Alter Briefkasten in Herborn am Rathaus

H. Briel

Das waren noch Zeiten, als die "gute alte Post" noch mehr war als ein reines Logistik-Unternehmen mit DHL usw. Schade, für Romantik ist auf allen Gebieten einfach kein Platz mehr. Wir verkümmern zu einer seelenlosen Logistik- und Effizienzwelt, in der es keinen Dienst am Kunden mehr gibt, allenfalls elektronisch antwortende Stimmen anonymer Service-Center.
Ja das waren noch schöne Zeiten, 3 mal täglich Post, von der"Post".
... wenn man genau hinhört, erklingt das Posthorn, oder?
So einer hängt auch in Hildesheim gegenüber dem Rathaus.
Gruß Hans-Werner
Schönes Bild aus der "guten alten Zeit" wo noch alles nicht so hecktisch war...
Wie recht Roland hat, die gute alte Bundespost war gänzlich anders als die jetzige. Es lebe der globale Wettbewerb. Auf der Strecke bleiben nicht nur Menschen, sondern auch solche Schmuckstücke.
Lieber Chris,
dass solche Schmuckstücke wie der Briefkasten auf der Strecke bleiben, ist schade. Dass Menschen auf der Strecke bleiben, ist dramatisch. Die Folgen für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft - kurz: das Mitmenschliche - sind für die Macher in 'unserem' Staat, in 'unserem' Europa leider nicht vorstellbar. Wir Menschen erleben sie aber täglich, wenn wir mit etwas offenen Sinnen durch die Welt gehen. Erstarrte Gesichter, farblose Mienen, Menschen auf der Suche - nach Geborgenheit, nach Sicherheit, nach Hilfe, wohin das Auge sieht! Und genau diese finden sie in anonymen Call-Centern, an Fahrkarten- und Ticket-Automaten eben nicht. Wir werden eine immer seelenlosere Welt erleben. Drum schreibe ich auch in myheimat selten Ein-Satz-Kommentare, sondern möchte den Andeutungen von Menschen, die Ähnliches ersehnen wie ich, nicht nur monoton-stereotype Antworten geben. Für manche mag das nervig sein. Für mich ist es ein kleiner Rest einer guten alten Zeit, in der man noch versuchte, auf den Anderen einzugehen.
Ein echt schöner Briefkasten und noch sogut in Schuss - toll
und Dir lieber Roland
muss ich beipflichten - gerade heute konnte ich in der Straßenbahn zu Freiburg ein älteres Ehepaar beobachten, das sehr vergrämt
dreinschaute, fast nichts miteinander sprach und nur die anderen
kritisch beobachteten.
Ich war tief beeindruckt von dieser " Ausstrahlung" !
Hallo Roland,
ich pflichte dir voll bei, es geht irgendwie bergab mit unserer Kultur.
So Dinge wie Humanität gehören schon zu Fremdworten. Anonymität, wohin das Auge blickt. Für mich ebenfalls ein Grund, bei myheimat meinen Senf beizutragen, in der Hoffnung, mit anderen gleichsam unsere Welt ein bisserl schöner zu gestalten.
Ob es was hilft, kann wohl niemand beantworten, also tun wir es nach Luthers Devise: wenn morgen die Welt unterginge, würd ich heut noch ein Apfelbäumchen pflanzen.
Es lebe der blaue Briefkasten, er könnte wahrlich Geschichten erzählen von tränendurchnässten Umschlägen oder Ansichtskarten, die ein Gemüt widerspiegeln. Briefe mit Drohgebährden oder Wünschen, in ihm lagerten Zweifel und Wut, Liebe und Trauer gleichermaßen.
In so einen schmucken Kasten wirft man gerne seine Post.
Schön beschrieben - und genau meine Gedanken! Schöne Formulierung, die "tränendurchnässten Umschläge". E-Mails kennen keine Tränen, SMS' sogar noch weniger, die sind auch noch zeichenreduziert.
Ja, das wär mal ne Story: der sprechende Briefkasten, der die Briefe lesen kann, die in ihn gesteckt werden ... Hätte ich sofort zum Thema einer Phantasieerzählung gemacht, wär ich noch in dem Beruf.
Ein wahres Schmuckstück und bestimmt ein stolzer Besitzer. Das ist Nostalgie pur.