Frankfurter Buchmesse 2011 - Reisebuchautorin zieht Bilanz
Da stand ich nun, am 12.10.2011 um 10.00 Uhr vor den Toren der größten Buchmesse der Welt und konnte mich als Fachbesucher eintragen lassen. Wer hatte mir diese vermessene Idee eingetrichtert, unter Tausenden von Neuerscheinungen im Jahr einen etablierten Verlag für meine Bücher zu finden? War ich eigentlich nicht ein winziges Körnchen in der Wüste des Buchmarktes? Die Chancen glichen wahrscheinlich einem Lottogewinn mit sechs Richtigen. Und das passiert hin und wieder unverhofft.
Wer allerdings nichts wagt, gewinnt auch nichts – und seien es nur neue Erfahrungen hinter den Kulissen. Ich hatte nichts zu verlieren! So atmete ich tief durch und stürzte mich ins Gewimmel von seriösen Agenten, Buchhändlern, Filmemachern, Autoren, nationalen und internationalen Verlagen … Vornehmes Schwarz war angesagt, nicht nur bei den Ständen.
Nachdem ich etliche informative Streifzüge durch die weiten Hallen absolviert hatte, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und sprach bei den ersten Verlegern vor. Es war gar nicht so schwer! Zuhause hatte ich mich gut vorbereitet, eine gefällige Präsentationsmappe erstellt und passende Verlage mit Reiseprofilen aus dem Internet gefiltert. Welcher Verlag mit Kochliteratur würde sich schon für Reiseerlebnisse interessieren? An die gewünschten Literaturagenturen kam ich nicht heran, denn diese gewährten nur nach Terminvereinbarung Zutritt zu ihren geheiligten Hallen. Diese Gelegenheit hatte ich verpasst.
Etliche Bewerbungen konnte ich an interessierte Lektoren im Laufe der nächsten drei Tage abgeben. Einige Repräsentanten klassischer Verlage baten mich, meine Manuskripte erst nach der Messe einzusenden. Das Ergebnis würde allerdings etliche Monate auf sich warten lassen. Geduld wäre demnach angesagt.
So hatte ich eifrig zu laufen, zu reden, zu recherchieren und mir blieb nur wenig Zeit, den Ehrengast Island zu erleben. Außerdem hatte ich an meine Begleitung zu denken. Meine beiden Hunde erwarteten mich täglich nach mehreren Stunden des Alleinseins auf dem Campingplatz im Wohnmobil.
Einige Interviews erheiterten mich, andere lösten Entsetzen in mir auf. Ohne Namen zu nennen, fragte ich mich, warum es große Verlage nötig hatten, sich mit vollbusigen Blondinen zu schmücken und niveaulose Gespräche zu führen. Bestimmte hier der Publikumsgeschmack das Geschäft und nicht die Literatur an sich? Kann man sich soweit für Ruhm verkaufen?
Jeder Verlag hat sein eigenes „Out-fit“ für seine Bücher und lässt wenig Raum für die Individualität eines Autors. Das beginnt beim engen Korsett des Layouts und endet bei der Auswahl von Bildern und gegebenenfalls der Sprache. Große Namen sind weitaus zugkräftiger und erfolgversprechender als unbekannte neue Autoren, auch wenn die Qualität deren Werke problemlos mit den favorisierten Auflagen konkurrieren könnte. Kleinere Verlage sind mutiger, gewähren mehr Eigenverantwortung, haben aber weniger Absatz- und Werbechancen.
Mir wurde bei all meinen Gesprächen mehr und mehr klar, dass ich eigentlich dafür meine Bücher nicht kreiert hatte. Meine Individualität möchte ich auf jeden Fall behalten und meine „Handschrift“ bewahren. Ich habe während dieser Messetage auch erkannt, dass mir die Rolle als Bittsteller nicht liegt und Unterwürfigkeit aus Geschäftsinteresse zuwider ist.
Meine Reiseerzählungen sind ein Ausdruck meiner Persönlichkeit. Meine Buchgestaltung ist sicher nicht perfekt, doch es steckt viel Liebe und individuelles Handwerk darin. Das werde ich mir nicht nehmen lassen. Es bleibt mir daher augenscheinlich nur der Weg des Selbstverlages.
Hier ist Vorsicht geboten. Die sogenannten Vorschussverlage sind schnell bei der Hand, das angebotene Manuskript mit Lob zu überhäufen. Die dicke Rechnung kommt hinterher und variiert in einer unvorstellbar großen Bandbreite. Der kaufmännische Einsatz lässt oftmals zu wünschen übrig, wenn vom glücklichen Autor das Honorar bezahlt worden ist. Leider ist diese Branche auch auf dieser Messe vertreten und auf den ersten Blick oft nicht erkennbar. Erst im kritischen Gespräch kommt die „angemessene“ Beteiligung des Autors zur Sprache.
So vertraue ich weiterhin, ohne „Ritterschlag“ der Buchlobby, auf meine Originalität und Qualität meiner Arbeiten, unterstützt vom regionalen und örtlichen Buchhandel, sowie dankenswerter Weise der ortsansässigen Presse. Die Leserschaft wird es zu honorieren wissen und ich kann mich täglich ohne Gewissensbisse im Spiegel betrachten, mit der Gewissheit, mich nicht verkauft zu haben. Für diese persönliche Erkenntnis bin ich der Frankfurter Buchmesse dankbar und werde mein weiteres Vorgehen danach ausrichten.
Reisebuchautorin
Monika von Borthwick:
Highways and Gravel Roads I
Highways and gravel Roads II
Viva Los Topes!



Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .