Faschingsbräuche in Bayern - Wiederauferstehung der Fruchtbarkeitskulte
Fasching in Bayern
Fasching nennt man die 5. Jahreszeit vor allem in Bayern, Österreich, Franken, Sachsen, Brandenburg, Hamburg sowie in Teilen von Hessen, Schwaben und Niedersachsen. Seine Herkunft leitet das Wort von Vaschanc her, was den Ausschank des Fastentrunks bezeichnete.
Bis zum 13.Jahrhundert wurde der Abend vor Beginn der Fastenzeit als Fastnacht bezeichnet.
Auch vom Wort Faseln wollen manche den Begriff Fasenacht herleiten. Die Herkunft liese sich dann von den griechisch-römischen Saturnalien ableiten. An diesem Fest war es den Sklaven erlaubt, in die Rolle der Herren zu schlüpfen und ihren Besitzern kräftig die Meinung zu sagen.
Der alte offizielle Beginn des Faschings ist der Tag nach Epiphanias! Das ist der 7. Januar.
Zu diesem Termin darf zum ersten Mal im Jahr wieder das Faschingsgewand aus dem Schrank genommen und symbolisch abgestaubt werden.
Die Tage des Fasching nutzte man seit früheren Zeiten ausgiebig, um sich vor der Fastenzeit nochmal richtig den Bauch voll zu schlagen, weil in der anschließenden sechswöchigen Fastenzeit unter Androhung empfindlicher Strafen der Konsum des Fleisches von warmblütigen Tieren oder auch der Genuss aller weiteren aus Großvieh- und Geflügelhaltung gewonnenen Nahrungsmittel wie Schmalz, Fett, Milch, Butter, Käse und Eier verboten war.
Gerade die ärmere Bevölkerung war nun zwar nicht in der Lage sich um den Verderb der Speisen während der Fastenzeit besonders viel Gedanken zu machen, war im Gegenteil sogar so ausgehungert, daß sie zu dieser willkommenen Gelegenheit bei den Reichen zum Betteln ging und sich für die Herausgabe überzähliger Speisen durch kleine Volksstücke und aufgesagte Verserln bedankte.
Besonders aktiv wird man noch einmal vor Allem am Faschingsdienstag.
In München ist am Faschingsdienstag vormittags der Tanz der lebens,- und liebeslustigen Marktfrauen Brauch. Die Marktfrauen kostümieren sich mehr oder minder aufreizend und tanzen auf dem Viktualienmarkt miteinander und mit den Zuschauern. Der Brauch hat Ähnlichkeit mit der "Weiberfastnacht". Dieser Brauch scheint auf altes Brauchtum zum Dienste von Muttergöttinnen zurückzugehen.
In Oberstaufen geht der "Butz" am Anfang des Umzuges und kehrt mit einem Besen die Straße frei. Die Reiser des Besens sollen Fruchtbarkeit auf die Felder und in die Häuser bringen. Dies ist wie vielernorts auch von der Rolle der alten ,weissen Frauen, der Hexen vollzogen ein alter heidnischer Brauch, den die Kirche aber vorsichtig umdeutete und in einen geregelten Ablauf hinein integrierte. Um 19 Uhr bricht der Butz tot zusammen. Damit ist der Umzug, ja die Freiheiten des Faschings insgesamt zu Ende. Dieser Fruchtbarkeitslauf sollte auch die Pest vertreiben .
Neben diesem Allgäuer Brauch gehen wohl einige Fasnetsbräuche direkt oder indirekt auf Vermummungen zurück, die von den an Pest oder am Aussatz Erkrankten getragen werden mußten. So findet sich in einigen Altmühl-gemeinden wie Kitzenberg, Tögging, Pleinfeld, Spalt, Allersberg der Brauch der meist oft als Fleck, Flecklesmo, Fasenickl u.ä. benannten Faschingsfiguren. In Kitzenberg besteht das Kostüm wohl ursprünglich wie beim Butz und den Hänsele im Bodenseegebiet aus kleinem Patchwork, also dem Flickengewand der Bettler. Zusätzlich trägt der Fasenickl eine Kappe mit vielen Glöckchen, die wohl in einfacher Form bei ehemals ansteckend Kranken vor einem direkten Kontakt warnen sollten.
Die hellgelbe Maske versteckte früher sicher oft ein stark entstelltes Gesicht vor der Öffentlichkeit, warnte aber ebenso durch diese krank wirkende Hauttönung vor einer Ansteckung. Auch der Narrenruf: Gö-sucht, Göhsucht ! ( Gelbsucht) sollte wohl vor den Kranken warnen.
Bleiche, ja sogar weiße Gesichtsfarbe spielt auch bei den Joiden-masken im Fasching an den östlichen Abhängen der Rhön eine wichtige Rolle zur Charakterisierung. Reichere Viehhändler mußten nicht so wie die armen von der Sonne dunkel gegerbten Bauern täglich draussen sein und behielten sich einen eher blass-vornehmen Teint. Charakteristisch das solcher Art Schreck,- und Karikaturmasken wie die der Karner(wandernde Gelegenheitsarbeiter) und Mohren in Tirol , der Rotschägata im Lötschental, und hier in der Rhön, wie der Name(Joiden) sagt eben jüdischer Händler immer den Fremden, den Zugewanderten im Visier haben.
Genau so sind es aber oft auch körperliche Mängel, ein verzogenes Gesicht, das Vorlage einer Maske wird.
Ältere Haberer-masken aus dem Rottal und um Miesbach, wie sie in München im Stadtmuseum und im internationalen Maskenmuseum Diedorf gezeigt werden, verblüffen durch wild verzogene Gesichtszüge. Beim Brauch des Haberfeldtreibens wurde Aussenseitern und im Dorf in Missgunst Gefallenen mithilfe solcher Masken ein gehöriger Schrecken eingejagt und deftig die Meinung gesagt.
Im Werdenfelser Land ziehen die jungen Burschen und Männer ab dem gumperten Donnerstag mit schönen weiblichen und bärtig männlichen Larven von Gasthaus zu Gasthaus. Es wird getanzt und zu Mitternacht am Faschingsdienstag muß die Maske heruntergenommen sein, sonst wächst sie an, heißt es. Zu bemitleiden ist derjenige junge Tanzpartner, der jetzt anstelle der Dorfschönen, nun aber umgekehrt doch einen schiachen Bärtigen vorfindet. Leider gibt es den umgekehrten Fall nicht, da ja eben wie überall nur junge Männer Maskerer gehen dürfen.
Mädchenhafte jugendliche und bärtige alte Maskentypen erinnern daran, daß es sich ursprünglich um einen Kult zum Jahreszeitenwechsel gehandelt haben muß.
Im Bayrischen Wald ( Frauenau und Waldkirchen) und im Rottal ( Bayersbach, Bad Griesbach, Bad Füssing) sind natürlich ganz besonders die Perchtenläufe zum 5. Januar zu erwähnen, die aber aus einem anderen Brauchtumszusammenhang erwachsen sind. In Frauenau allerdings werden sie in die Saaalfasnacht integriert.
Faschingsbegraben:
An manchen Orten kommt man in dem Wirtshäusern zusammen und hält einen parodierten Leichenschmaus ab. Anderswo veranstalten die jungen Männer eines Ortes richtige Leichenumzüge mit einem parodierten Begräbnis. Der Fasching wird dabei meist als Puppe dargestellt, die am Ende verbrannt und eingegraben wird. In vorgeschichtlichen Kulten und bei vielen Naturvölkern, so z. B. bei den Ainu in Japan wird ein Bär, ein Wildschwein, ein Büffel oder gar ein hierzu vorbestimmtes männliches Kind aufgezogen und am Ende des Jahres nach einem an ihm vollzogenen Fruchtbarkeitsritual als Bote an die Ahnen vorzeitig ermordet. Dann wird für das nächste Frühlingserwachen unter den jüngsten Tieren oder männlichen Stammesangehörigen ein Nachfolger bestimmt und königlich aufgezogen.
Diese frühesten Formen von Wiederauferstehungsreligionen scheinen wie beim Mithraskult ( der Tanz um das goldene Kalb) auch als Vorläufer monotheistischer ( auch christlicher ) Ursprünge gelten zu können und vor dem Christentum sehr verbreitet gewesen zu sein ( sol-invictus-Heiligtümer).
Bayerisches Brauchtum in der Faschingszeit lässt sich soweit verstehen als in den christlichen Glauben integrierte uralte Fruchtbarkeitsbräuche, die natürlich immer zu Beginn des Jahres abgehalten wurden.




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