"Das Böse ist immer und überall"? Höllische Fresken im Rilakloster in Bulgarien

Hopsasa, ein tanzender, lustiger Teufel mit Fähnchen in der Hand, aus den Fresken des Rilaklosters in Bulgarien
 
Teufelsmasken aus einem Kirchenspiel im Innsbrucker Ferdinandeum
Diedorf: haus der kulturen | "Das Böse ist immer und überall...." An diesen Song der "1. Allgemeinen Verunsicherung", jener Klamaukband aus Österreich, musste ich immer denken als ich jetzt fasziniert den Zyklus der Szenen aus der Hölle am Rilakloster abfotographiert habe. https://www.youtube.com/watch?v=mpSGqBayE_Q .Liebe Krampusschnitzer in Österreich! Nehmt Euch ein Beispiel, mit wie viel Phantasie der Maler im 19. Jhdt. hier die Gesichter des bildhaft Bösen erfunden und variiert hat. Eure Phantasien bleiben leider zur Zeit in den Unmengen klischeehaft gleicher Filme über "Lebende Tote" und billiger Blutsauger hängen. Krampus- und Perchtenmasken des 18. und 19. Jhdts, wie sie so großartig in der volkskundlichen Sammlung des " Monatsschlössls" in Salzburg und in der Sammlung und aktuellen Ausstellung :" Hinter der Maske" im Ferdinandeum in Innsbruck zu sehen sind , zeigen Euch gerade jene Vorstellungen und Höllengesichter, wie sie die angsterfüllten Bürgern und Bauern der beiden christlichen Jahrtausende gequält haben müssen. Auch im Museum Bozen sind im Übrigen solche herrlich alten teuflischen Masken aus dem 18. und 19. Jhdt. zu sehen, wie sie im Kirchenspiel eingesetzt und dann zum Krampuslauf verliehen wurden. Kinder, die während des Jahres nicht "brav" waren und Ihre frommen Verserln nicht richtig herunter leiern konnten, wurde an gedroht, von all den wilden Teufeln(Krampus) mit in die Hölle genommen zu werden. Nun gut als Lehrer gebe ich schon zu, manchmal auch heute damit zu liebäugeln, mit solchen Drohungen schon auch gerne noch weiterhin so einfach hiermit Erfolg zu buchen. " Hahaha", natürlich weit gefehlt in solchen Wunschträumen!
Der Teufel !!
Eine interessante Figur und durchaus brauchbar für alle, die Autorität und Unterdrückung durch Angst vermitteln wollen.... ,soweit man jemand fände, der daran glaubt.
Während man im gesamten alten Testament des Christentums nur im Höchstfall übersetzungsbedingt Erwähnung vom Bösen an Sich ( möglicherweise schlechten, unsozialen oder gesetzesbrecherischen Verhaltens ) findet, wird der Teufel erst bei der Versuchung Christi personifiziert und zum Gegenspieler oder zur altera persona Christi ("so wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hide") gemacht. Eine bildhafte Beschreibung des Teufels wird man hier also schwerlich finden.
Erfunden oder entdeckt wurde dieses Bild des Teufels irgendwann mit der Einführung des Christentums als Staatsreligion, als zeitparallel wichtige Kulte im wahrsten Sinne " verteufelt" werden mussten, um dem Alleinanspruch der frühen christlichen Kirche gerecht zu werden. Der weit verbreitete Mitraskult ("Tanz um das goldene Kalb"), die eleysinischen Mysterien, Orphismus und hier ganz im Besonderen die Verehrung des bocksbeinigen und gehörnten Pan im Dionysoskult schufen das ideale Feindbild.
Der Teufel, oder genauer ein Bild aller abschreckend "falschen" Glaubensvorstellungen war also irgendwann zwischen dem 3. und 6. Jhdt. geboren und existiert als bocksbeinig Gehörnter mit Ziegenbart so zuerst mit Abbildungen des 7. Jhdts.
Die Hölle?
Das Leben der einfachen Bevölkerung im Mittelalter unterdrückt von den Lehensherren muss die Hölle gewesen sein.
Allerdings werden auch in sehr frühen Religionen wie dem Zoroastrismus und Buddhismus schon die harten Bestrafungen für soziale Verfehlungen im kommenden Leben oder in einem so beschriebenen Zwischenzustand nach dem Leben erwähnt. Tatsächlich taucht die Bestrafung für soziales und obrichkeits gerichtetes Missverhalten erst mit der Formulierung von Gesetzen auf. Die Hölle sorgt also ebenso wie unser Herr Krampus späterer Zeit als Drohmittel für mögliches Verweigern auferlegter Gesetze nach dem Motto: Lebenslang ist schlimm, angedrohte ewige Strafe wirkt besser tatverhindernd.
Was man nicht sicher weiß, malt die Furcht, die eigene Phantasie viel drastischer aus. Die Angst vor der Hölle, die Skrupel eigener Verfehlung gegenüber der Allgemeinheit, sind vielleicht in schlimmen Fällen die Hölle für den Betroffenen. Wer mit einem Verkehrsunfall, bei dem er jemanden in den Tod geschickt hat, nicht zurechtkommt , macht sich selbst das Leben vielleicht so stark zur Hölle, dass er sich vielleicht gar mit Selbsttötung bestraft oder sich vor den immer wieder auf tretenden Albträumen durch solche Tat zu befreien sucht. Ist die schlimmste Hölle im Diesseits nicht evtl. nur der Wahnsinn einer übermäßig nagenden Selbstkritik? Werfen wir einen Blick auf Theodore Gericaults romantisch malerische Vision von Dantes Inferno, so scheinen die im höllischen Meer schwimmenden Verdammten, die sich ins Boot verbeißen, tatsächlich verbissen vom inneren Wahnsinn. Was die eigene Phantasie nicht bewältigt, könnten unliebsam aufgenommene Drogen wie der harmlose Weihrauch oder der extreme Mutterkornpilz auch die Phantasien eines Hieronymus Bosch vorbereitet haben. Die Bestrafungen der Hölle werden schon seit dem Mittelalter im Tympanon der Kirchen (Das Jüngste Gericht im Eingangsportal) propagandamäßig überzeugend ein gesetzt. Im unteren Bereich mittelalterlicher Kirchen (Säulenbasen, Taufbeckenfüße, usw. wuchern die Bestien und fangen den Blick der Buse suchenden Gläubigen.
Schön wäre es schon, wenn man sich selbst und seine Mitmenschen ganz ohne Androhung von Bestrafung allein über den Verstand zu einem sozialen Verhalten gemäß der "Goldenen Regel" hin führen könnte!
"Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füge auch keinem Anderen zu!"
Dann ginge es ja auch ohne Himmel und Hölle, oder?
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