Fresken mit Motiven aus dem alten und neuen Testament vermag Pötzl nicht zu erkennen.

Nicht in Zweifel ziehen wollte Pötzl den Namen des kirchlichen Baumeisters Hans Georg Mozart. Diese Bestätigung führte im Kreis der Zuhörer und beim ebenfalls anwesenden Diedorfer Bürgermeister Völk zu sichtbarer Erleichterung. Den Beinamen „Mozartkirche“ wollten sich die Anhauser an diesem Sonntag nicht in Abrede stellen lassen.
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