Bahnbauarbeiten an der Main-Weser-Bahn nach Ostern 2016

Gleisbau in Bruchenbrücken (3.4.)
 
Im Bahnhof Friedberg sind alle Bahnsteige leer.
 
In der HLB gibt es Informationen zum Sonderverkehr wegen Bauarbeiten.
 
Seit Fahrplanwechsel fährt ein Zug von Gleis 1 nach Hanau - früher ging das nicht.
Friedberg: Bahnhof Friedberg (Hess) |

Im Frühjahr 2016 sorgten zwei Bauprojekte für gravierende Änderungen beim Verkehr auf der Main-Weser-Bahn. Das war einerseits die Sperrung des S-Bahn-Tunnels in Frankfurt, wegen dem zahlreiche Zugläufe der S-Bahn schon vor dem Hautpbahnhof endeten. Wegen Gleisbauarbeiten zwischen Nieder-Wöllstadt und Friedberg gab es Schienenersatzverkehr für die S6, während viele Regionalzüge über Hanau fuhren.

Änderung bei der S-Bahn

Wie in den letzten Sommerferien verkehrte die S-Bahn nicht über den Hautpbahnhof hinaus. Die S6 verkehrt zwischen Hauptbahnhof und Niederwöllstadt - für den Rest der Strecke mussten Reisende auf Schienenersatzverkehr von Bonte (Schwalmstadt), Sack (Friedrichsdorf) und FRABus (Frankfurt) ausweichen. Richtung Norden wurde bei der S6 wie üblich "Friedberg" als Fahrtziel angezeigt. Auch bei anderen Zügen wurden nicht unbedingt die wirklichen Endstationen angezeigt - so hielt am Westbahnhof eine S4, die laut Anzeige am Bahnsteig zur Galluswarte, laut Anzeige am Zug aber zum Hautpbahnhof fuhr.
Die S5 nach Friedrichsdorf hielt über fünf Minuten am Westbahnhof. Daher mussten Nutzer diser Bahn aufpassen, dass sie wirklich pünktlich am Bahnsteig waren - die sonst nachmittags gewohnten Verspätungen gab es nicht.

In der S-Bahn gab es Werbung für die Musikmesse, bei der für die Nutzung von U4 und Tram 16 & 17 geworben wurde. Für die S-Bahn wurde nicht geworben, obwohl die Messe trotz reduzierten Angebots noch per S-Bahn erreichbar war.

Änderungen im Regionalverkehr

Zwischen Niederwöllstadt und Friedberg war nur eingleisiger Verkehr möglich, und zeitweise war die Strecke auch komplett gesperrt.
Der Mittelhessen-Express wurde über Hanau umgeleitet und hielt an allen Stationen zwischen Friedberg und Hanau sowie Frankfurt Ost und Süd. Auch die InterCity-Linie 26 wurde umgeleitet, wobei der Südbahnhof anstelle des Hauptbahnhofs angefahren wurde.
Bei den RE-Zügen von DB und HLB verlängerte sich durch die Baustelle die Fahrtzeit, was im Fahrplan durch frühere Abfahrtszeiten in Frankfurt (meist vormittags und um die Mittagszeit) oder spätere Abfahrtszeiten ab Friedberg ausgeglichen wurde. Bei Anschlusszügen wurden keine Änderungen vorgenommen. So sollte RE4160 in Gießen um 16:10 (statt 16:04) Uhr abfahren, die RegionalBahn nach Marburg hingegen um 16:09 Uhr. Das hätte natürlich keinen Sinn gemacht, da dann die RegionalBahn den RegionalExpress behindert hätte. So hat die RegionalBahn bei halbwegs pünktlichem RegionalExpress diesen in Gießen abgewartet und ist später gefahren.

Tarifliche Änderungen

Während der Bauarbeiten konnten Fernverkehrszüge zwischen Frankfurt und Hanau mit RMV-Fahrkarten genutzt werden. Es gab aber keine Freigabe für den Fernverkehr zwischen Hanau und Gießen, obwohl die Verbindungen Frankfurt - Gießen durch die Baustelle stark reduziert waren.

Schlechte Information durch die DB

Wie üblich gab es Aushänge an den Bahnhöfen mit einem überblick über die Fahrplanänderungen sowie einen an größeren Bahnhöfen erhältlichen gedruckten Sonderfahrplan. Leider waren diese Informationen teilweise unvollständig oder falsch.

- Vorplanfahrten MWB
Über früher abfahrende Züge auf der Main-Weser-Bahn konnte man lesen: "Bitte beachten Sie, dass einige Züge der RE/RB30 und RE98/99 in diesem Zeitraum bis zu 35 Minuten früher ab Frankfurt Hbf abfahren."
Informationen über ausfallende und früher abfahrende Züge sind besonders wichtig. Leider war diese Information nicht vollständig. Am Dienstag nach Ostern fuhr der erste Zug von Kassel nach Frankfurt etwa 20 Minuten früher ab. Einige Pendler standen daher am Morgen am Bahnsteig und wunderten sich, warum der RegionalExpress genausowenig kam wie eine Information über eine Verspätung oder einen Zugausfall.
Diese Fahrplanänderung war in den gedruckten Fahrplänen korrekt aufgeführt, erforderte jedoch die genaue Beachtung der Fußnoten und des angegebenen Datums. Wer also nicht gezielt nach dieser Fahrplanänderung gesucht hat, wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit genauso übersehen haben wie bei einer stichprobenhaften Farhplanabfrage.
Ein Hinweis in der Form "Am Dienstag nach Ostern (29.3.) fährt RE 4171 (Abfahrt in Kassel um 4:00 Uhr) etwa 20 Minuten früher ab und hält nicht in Frankfurt-West." wäre hilreich und notwendig gewesen.

- RB33
"Vom 25. März bis 10. April Betriebsschluss, entfallen die planmäßigen Züge der RB33 zwischen Friedberg und Hanau. Als Ersatzverbindung verkehren dort die umgeleiteten Züge der Main-Weserbahn."
Entgegen dieser Aussage entfielen nicht alle Züge der Linie RB33, sondern ein Teil der Züge verkehrte nach normalem Plan. Immerhin ist nicht zu befürchten, dass jemand wegen dieser fehlerhaften Angabe unnötig am Bahnsteig wartete.

Schlechtere Verbindungen

Für Reisende auf der Main-Weser-Bahn gab es erhebliche Einschränkungen: Längere Fahrtzeiten und teilweise drastisch weniger Fahrtmöglichkeiten.

Der Mittelhessen-Express fuhr ab Friedberg nach dem üblichen Plan. Da er jedoch über Hanau umgeleitet wurde, musste er in Frankfurt meist sogar vor dem RegionalExpress abfahren, welcher früher in Friedberg war.
Das reduzierte die Verbindungen Richtung Norden je nach Fahrtziel mehr oder weniger stark.
Von Frankfurt nach Kirchhain hat man normalerweise folgendes Angebot zwischen 15 und 18 Uhr:

15:22 16:28 1:06 RE
15:52 17:19 1:27 MHE
16:22 17:32 1:10 HLB+HLB
16:50 18:19 1:29 IC+MHE
17:20 18:28 1:08 RE
17:52 19:19 1:27 MHE

Während der Bauarbeiten blieb folgendes übrig:

15:22 16:35 1:13 RE
16:42 18:19 1:37 IC+MHE
17:20 18:35 1:15 RE

Die HLB-Verbindung um 16:22 fiel dadurch weg, dass sie in Gießen gebrochen wird und der Anschlusszug nach Kassel nicht auf den Zug aus Frankfurt wartete. Selbst mit der vorher verkehrenden RB 4174 hätte man die HLB nach Kassel gerade verpasst.

Bessere Verbindungen
Für bestimmte Verbindungen bot der Sonderverkehr gegenübr dem normalen Angebot sogar kleine bis große Vorteile.

Für Anwohner an der Strecke Friedberg - Hanau hatte der Sonderverkehr den Vorteil, dass einige Fahrtziele umsteigefrei oder auch schneller erreichbar waren. So konnte man umsteigefrei nach Frankfurt kommen. Die Fahrtzeit nach Bad Nauheim und Butzbach reduzierte sich meist deutlich, da man den normalerweise üblichen Aufenthalt in Friedberg einsparen konnte.

Den wahrscheinlich größten Nutzen hatten Reisende, die aus dem Bereich Friedberg - Friedrichsdorf - Bad Homburg nachmittags Richtung Marburg wollten. Durch die spätere Abfahrt von RE4160 und RE4162 in Friedberg verringerte sich bei zwei Verbindungen die Reisezeit 18 bis 23 Minuten. Normalerweise müssen diese Reisende in Friedberg eine halbe Stunde warten oder sogar den Umweg über Frankfurt fahren, weil die Anschlüsse in Friedberg so schlecht wie nur möglich sind. Lediglich am Wochenende gibt es eine günstige Umsteigemöglichkeit zu RE4160 und RE4162 - die ist dann aber mit drei Minuten so knapp, dass sie nicht in der Verbindungsauskunft erscheint.

Eintracht-Sonderzüge
Wegen der Bauarbeiten wurde sogar zweimal der zwischen Stadtallendorf und dem Frankfurter Waldstadion verkehrende Eintracht-Sonderzug umgeleitet, nämlich am 19.3. und am 9. April. In beiden Fällen waren auch die regulär nach Frankfurt fahrenden RegionalExpress-Züge von der Umleitung betroffen. Der Sonderzug hielt statt in Bad Vilbel und Frankfurt-West in Nidderau, Hanau und Frankfurt-Süd. Am 19. März betrug die Fahrtzeit zum Stadion zwei Stunden, und am 9. April sogar zweieinhalb. Bei dieser Fahrt waren längere Aufenthalte in Hanau (15 min) und Frankfurt-Süd (21 min) vorgesehen, wodurch die Fahrt mit dem Sonderzug deutlich an Attraktivität verlor. Von Stadtallendorf aus war man nämlich etwa 40 Minuten länger unterwegs als mit einer regulären Verbindung. Die folgenden Verbindungen zeigen die Fahrtzeit des Sonderzugs von Stadtallendorf zum Stadion im Vergleich zu regulären Zügen.

19. März 2016 (Umleitung über Hanau)
14:19 16:08 1:49 HLB24459 + S9
14:40 16:40 2:00 RE 15670
15:19 17:08 1:49 RE 4161

9. April 2016 (Umleitung über Hanau)
11:19 13:08 1:49 RE 4157 + S9
11:23 13:54 2:31 RE 15670
12:19 14:08 1:49 HLB24455 + S9

24. April (normaler Zuglauf)
13:19 14:53 1:34 RE 4159 + S8
13:54 15:41 1:47 RE 15670
14:19 15:53 1:34 HLB24459 + S8

Auch bei der Rückfahrt hatte der Eintracht-Sonderzug am 9.4. längere Aufenthalte (Frankfurt-Süd 7min, Hanau 14min, Gießen 14 min), so dass sich eine zu lange Fahrtzeit von 2:24 ergab.

Bahnbetrieb
Erwartungsgemäß gab es durch den Sonderverkehr deutlich häufiger größere Verspätungen als normal auf der Main-Weser-Bahn üblich, wobei diese sowohl auf der Umleitungsstrecke als auch am eingleisigen Streckenabschnitt entstanden.

In Friedberg fiel der Unterschied zum Normalbetrieb dadurch auf, dass häufig keine Züge an den Bahnsteigen standen. Beim Normalbetrieb hat man in der Regel wenigstens eine S-Bahn am Bahnsteig mit den Gleisen 5 und 7. Der Mittelhessen-Express fuhr oft auf Gleis 7, ist aber auch auf anderen Gleisen von 1 bis 11 gefahren. Dabei sei noch anzumerken, dass früher die über Hanau umgeleiteten Züge nicht die Gleise 1,2 und 4 anfahren konnten. Im Oktober 2015 wurde zusammen mit der Umstellung aufs elektronische Stellwerk ein neu gebautes Verbindungsgleis in Betrieb genommen, so dass umgeleitete Züge prinzipiell nicht mehr den Bahnsteig wechseln müssen. Im Fahrplan findet sich nun auch ein Zug, der von Gleis 1 aus nach Hanau fährt.

Bei RE 4160 wurde auf der Bahnsteiganzeige immer eine Scheinverspätung angezeigt. RE 4160 fährt normalerweise um 15:45 in Friedberg ab, während während des Sonderverkehrs eine Abfahrtszeit von 15:52 im Plan stand. Auch bei Einfahrt um 15:49 Uhr wurde eine Verspätung von etwa 5 Minuten angezeigt. Am 29.3. war der Zug etwa 12 Minuten zu spät, wobei die Anzeige aber 20 Minuten anzeigte. Offensichtlich wurde die Verspätung anhand der sonst üblichen Abfahrtszeit berechnet, obwohl die angezeigte Abfahrtszeit stimmte.

Kurios war auch eine Fahrplanauskunft am Automaten, bei der für RE4154 der Hinweis "Verzögerung beim Ein-/Ausstieg" für den Streckenabschnitt Friedberg - Stadtallendorf angezeigt wurde. Die Abfrage erfolgte nämlich drei Stunden vor der in Friedberg geplanten Abfahrt. Beim späteren Fahrtverlauf erfolgte die Abfahrt in Friedberg von Gleis 8 statt Gleis 4.

Bei RegionalBahnen der Linie 33 fanden sich außerdem bis zum 31.3. immer wieder Züge in der Fahrplanauskunft mit dem Hinweis, dass der Zug ausfallen und ein Ersatzzug verkehren würde. Der Ersatzzug wies jedoch einen völlig identischen Zuglauf auf. Möglicherweise hing das Phänomen mit den Fahrten eines lokbespannten Zuges auf der Strecke zusammen - normalerweise sind Talent2-Triebwagen auf der Strecke vorgesehen. Der lokbespannte Zug mit zwei Wagen war jedoch schon vor Beginn des Sonderverkehrs im Einsatz und auch noch Mitte April anzutreffen.

Ungenutzte Ausweichstrecke
Die Bahnstrecke über Frankfurt-West, Rödelheim, Bad Homburg und Friedrichsdorf nach Friedberg wäre eigentlich die beste Umleitungsstrecke bei Einschränkungen auf der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt-West und Friedberg. Leider ist sie dafür nur begrenzt nutzbar, da der Abschnitt zwischen Friedrichsdorf und Friedberg zu einer Nebenbahn zurückgebaut wurde und weder zweigleisig, elektrifiziert noch mit der üblichen Signaltechnik ausgestattet ist. Außerdem sind die Anschlüsse in Friedberg an die RegionalExpress-Züge meist sehr schlecht.
Für Reisende von Frankfurt-West nach Friedberg war die Fahrt über Friedrichsdorf günstiger als die Fahrt zum Hauptbahnhof und Weiterfahrt mit einem umgeleiteten Zug - zumal das Verspätungsrisiko auf der Umleitungsstrecke recht hoch war. Da jedoch andere Tarifgebiete durchfahren werden, wäre es für Zeitkarteninhaber keine Alternative. Wer zudem in Friedberg in einen RegionalExpress umsteigen wollte, hätte keinen guten Anschluss gehabt - zumindest laut Plan wäre der umgeleitete RegionalExpress dann abgefahren, wenn der Zug von Friedrichsdorf gerade ankommt (außer am Wochenende).
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