Universum und Mensch – eine kleine Geschichte vom großen Nudeltopf.

Ein Orakelring der Dogon aus Gelbmetall mit einer Lapislazulikugel: Von den Dogon, diesem geheimnisvollen Volk aus dem Gebirge der Falaise in Mali wird von Esotherikern behauptet, sie kämen vom Sternbild des Hundes auf die Erde. Der blaue Lapilazuli mit seinen goldenen Pyriteinsprengungen, ein Mikrokosmos des sternenbesetzten, nachtblauen Alls , stammt aus dem Norden Afghanistans, dort wo Talibanglaube und westliche "Fortschrittlichkeit" zusammen prallen.
 
In Afrika bei den Malinke lautet ein Sprichwort: Ein gut funktionierendes Gemeinwesen wie z.B. ein kleines Dorf ist nur stark aus dem Verbund seiner Einzelmitglieder wie bei den Nüssen der Ölpalme. So denken wir, ist das auch bei der großen Schöpfung. Diese Gelbgusskugel, die aus lauter kleinen Wachsringen hergestellt wurde und dann nur einmal aus "verlorener Gussform" abgegossen wurde, stammt von diesem Volke. Im blauen Lapis mit seinen goldfarbigen Pyriteinsprengungen sahen die Sufis das All gespiegelt
 
Ein kleiner lustiger Fisch: Bei vielen westafrikanischen Völkern, so bei den Senufo und Lobi, leben die Verstorbenen und damit auch ihr Wissen als Welse (Grundelfische) weiter. So glaubt man sind sie auch in Zeiten der Not, wenn in den Tümpeln im Heiligen Hain kein Wasser mehr ist, in ihrem Körperschleim im trockenen Lehm vergraben , fast wie Jesus Christus im Grab, zur Auferstehung bereit.
Diedorf: haus der kulturen | Nun sitze ich spätabends vor dem Haus und genieße die Ruhe und unendliche Tiefe des Nachthimmels.
Ein kleiner heller Punkt gleitet zum Horizont. Ist es ein Flugzeug oder war es eine Sternschnuppe? Die Ruhe umfängt mich, so dass ich meinen Herzschlag als ganz leises rythmisches Rauschen im Ohr habe. Einige Häuser weiter fiebern die Menschen beim großen Fußballspiel, an- und abschwellende Begeisterung erreicht mich in leisen Wogen.
Fußball interessiert mich nicht so sehr. Aber neulich habe ich doch mal außer den täglichen Nachrichten wieder einmal fern geschaut und bin in einer Sendung über astronomische Zusammenhänge hängen geblieben. Das All pulsiert in seiner Ausdehnung , hat es früher immer geheißen, nur dass die einzelnen Zwischenräume nicht wie beim Herzschlag im Ausdehnen und Zusammenziehen im Sekundenrythmus stattfinden, sondern Milliarden von Jahren andauern.
Aus dem großen Urknall driften die einzelnen Materiestückchen, die Sonnensysteme und Galaxien in unvorstellbare Weiten davon. Irgendwann wird dann das All wieder in sich, zum Ausgangspunkt, zusammen stürzen. Sonnensysteme ,die sich rotierend bündeln, um dann irgendwann vom großen überhellen Riesen zum Massegrab eines schwarzen Loches zu kollabieren. So kann man sich das ja noch ganz einfach vorstellen. Der Mensch denkt sich seine Systeme, Weltanschauungen und Religionen und kann aus der kurzen Zeitspanne seines Lebens heraus doch nichts wirklich Bindendes sagen. Oder doch?
Nun die einen sagen ja, wenn man , wie der griechische Philosoph Sokrates gesagt hat, weiß, dass man nichts weiß, ist man schon auf dem richtigen Weg.
Bei ihm hat es leider damit geendet, dass er freiwillig das eigene Ich verneinend die Gesetze des Gemeinwohl im Auge den Giftbecher trank.
Andere meinen, wenn man nichts weiß, hilft nur der Glaube und der Gehorsam auf die Gedankengänge und Anordnungen der Religionsstifter.
Andere sagen, Religionen sind nur gemacht, die Menschen von den wahren Sorgen des Alltags fern zu halten oder gar mit ihren Gesetzen den Mächtigen zu dienen.
Viele wollen deshalb nur auf die eigenen Interessen hören und entweder durch gesteigerten Lebensgenuss in der Welt sich selbst alleine glücklich machen oder sich in Enthaltsamkeit von weltlichen Genüssen und Gemeinwohl nur auf das „Göttliche“ im eigenen Ich konzentrieren.
Andere wollen für andere und die Gemeinschaft leben und das eigene Ich überwinden.
Die meisten sagen wohl aber einfach: Oh das sind mir viel zu starre und ausschließliche Lebensdoktrinen, da mach ich mir jetzt keine Gedanken. „ Schau ´n wir mal!“
Der Sinn des Lebens? Sind das nicht die kleinen Geschichten, die man so erlebt?

so wie:......Die Geschichte vom großen Nudeltopf.
Nun ich komme ja noch aus der Zeit, wo man sich gegenüber den politischen Doktrinen als jugendlicher auf ganz andere Weltbilder konzentrieren wollte: Weder auf den angeordneten Kommunismus jenseits des eisernen Vorhangs noch dem kapitalistischen Ellbogendenken der Wirtschaftswunderjahre nach dem 2. Weltkrieg auf der hiesigen Seite.
Ich und meine Altersgenossen wollten von den alten Spießern nichts dergleichen annehmen, was wir nicht schon selber erproben konnten. Nun das ist wohl auch heute noch genauso und gehört zur Selbstfindung. Unser Lebensmodell war die Kommune, der gelebte Kommunismus im Kleinen.
Alles gehörte Jedem und Jeder brachte auch Alles, was er besaß, in die Gemeinschaft ein. Jeder versuchte auf seine Weise, so wie er eben konnte, die Gemeinschaft zu fördern. Manchen machte es Spaß, zu Hause in der Landkommune sich mit den psychischen Wehwehchen der anderen zu beschäftigen, den Haushalt zu machen oder durch Gelegenheitsarbeit beim Bauern nebenan ein bisschen Geld in die Gemeinschaftskasse zu bringen. Ich hatte ursprünglich vor Medizin zu studieren, brachte es aber nicht über mich, mich aus dem behüteten Schoß der Gemeinschaft in Augsburg auf Dauer ins ferne kühle Hamburg zu begeben und brach das Studium vor lauter Heimweh schon nach dem ersten Tag der Einschreibung wieder ab. Ich beschloss, von solch gesellschaftskonformen, wissenschafts- und wirtschaftshörigen Berufen in Zukunft die Finger zu lassen und einen erdgebundenen, bodenständigen Beruf aus zu üben. Da wollte ich Töpfer werden.
Aus der nahen Ziegeleigrube karrte ich schubkarrenweise Lehm, besorgte mir einige Erdfarben, besuchte einige Töpfer und kluge Handwerker bei befreundeten Kommunen, um mir meinen Brennofen aus Lehm und eine Drehscheibe selber zu bauen und durch den Verkauf von Irdenware zum Lebenserhalt der Kommune beitragen zu können. Unser ideologisches Ziel war, auch mit Wenig aus zu kommen und aus dem Grunde, war in der Gemeinschaftskasse immer recht wenig Geld . Unser täglich Abendessen bestand in der Regel meist aus einem großen Topf mit Nudeln (die Packung zu 30 Pfennig), einer oder zwei kleine Dosen Tomatenmark (je 20 Pfennig), die wir mit geschenkten oder selbst gehegten Zwiebeln in einer Mehleinbrenne zur Soße verarbeiteten.
Am Sonntag gab es Kässpätzle. Wieder der große Topf, der damit zum Zentrum unserer Gemeinschaft wurde. Gemeinsam Kochen, gemeinsam essen, ein schönes Erlebnis von Geborgenheit. Jeder für jeden, Jeder hat Anteil am Gemeingut.

...In Ermangelung weiterer Gerätschaften nahm ich zum Töpferton herstellen das größte Gefäß, dessen ich habhaft werden konnte: den großen Nudeltopf. Unter Zugabe von mineralischen Zuschlagstoffen entstand aus der natürlichen Mutter Erde, dem Lehm aus der Grube, unter Beigabe von Gottes Gabe Wasser gestaltfähige Masse ,die ich formen, brennen und für die Gemeinschaft zu verkaufen gedachte………….und ein handfester Streit über die Verwendung des Nudeltopfes zum Anrühren dieses Drecks.
….ich wollte doch nur für Euch….
Als Anhalter vom fernen Indien kommend, fischte ich zwei Engländer auf, die gerne in unserer Landkommune überwintern wollten. In Hinsicht auf den kolonialen Auftrag des United Kingdom überließen sie den schwäbischen Ureinwohnern auch die Sorge um die tägliche körperliche Anstrengung zum Gelderwerb.
…. wir können doch nicht einfach Leute hinaus schmeisen, nur weil sie nicht so viel Geld verdienen können…. Wir konnten nicht.
Dafür verliesen mich aber meine Mitkommunarden und ich konnte meine Engländer, einen armen aufgelesenen Heroinsüchtigen usw. alleine durchfüttern.
Bei der Auflösung unserer Kommune spielte allerdings wieder der Nudeltopf eine entscheidende Beweisrolle. Zumindest für einen letzten politischen Disput: …..Du hast keine soziale Verantwortung und denkst nur an Dich und Deine Interessen und das sieht man daran, dass Du einfach unseren gemeinsamen Nudeltopf für Dich allein verzogen hast.
Kommunendasein , Leben in unserer heutigen Gemeinschaft. Gesellschaft läutert. Allzu sehr aufs eigene Ich konzentriertes Denken sollte man entweder in die Gemeinschaft zurück holen oder aus sortieren. Ist das vielleicht der Sinn des Lebens, zur Gemeinschaft zu werden und das Störende aus zu sondern? Das wäre ja in unserer Zeit ein gewaltiger, vielleicht sogar für eine Lebensspanne zu umfassender Kraftakt!
Manche wollen ja vielleicht auch gar nicht sozialisiert werden und sind lieber allein.
Manche sagen: Alleinsein ist die Hölle, Gemeinschaft das Bergende.
Wenn man da nur eben diese andauernden Egoismen aus sortieren könnte, die uns das Leben zum Problem machen, wäre unser Leben doch im idealen Lot, paradiesisch anmutend, oder?
Wäre das dann vielleicht am Ende dann gar so, wie im Christentum geglaubt wird, eine Aufnahme in die Gemeinschaft der Heiligen oder wie im Buddhismus, das Erlöschen des Ich beim Eingehen ins Nirwana. So viele Religionsrichtungen, die sich auf individuelle Auslegung versteifen und meinen dabei doch wohl das Gemeinsame und Gleiche!
Ich sitze vor dem Haus und schaue in die Weiten des Nachthimmels.
Ich glaube nicht an Gott, möchte mir aber gern ein regulierendes Prinzip in der unendlichen Leere vorstellen.
Wäre es nicht schön, sich vorzustellen, dieses Prinzip pulsiert wie mein eigenes Herz im Sekundenschlag, pulsiert wie unsere Gemeinschaft, pulsiert wie das All?
Im Universum werden die Teilchen, die besonders schnell von der gemeinsamen Mitte hinweg eilen wollen, die dem Gemeinsamen contraproduktiv sind, in Milliarden Jahren besonders weit nach außen getragen. Weit vom Zentrum entfernt, vielleicht viel zu weit. Wenn sich das All, dann wieder mit großen Blopp wie die Blase aus Kaugummi nach der Überdehnung geplatzt, kollabierend im Zentrum zusammen fügt, war es wie ein reinigender Prozess, der sich all dessen entledigt hat, was weniger zusammen gehört.
Wenn ich meine Freunde aus der damaligen Zeit wieder treffe, umarmen wir uns und denken lachend an den Nudeltopf.
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2 Kommentare
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Silvia B. aus Neusäß | 13.07.2014 | 11:47  
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michael stoehr aus Diedorf | 14.11.2014 | 12:56  
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