Vom Küchengarten zu Staudenbeeten

Foerster Staudenbeete im Frühjahr 2009
 
Staudenbeete im Sommer 2009
 
Rittersporn

Küchengärten haben eine lange Tradition. Etwa ab dem 16.Jahrhundert werden an mecklenburgischen Schlössern und Gütern Nutzgärten angelegt, in denen Obst, Gemüse und Kräuter zur Versorgung des Hofes angebaut wurden. Heute übliche und billige Fruchtexporte aus allen Ländern der Erde, zu jeder Jahres-
zeit und für alle Menschen erschwinglich, gab es damals noch nicht. Wollte man exotische Früchte wie bspw. Ananas, Wein oder Bananen auf der Festtafel haben, so konnten diese nur in eigenen Gärtnereien, Gewächshäusern und Orangerien angebaut werden. Und nur für einige wenige reichten die Früchte und waren ein besonderer Genuss.

Mit großem Aufwand wurden Gewächshäuser gebaut, in denen von erfahrenen
Gärtnern Pflanzen vermehrt, angezogen und bis zur Reife und Ernte der Früchte
gebracht wurden. Der Berufsstand des Gärtners war ein sehr anerkannter. Die leitenden Hofgärtner wohnten in eigens für sie errichteten Gärtnerhäusern in unmittelbarer Nähe ihrer Gärtnereien. Sie mussten aber auch ständig einsatz-
bereit sein. Bekanntester Schweriner Hofgärtner war Theodor Klett.
Die verglasten Häuser waren oft in schlechtem Zustand und erforderten vor allem beim Heizen mit Kohle und Torf den Einsatz bei Tag und Nacht.

In Schwerin gab es verschiedene Küchengärten an Standorten im südlichen Schloßgarten und an den Hängen des Faulen Sees. Wohl noch am bekanntesten
dürfte vielen Schwerinern der großherzogliche Küchengarten auf dem Grund-
stück Schloßgartenallee 2 sein. Auch nach Abdankung des Großherzogs im Jahr 1918 bestand auf der Fläche am Franzosenweg weiterhin die Schloß- und Stadt-gärtnerei.
Nach Plänen des Baumeisters Hermann Willebrand wurde ein mit 18 Achsen und
zwei seitlichen Türmen flankiertes Orangeriegebäude errichtet, das als Warm-
haus genutzt wurde.
Ein 1886 erschienener botanischer Rundgang durch die Großherzoglichen Gär-
ten zu Schwerin gibt Auskunft über die Vielfalt der Pflanzen. So wird von in Ge-
wächshäusern gezüchtetem Wein und besonders gut gedeihenden Ananaskul-
turen berichtet. Ein Weinstock aus dieser Zeit konnte anlässlich der zur BUGA 2009 rekonstruierten Einfassungsmauer der Gärtnerei erhalten werden und hat
sich wieder gut entwickelt.
In verschiedenen Sorten wurden Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Pfirsiche und Aprikosen als Hochstammform und als Spalierobst angebaut. Besonders be-
liebte Strauchobstsorten waren Himbeeren, Johannisbeeren und Stachel-
beeren. In Frühbeetkästen wuchsen Wärme liebende Gemüsearten wie Gurken,
Kürbisse und Melonen.
Für die Bepflanzung der herzoglichen Gartenanlagen wurden die erforderlichen
Frühjahrs- und Sommerblumen vermehrt und angezogen. Für die im Sommer im
Freien ausgestellten Kübelpflanzen dienten die Gewächshäuser als Winterquar-
tier.

Am 26.10.1926 beschloss die Schweriner Stadtverordnetenversammlung den Um-
bau der nun nicht mehr herzoglichen Schlossgärtnerei zu einer städtischen
Gärtnerei mit Gewächshäusern, vornehmlich zur Anzucht von Jungpflanzen zur
Bepflanzung der städtischen Anlagen. Ab 1950 erfolgten im Rahmen der Nutzung
als Betriebsgelände des VEB Grünanlagen mehrfach Umbauten am Gebäudebe-
stand. Neue Gewächshäuser, Garagen, Werkstätten und Büroräume wurden für
den Betrieb mit bis zu 300 Mitarbeitern errichtet. Ca. 200.000 Sommerblumen, überwiegend Salvien, Begonien, Petunien und Geranien wurden jährlich durch
die Gärtnerinnen und Gärtner angezogen. Je mehr Blumen in die städtischen
Anlagen gepflanzt wurden, um so besser war die Planerfüllung der Gärtnerei.
Auch wenn Konrad Winkler als langjähriger Betriebsleiter, eigene Betriebshand-
werker wie Maurer, Maler, Tischler und Schlosser stets bemüht waren, das Be-
triebsgelände in der Schloßgartenallee zu erhalten und zu erweitern, so wurde
mit der Wende und nach Öffnung der Grenzen deutlich, wie rückständig der Gartenbau doch war. Vor allem die Heizungsanlage entsprach überhaupt nicht mehr den neuen Richtlinien und Abgasnormen.

1990 wurde der volkseigene Kommunalbetrieb in die neue Rechtsform eines
städtischen Gartenamtes überführt. Ab 1993 wurden bis auf das unter Denkmal-schutz stehende Warm- und Kalthaus sowie die noch vorhandene Einfassungs-
mauer alle baulichen Anlagen beräumt und das Gelände eingebnet. An eine Gärtnerei, in der neben selbst angezogenen Blumen auch exotische Gehölze gepflanzt wurden, erinnern nur noch die in den 1970-er Jahren angepflanzten
Mammutbäume im Gehölzstreifen vor dem ehemaligen Warmhaus, in dem sich
heute Wohnungen befinden.

Eine Renaissance erlebte der Küchengarten noch einmal zur Bundesgarten-
schau 2009. Hinter der rekonstruierten Mauer der früheren Gärtnerei entstan-
den noch einmal akkurat angelegte Beete mit Gemüsepflanzen, verschiedenen
Erdbeersorten und auch Obstgehölzen in Spalierform. Besonders diese alten
Anzuchtformen interessierten viele Besucher, darunter zahlreiche Kleingärtner,
und wurden zu einem Highlight einer Gartenschau am Beginn des 21. Jahrhun-
derts.

Erhalten blieben nach der Gartenschau nur die nach dem Staudenzüchter Karl
Foerster benannten Beete hinter der rekonstruierten Backsteinmauer. Der be-
kannte Bornimer Staudenzüchter, der von 1876 bis 1970 lebte, und als Entdek-
ker des Staudengartens in Deutschland gilt, absolvierte von 1889 bis 1891 seine Gärtnerlehre in der Schweriner Schlossgärtnerei. Es war eine schwere körper-
liche Arbeit, gearbeitet wurde von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Trotz-
dem blieb auch Zeit für die schönen Dinge des romantisch veranlagten Karl
Foerster. Er liebte die Natur, die Sonnenaufgänge über dem Schweriner See, las
viel, sah Theateraufführungen und hielt vieles davon in geschriebenen Briefen an seine Eltern fest.

Auch heute gut 100 Jahre später kommt so ein bisschen Romantik auf, wenn man auf dem Franzosenweg spaziert, entlang des Seeufers mit Blick auf das Schloss mit seinen goldenen Türmen. Das hinter der Backsteinmauer einmal eine Gärtnerei war, wissen nur noch die älteren Schweriner. Was wird aus diesem jetzt brach liegenden Grundstücken und den Staudenbeeten?
Wahrscheinlich wird man keine Ananas an diesem Standort wieder züchten.
Möglich wäre die Anpflanzung heimischer Obst-, Gemüse- und Blumensorten.
Ein bisschen Erinnerung an die ehemalige Gärtnerei und ihren bekannt gewor-
denen Lehrling und späteren Staudenzüchter Karl Foerster sollte doch erhalten
werden.

Dank einiger ehrenamtlich Tätigen, zu denen auch der jetzt 85-jährige Konrad
Winkler gehört, werden die Staudenbeete in den letzten Jahren gepflegt und
erhalten. Es fehlt allerdings die professionelle Hilfe bei speziellen gärtnerischen
Tätigkeiten wie Düngung, Bewässerung oder auch erforderlichen Nachpflan-
zungen. ''Was für ein herrlicher Duft'' hört man vor allem zur Zeit der Rosenblüte
aus dem Munde der noch zahlreichen Besucher. Viele erfreuen sich an dem Blü-
tenreichtum und der Farbenpracht. Dank und Anerkennung vieler Blumenlieb-
haber sind Ansporn, auch im nächsten Jahr die Pflege der Beete wieder in An-
griff zu nehmen.
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