Schauen - Anfassen - Staunen

Der erste Versuch an der Töpferdrehscheibe lässt schon die Meisterin erahnen.
 
Man kann nie früh genug mit einer künstlerischen Arbeit beginnen.

Cölbe: Hofgut Fleckenbühl | Der 6. Bundesweite "Tag der offenen Töpferei" am 12. und 13. März 2011 stand unter diesem, wie ich finde, wirklich zutreffenden Motto. Nun aber der Reihe nach.

Am Samstag, d. 12.03., war es endlich so weit, dass ich mein Fahrrad vom Kellerstaub reinigte, den Reifen die nötige Füllmenge an Luft zuführte und noch einige kleinere Arbeiten ausführte. Dann konnte die erste Radtour des Jahres 2011 starten. Mein Weg führte mich nach Schönstadt in die Töpferei des Hofgutes Fleckenbühl.

Hier sah ich an der Eingangstür auch das Plakat mit dem Hinweis auf den Tag der offenen Töpferei und ich konnte mich davon überzeugen, dass man hier das Motto "Schauen - Anfassen - Staunen" wirklich ernst genommen hatte. Nun aber im Einzelnen:

S C H A U E N - Auf dem Weg zur Töpferei und auch in der Töpferei selbst, standen auf Tischen und in Regalen fertige Gefäße in den unterschiedlichsten Farben. Es waren dabei nicht nur Gebrauchsgegenstände wie Teller, Tassen, Eierbecher usw. zu finden, nein auch Vasen, Kerzenleuchter und vieles mehr, was zur Dekoration eines schönen Tisches beiträgt.

A N F A S S E N - Im Inneren der Töpferei saß ein Kind an der Töpferdrehscheibe und bearbeitete unter Anleitung erstmals einen Tonklumpen. Alleine das richtige Positionieren auf der Drehscheibe war schon nicht einfach. Der neue "Töpferlehrling" zeigte viel Geschick, wie sich nach kurzer Zeit an dem ausgearbeiteten Becher feststellen lies. An einem Tisch in der Mitte des Raumes hatte ein weiteres Kind seine Hand in Ton gepresst, und nun begann ein Mitarbeiter der Töpferei damit, den Tonklumpen zu zerschneiden.

S T A U N E N - Waren Sie schon einmal dabei, wenn der Brennofen bei einer Temperatur von etwa 500 Grad Celsius für einen kurzen Moment geöffnet wird ? Am Samstag hatte ich dazu die Gelegenheit und ich muss sagen, es war schon sehr beeindruckend. Leider hatte ich nicht die Zeit, um zu warten, bis die endgültige Temperatur von 900 Grad Celsius erreicht war. Bei dieser Temperatur werden die fertigen Stücke aus dem Ofen geholt und kurz in einem Wasserbehälter abgekühlt. In einem Gespräch mit den Mitarbeitern der Töpferei erfuhr ich Einzelheiten über ihre Arbeit, über die ich nur Staunen konnte. Die Töpferei Fleckenbühl verarbeitet Ton aus dem Westerwald, dem sogenannte "Anaerobier Organismen" (das sind Organismen die ohne freien Sauerstoff leben) beigemischt werden. Diese Methode ist bekannt unter dem Stichwort "EM" = Effektive Mikroorganismen, und wurde in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von einem Agrarwissenschaftler in Japan entwickelt. Da Ton die Eigenschaft hat, die Informationen der Mikroorganismen aufzunehmen, lassen sich die Effektiven Mikroorganismen unbeschadet in Ton einbrennen. Die Folge ist, dass Wasser und auch Nahrungsmittel in diesen speziellen Tongefäßen länger aufbewahrt werden können.

Nach meinem kurzen Besuch in der offenen Töpferei des Hofgutes Fleckenbühl kann ich nur sagen: es ist schon toll, was man an einem solchen Aktionstag alles schauen, anfassen und vor allem auch ERFAHREN kann !

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Weiterveröffentlichungen:

Oberhessische Presse | Erschienen am 16.03.2011
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