Vom Herbstmarkt zum Kammerherrn des englischen Königs

Estorf: Ev.-luth. Kirche | Immer am 3. Oktober-Wochenende ist Herbstmarkt in Estorf – OT von Leese. Hier gibt es ein kleines Scheunenviertel unter alten Bäumen. Das Angebot ist vielseitig und überall schaut irgendwie schon die Adventszeit durch. Für das leibliche wohl sorgt natürlich die nicht weg zu denkende Bratwurst und es gibt ein riesiges Angebot an Kuchen und Torten – zum Sofort-Essen und auch zum Mitnehmen. Nicht so alltäglich ist, dass es auch Knip warm auf Brot zu essen gibt.
Gut versorgt und mit dem einen oder anderen gekauften Gegenstand ausgestattet, geht man automatisch wieder auf den Ort zu. Und dann sieht man die Kirchturmspitze. Sie verleitet dazu, noch einen Abstecher zur Kirche zu machen.
Und man trifft auf ein außergewöhnliches Bauwerk. Eine Fachwerkkirche mit einem Backsteinturm. Der Backsteinturm ist zurzeit eingerüstet. Hier werden Renovierungssünden in Ordnung gebracht. Aber es ist so viel Turm zu sehen, dass sofort eindeutig klar wird: Auch hier war der Konsistorialbaumeister der Hannoverschen Landeskirche Conrad Wilhelm Hase tätig.
Die Kirche ist Ende des 17. Jahrh. entstanden und hatte schon eine kleine Vorläufer-Kapelle.
Mit etwas Glück trifft man auf die Küsterin der Kirche – offensichtlich der guten Seele für und mit dieser Kirche. Und so erfährt man viel über die Geschichte der Kirche. Was man heute nicht mehr sehen kann, ist die Gruft, die unter dem Altarraum gewesen ist. Dort war die letzte Ruhestätte der „Stifter-Familie“ der heutigen Kirche. Die Familie von Fabrice. Und diese Familie war nicht irgendeine Juristenfamilie. Einer der von Fabrice war Vice-Kanzler und sein Sohn Friedrich ernst war der letzte Kammerherr von König Georg I. von England. Ein wenig kann man die Geschichte noch nachspüren, wenn man in die unscheinbar unter der Orgelempore stehende Vitrine schaut.
Diese Kirche hat aber noch mehr Besonderheiten, die man nicht unbedingt in einem Dorf erwartet. Wenn man im Alten Land unterwegs war, so erinnert die Ausmalung der Kirche und die Ausstattung sehr an viele der dortigen Kirchen. Und natürlich erinnert die Ausmalung an die Sixtinische Kapelle in Rom.
Die Meyer-Orgel von 1839 hat in den Kriegen viele ihrer Original-Pfeifen verloren. Sie ist in ihrer sonstigen Substanz aber noch sehr original, was man an den Registerschildern sehen kann. Und man findet in der Rückwand der Kirche noch eine Auslassung, in der sich ein Holzmechanismus befindet. Es ist die Original-Tretvorrichtung für die Bälge. Und man kann sie heute noch bedienen.
Viel Geschichte an einem kleinen Ort – mehr als „nur“ ein Bauernmarkt….
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2 Kommentare
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Ute Kohler aus Fürstenfeldbruck | 21.10.2013 | 18:18  
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Evelyn Werner aus Seelze | 21.10.2013 | 18:36  
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