Die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für das Gemeinwesen

Viele Menschen, auch in Darmstadt, widmen ihre Freizeit ehrenamticher Arbeit. Für einige Bereiche unseres Gemeinwesens hat das Engagement Freiwilliger sogar existenzielle Bedeutung erlangt. Die Nachwuchssorgen vieler Vereine sollten daher ernst genommen werden.

Rund ein Drittel der Deutschen engagiert sich ehrenamtlich, in Hessen sind es gut zwei Millionen Menschen. Ob Katastrophenschutz, Sport, Kultur, Soziales oder Kommunalpolitik, viele widmen ihre Freizeit der guten Sache. Dabei ist den wenigsten bewusst, in welchem Maße unsere Gesellschaft von dem Einsatz der Freiwilligen abhängt. Die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements lässt sich am deutlichsten am Katastrophenschutz zeigen. So sind von den über eine Millionen Feuerwehrleuten in Deutschland lediglich 4 Prozent hauptberuflich tätig. Von den rund 25.000 Feuerwehren, die es hierzulande gibt, sind nur gut 100 Berufsfeuerwehren. Der Rest ist auf freiwilliger Basis organisiert und arbeitet unentgeltlich. Auch Rettungsdienste wie das Deutsche Rote Kreuz verlassen sich in großem Umfang auf die Mitarbeit freiwilliger Helfer. Bei diesen Zahlen wird schnell klar, dass die Hilfe, auf die wir im Notfall hoffen, alles andere als selbstverständlich ist. Denn der Staat wäre schon aus Kostengründen nicht in der Lage, alleine mit hauptamtlichen Kräften den Katastrophenschutz in diesem Umfang aufrecht zu erhalten.

Engagement hat viele Facetten

Doch auch in vielen anderen Bereichen nehmen ehrenamtliche Helfer bedeutende Aufgaben war. Im sozialen Bereich werden beispielsweise Selbsthilfegruppen, Opferberatungen und Lebensmittelausgaben organisiert. Kulturinitiativen, Museen und Theatergruppen sorgen für ein breites Unterhaltungsangebot. Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit in Sportvereinen und viele Entscheidungen, die unser tägliches Leben betreffen, werden in der Kommunalpolitik von Ehrenamtlichen getroffen. Denn insbesondere die Politik vor Ort wird, entgegen der landläufigen Meinung, von Freiwilligen, und nicht von Berufspolitikern, gestaltet. Das bürgerschaftliche Engagement hat sich also durchaus zu einer tragenden Säule unseres Gemeinwesens entwickelt.

Entsprechend größere Bedeutung kommt dem Ehrenamt in Städten und Gemeinden zu, die finanziell weniger gut ausgestattet sind. Zur Konsolidierung angeschlagener Haushalte müssen vielerorts Ausgaben eingespart werden, was häufig auch zu Lasten von sozialen Diensten und Freizeitangeboten geht. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat sich bereits 1995 der Verein „Ehrenamt für Darmstadt e.V.“ gegründet, der freiwillige Helfer vermittelt. Rund 300 Aktive sind für den Verein im Einsatz, die sich in einer ganzen Reihe kultureller Einrichtungen in Darmstadt engagieren, darunter das Hessische Landesmuseum, der Tierpark Vivarium, oder das Darmstädter Jazzinstitut. Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Angebote in Darmstadt, von Hospizdiensten über Schuldnerberatungen bis hin zu historischen Stadtführungen, bei denen sich die Darmstädter für ihre Mitmenschen einsetzen.

Förderung durch den Staat

Der Staat ist sich über den Wert, den die ehrenamtliche Arbeit für das Funktionieren des öffentlichen Lebens hat, durchaus bewusst. Daher sucht er auch nach Mitteln und Wegen, die Einsatzbereitschaft seiner Bürger aufrechtzuerhalten und im Rahmen seiner Möglichkeiten zu fördern. Das Land Hessen hat hierzu unter anderem eine Initiative ins Leben gerufen, die die Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement verbessern soll. Interessierte können sich in einer Jobbörse über offene Stellen informieren, es werden Fortbildungen angeboten und sogar Rahmenverträge zum Versicherungsschutz für Freiwillige hat das Land abgeschlossen. Aber auch die ideelle Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements nimmt einen hohen Stellenwert ein. So gibt es mittlerweile sowohl auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene eine Vielzahl von Auszeichnungen, mit denen Ehrenamtliche gewürdigt werden können.

Aber werden die Menschen tatsächlich durch die Aussicht auf eine eventuelle Auszeichnung motiviert, sich ehrenamtlich zu engagieren? Warum opfern sie teilweise einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit, um Anderen zu helfen? Die Beweggründe können vielfältig sein. Viele Menschen haben den Wunsch, soziale Verantwortung zu übernehmen und gesellschaftlich mitzugestalten. Zudem kann das Engagement in einem Verein auch das Bedürfnis nach sozialer Einbindung erfüllen und sinnstiftend wirken. In manchen Fällen kann das ehrenamtliche Engagement aber auch ganz konkret für die eigene berufliche Weiterbildung genutzt werden. Denn manche Organisationen bieten nicht nur Fortbildungen für ihre Helfer an, gelegentlich ist die Teilnahme an bestimmten vorbereitenden Kursen und Seminaren sogar Voraussetzung, um sich engagieren zu können. Die hierdurch erlangten Qualifikationen können dann wiederum für das berufliche Fortkommen genutzt werden. Aber auch andersherum können Freiwillige Wissen und Fähigkeiten, die in ihrem Beruf nicht unbedingt abgerufen werden, in die Vereinsarbeit einbringen. Auf diese Weise bietet das Engagement auch die Möglichkeit zur Selbstentfaltung.

Das teilweise auch persönliche Motive in der freiwilligen Arbeit verfolgt werden, mindert den Wert des Engagements jedoch keineswegs. Im Gegenteil, die Vereine sind für jede Hilfestellung dankbar. Denn trotz hoher Bereitschaft, sich für Andere einzusetzen, werden viele Organisationen von Nachwuchssorgen geplagt. Insbesondere junge Menschen können immer seltener dafür gewonnen werden, Verantwortung zu übernehmen. Um dem entgegenzuwirken bedarf es einiger Anstrengung, sowohl von der öffentlichen Hand, als auch von den Vereinen selbst. Denn die ehrenamtlichen Strukturen in unserem Land haben sich zu so einer bedeutenden Stütze für unser Gemeinwesen entwickelt, dass auf sie nur noch schwerlich verzichtet werden kann.
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