Die Sage vom Hüllenloch (aus dem 30. jähr. Krieg)

Am Harburger Stadtbrunnen verewigt "Der Schäfer vom Hüllenloch"

Es muß im Dreißigjährigen Krieg gewesen sein. Da hütete ein Schäfer die Herde seines Herrn in den Wörnitzwiesen bei Harburg. Als er wieder einmal vom Nahen eines feindlichen Heere hörte, suchte er mit seinen Schafen in einer Höhle Zuflucht. Steilauf ragt dort eine Felswand, und in halber Höhe tun sich darin dunkle Tore auf, ein größeres und ein kleineres. Viel Platz fand der Schäfer darinnen nicht, und noch weniger gefiel es ihm, tagtäglich Wasser und Futter für seine Tiere aus dem Wörnitzgrund heraufschleppen zu müssen. "Soll sie doch der Teufel holen!" platze er eines Tages heraus. Aber wie erschrak er, als vor ihm, wie aus der Felswand gewachsen, ein feiner Mann in Gehrock und Zylinder stand. "Ich hörte, Ihr wollt Eure Schafe loswerden. Was sollen sie denn kosten?"
Verblüfft schaute der Schäfer darein. Die Tiere gehörten ihm ja gar nicht. Aber das wäre das Geschäft seines Lebens. Wer wollte ihn in dieser unruhigen Zeiten zur Rechenschaft ziehen?
"Eine Kiste voll Gold!" forderte er und erwartete insgeheim, der Käufer möchte ablehnen, denn das Gewissen rührte sich immer noch gar sehr. Der Fremde schien den Kaufpreis in Ordnung zu finden. Er stieß einen gellenden Pfiff aus, und durch die Lüfte galoppierte eine feuriger Rappe heran. Das geht nicht mit rechten Dingen zu, dachte verwirrt der Schäfer, da riß ihn schon das Wort des Unheimlichen in die Wirklichkeit zurück: "Nimm dein Gold! Hier die Kiste!" Wahrhaftig, auf dem Rücken des Pferdes ruhte eine eisenbeschlagene Truhe, und als der Schäfer sie herabheben wollte, zog ihn ihr Gewicht förmlich zu Boden. Er hob den Deckel und prallte zurück. Lauter Gold! Alle Skrupel erstarben in ihm, die Gier nach Geld hatte ihn gepackt. "Die Schafe sind dein!" schrie er. Im selben Augenblick schwang sich der unheimliche Kunde auf das Roß, und ab ging`s durch die Luft, die Schafe hinterher, die ganze große Herde.
Aber was war das? Die Kiste mit dem Gold begann auch mitzurutschen. "Karo, faß!" brüllte erschrocken der Schäfer, indem er sich blitzschnell draufhockte, während der Hund die Zähne ins Holz schlug. Sie konnten den Schatz zurückhalten, mit Aufbietung aller ihrer Kräfte. Doch dann passierte es. Als ob ein unsichtbares Band gerissen wäre, schleuderte es plötzlich Schäfer, Hund und Kiste in den finsteren Winkel der Höhle.
Dort sitzt der Schäfer heute noch auf seinem Teufelsgeld und sein Hund fletscht jedesmal die Zähne, wenn sich ein verwegener Bursche an ihn heranmacht, um den Schatz zu rauben. Nicht ohne Grund heißt seit jenem Tag die Felsspalte "Hüllaloch", Hüllenloch!

(Geschichte, Sagen und Legenden aus dem Ries und seiner Nachbarschaft)

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9 Kommentare zum Beitrag
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen am 23.08.2009 um 23:12 Uhr  
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Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain am 23.08.2009 um 23:45 Uhr  
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Ingeborg Vollmar aus Bissingen am 27.08.2009 um 19:14 Uhr  
Daniela Jörg
Daniela Jörg am 11.10.2010 um 10:19 Uhr  
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