Auf der Suche nach dem Weihnachtsbaum!

 

Das Dorf, der Wald, der Baum!

Nach Absprache mit dem Förster war ich auf der Suche nach dem Weihnachtsbaum. Ich habe ihn gefunden und dabei ein bisschen fotografiert. Man sieht mehr als in einem Baumarkt.

Geworden ist es dann eine Flugfichte, 220 cm.

Jetzt warten wir noch ein paar Tage,
dann fällt Schnee
und dann ist Weihnachten!

P.S.
Weihnachten kommt bestimmt.
Das mit dem Schnee warten wir ab.
Er wird sich vermutlich wieder verspäten.

Ich habe ihm noch eine kleine Geschichte geschrieben:

Eine Flugfichte macht Karriere

Nun stand er auf dem Balkon. Ein bisschen schief an ein Pflanzregal mit seinen mittleren Zweigen gelehnt, denn er war größer als der Balkon hoch war. Im Steinbruch zurückgeblieben waren seine Wurzeln und zwei der breiten unteren Astkränze. Sie würden mindestens zwei der Äste im Frühjahr nach oben recken und weiterwachsen. Wahrscheinlich würden sie nicht so ebenmäßig schön, wie der Teil des Baumes, der nun Weihnachtsbaum war. Aber was würde das schon ausmachen? Sie könnten weiterwachsen und würden künftig nicht mehr Weihnachtsbaum werden müssen. Der Große stand nun noch schief, obwohl er in den Rang eines Weihnachtsbaumes erhoben war. Eigentlich war er nur eine Flugfichte, die sich in den stillgelegten Steinbruch verirrt hatte. Er war der schönste unter seinen zahllosen Geschwistern und das Wichtigste: Er war ein richtiger Weihnachtsbaum geworden.

Bis zum erhabenen Einzug ins Wohnzimmer waren es aber noch ein paar Tage. Auch hier auf dem Balkon würde er morgens die Sonne aufgehen sehen und wie sie mittags oben hinter dem Dach verschwinden würde. Vielleicht bekam er auch eine kleine Wanne mit Wasser an seinen abgesägten Stamm. Die Rinde war noch frisch und so würde er seine Nadeln noch eine Weile mit frischem Wasser versorgen können. Das waren so seine Gedanken, als es dämmerte und er sich vorstellte, wie das wohl sein werde, wenn er zum familiären Mittelpunkt würde. Viele Lichter und bunte Kugeln, allerlei Schnitzereien und auch ein paar Strohsterne sollten ihn schmücken. Es war ihm bewusst, dass er seit vielen Jahren wieder einmal ein Weihnachtsbaum sein würde, der vom Fußboden bis zur Decke reichen sollte. Nur die kleinen Jungen und auch die schwarze Katze würden nicht mehr herumtoben und ihm so manchen Schubs versetzen. Auch eine Eisenbahn würde nicht mehr unter seinen Bodenzweigen herumdampfen. Zwei Alte aber würden in den Polstern sitzen und sich von diesen guten Zeiten erzählen und wie die Kinder nun ihre eigenen Weihnachtsbäume hätten und sich vielleicht auch erinnerten, wie sie damals zwischen ihren bunten Paketen saßen und die Katze einmal in den Baum sprang, so dass er anschließend an der Heizung festgebunden werden musste, weil er mit all seinem Schmuck nicht mehr standfest zu richten war. Damals brannten noch Wachskerzen und ein Eimer Wasser stand bereit. Heute sind es elektrische Kerzen geworden, weil man ja bei den Alten nie wirklich sicher sein kann.

So schlief er ein und freute sich insgeheim auf seinen großen und einmaligen Auftritt in der Gewissheit, geliebt zu sein, so wie seine viele Vorfahren auch schon.
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 09.12.2015 | 04:24  
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