Blühendes Heidekraut auf Massengräbern - Bergen-Belsen -
Bergen: Gedenkstätte | Wir besuchen die Gedenkstätte Bergen-Belsen. Durch das große Eingangstor in der langen, hohen Mauer betreten wir das Gelände. Ein gepflasterter Weg führt uns durch ein kleines Wäldchen, welches den Blick auf eine wunderschöne, blühende Heidelandschaft mit vereinzelten Birken und Wacholderbüschen frei gibt.
Dann der Gedenkstein "Bergen-Belsen 1940 bis 1945", und uns wird schlagartig klar, dass diese Idylle trügt. Auch der Himmel dürfte nicht so blau sein, die Sonne nicht scheinen, sondern Blitz und Donner müssten aus dunklen Wolken auf diesen Ort nieder fahren.
Wir stehen auf dem Areal, auf dem sich bis Kriegsende das berüchtigte Gefangenen- und Konzentrationslager Bergen-Belsen befand. Die Heide blüht auf Massengräbern von mehr als 50 000 ermordeten und verhungerten Männern, Frauen und Kindern. Es sind Juden, Polen, Sinti, Roma, Russen, Holländer, Homosexuelle und andere, die von den Nazis auf bestialische Weise getötet wurden.
Die 20 000 Gräber der getöteten, überwiegend sowjetischen Kriegsgefangenen befinden sich auf dem weiter entfernt liegenden Lagerfriedhof.
"Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll" (Jesaja 56,5) steht im Gedenkbuch.
Wir wandern zwischen Gräbern von unvorstellbarer Größe, lesen die Gedenksteine, u.a. für Anne Frank und ihre Schwester, sehen die israelischen, polnischen und Gedenkstätten für alle anderen, halten Besinnung im "Haus der Stille".
Wir, das bin ich, die Deutsche und mein Mann, der Engländer. Ich bin voller Trauer, Scham und Wut, mir laufen die Tränen. Er, der auch Soldat war - aber nicht in Deutschland -, denkt voller Mitgefühl an seine jungen Kameraden, die bei der Befreiung des Lagers 1945 die Leichenberge sortieren, identifizieren und bestatten mussten.
Wir sind tief erschüttert und nicht mehr in der Lage, uns die schrecklichen Bilder und Dokumente im Museum anzusehen.
Eine Ausstellung zieht uns dann doch noch in ihren Bann. Die Luxemburgerin Madeleine Weis-Bauler, die das Lager überlebt hat, stellt ihre eindrucksvollen Lebensbilder aus. Sie sind bis zum 17.10.2010 in der Sonderausstellungshalle zu sehen.
Später wird uns bewusst, dass wir auf dem Gelände keinen einzigen Vogel gesehen und kein Vogelgezwitscher gehört haben. Nur ein Schmetterling und eine große, blaue Libelle haben unseren Weg gekreuzt.
Unfassbar bleibt, dass es immer noch Menschen gibt, die diese entsetzlichen und durch eindeutige Dokumente bewiesenen Greueltaten leugnen.



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