TSG-Vorsitzende Karola Hoppenstedt: "Das Ehrenamt ist unbezahlbar"

Die TSG-Vorsitzende Karola Hoppenstedt. (Foto: Michel Eram)

Die Turnerschaft Großburgwedel feiert 2012 ihr 100-jähriges Bestehen. Die Nordhannoversche Zeitung hat zu diesem Jubiläum ein Magazin gestaltet. Im Interview verrät die Vorsitzende Karola Hoppenstedt, was den Verein auszeichnet.





Frau Hoppenstedt, Sie sind die Vorsitzende der TS Großburgwedel. Seit wann bekleiden Sie dieses Amt? Und wie kam es dazu, dass Sie Vorsitzende wurden?

Als frühere Leistungssportlerin habe ich durch den Sport sehr viel Positives erlebt und bin häufig dabei engagierten Menschen begegnet, die durch ihren Einsatz das Sportgeschehen zum Erfolg geführt haben. Daher war es für mich selbstverständlich, mich 1989 der angetragenen Aufgabe zu stellen.

Was zeichnet die TS Großburgwedel aus? Und wo zwickt es?

Die Bereitschaft in der TSG daran mitzuwirken, drängende gesellschaftliche Themen in sportliche Aktivitäten einzubeziehen, um für die Mitglieder und diejenigen, die es noch werden wollen bedarfsgerechte, sportliche Angebote zu unterbreiten. Dabei ist es häufig eine Herausforderung, Übungsleiterinnen und Trainer sowie die geeigneten Räumlichkeiten zu präsentieren.

Vor 100 Jahren wurde der Verein gegründet. Was hat sich der Verein bei der Vereinsgründung auf die Fahnen geschrieben?

Körperliche Ertüchtigung – heute Fitness. Diese Grundziele gelten auch heute noch. Abgesehen davon leben wir die Tradition nach außen mit den Vereinsfarben Grün und Weiß, und bei wichtigen Anlässen durch unsere Fahne von 1912.

Wenn Sie einen Blick auf Ihre Abteilungen werfen: Welche sind die Gründungssparten? Welche sind im Verlauf der Jahre hinzugekommen?

Die Gründungsparten waren Turnen, Gymnastik und Leichtathletik. Der Stellenwert dieser Sportarten ist heute noch ungebrochen. Besonders nachdem sie über Jahrzehnte große Veränderung erfahren haben.
In der TSG können Sie durch die Anzahl der Sportangebote ersehen, dass neben Wettkampf- und Breitensport ein gesellschaftlicher Wandel in Bezug auf die Gesundheit, sei es vorbeugend oder erhaltend stattgefunden hat. Das Motto der Antik: „Sane in corpore sano“ – „In einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist“, ist wieder in und gilt für alle Generationen.

Welche ist denn zurzeit Ihre „Boomsparte“, wo haben Sie den größten Mitgliederzuwachs? Und wie erklären Sie sich das?

Den größten Mitgliederzuwachs haben wir in der Abteilung TSG aktivCenter. Neben optimalen sportlichen Möglichkeiten individuell oder in der Gruppe in Wohlfühlatmosphäre. Bei Öffnungszeiten von 7 bis 22 Uhr und an Wochenenden, ist das TSG aktivCenter zu einem generationsübergreifenden Treffpunkt in der TSG geworden.

Gibt es ein Aushängeschild bei der TSG? Kann man z. B. sagen, dass die Bundesliga-Turnerinnen die TSG über die Grenzen Großburgwedels hinaus bekannt machen? Und welche bekannten Sportler hat die TSG hervorgebracht?

Die TSG hat im Lauf ihrer langen Vereinsgeschichte viele erfolgreiche und bekannte Sportlerinnen und Sportler in ihren Reihen gehabt. Ebenso konnten viele Mannschaftserfolge gefeiert werden.
Momentan sind unsere Spitzenurnerinnen als einzige in Niedersachsen in der 1. Bundesliga sicher ein Aushängeschild. Durch die Wettkämpfe, die deutschlandweit stattfinden, wird der Name TS Großburgwedel automatisch bekannt. Wir freuen uns sehr darüber, und hatten im vergangenen Jahr als Ausrichter des DTL-Wettkampfes auch die Teams aus ganz Deutschland bei uns zu Gast.

Wenn Sie an die Vereinsgeschichte denken: Auf welche Errungenschaften sind Sie besonders stolz? Und was hätte der TSG erspart bleiben können?

Das Gelingen einer tragfähigen Vereinsstruktur; den Anforderungen eines modernen Sportvereins ein zeitgemäßes Sportangebot zu bieten, die finanziellen Voraussetzungen als Amateurverein zu schaffen, Sponsoren und Förderer für die TSG zu begeistern, durch adäquates Vereinsmanagement den sportlichen und gesetzlichen Vorgaben zu genügen und weiter an einer zukunftsfähigen Vereinsführung zu arbeiten.
Diese Aufgaben fast ausschließlich mit ehrenamtlichem Vorstand und Abteilungsleitern zu bewältigen, macht uns nicht stolz sondern hält uns wach, erfolgreich weiter im Sinn unserer Mitglieder zu arbeiten. In der positiven Weiterentwicklung sehe ich schon eine kleine Errungenschaft.

Beim Blick auf Ihre Sportanlagen sticht das TSG aktivCenter heraus. Wie und wann sind Sie auf die Idee des aktivCenters gekommen? Was zeichnet es aus und welchen Stellenwert hat es für den Verein?

Die Sportanlagen generell gehören der Stadt Burgwedel und werden nach den Schulen den Vereinen zur Verfügung gestellt. Daneben gibt es auch mehrere vereinseigene Sportanlagen.
Die TSG hat mit der Einrichtung des TSG aktivCenters die erste eigene Sportstätte geschaffen, die für die Weiterentwicklung des Vereins enorm wichtig ist. Die Möglichkeit der flexiblen Öffnungszeiten, an den Geräten zu trainieren und die Errichtung einer TSG Geschäftsstelle zeichnet das TSG aktivCenter u. a. aus.

Das Jahr 2012 steht im Zeichen des Jubiläums. Wenn Sie an die geplanten Veranstaltungen denken: Welches sind die Höhepunkte dieses Jahres?

Das gesamte Jahr 2012 wird von uns als Demonstration des Sportes in der TSG verstanden. Die verschiedenen Abteilungen haben sich in Gruppen zusammen geschlossen, um Veranstaltungen, Mitmachaktionen und Informationen für Interessierte anzubieten. Die unterschiedlichsten Bewegungsmöglichkeiten und Sportarten aufzuzeigen sowie die Begegnungen untereinander mit viel Freude und Spaß zu erleben erfüllt den Sinn unseres 100-jährigen-TSG-Jubiläums.

Viele Vereine beklagen das fehlende Engagement des Nachwuchses. Welche Beobachtungen machen Sie als Vorsitzende bei der TSG?

Moderne Kommunikationsformen, veränderte Lebensweisen der Familien, neue Anforderungen des Schulalltags und vieles mehr haben großen Einfluss auf das Leben von Kindern und jungen Menschen.
Wir begegnen als TSG mit breit gefächertem Sportangebot und der Möglichkeit zur Ausbildung und Ausübung von ehrenamtlicher Tätigkeit. Es gelingt offensichtlich in vielen Abteilungen maßgeblich durch Vorbilder, intelligente Anreize zu vermitteln und aufzuzeigen, welche spannenden, kommunikativen und sozialen Chancen sich in der Vereinsszene auftun.
Die Vorteile für das Berufsleben – Teamarbeit, Führungseigenschaften, Disziplin usw. – werden von Jugendlichen schnell erkannt.
Selbst wenn nach Schulabschluss die meisten Jugendlichen die TSG verlassen müssen – Die positiven Erfahrungen, die sie in ihrem Sportverein gemacht haben, werden dazu führen, dass sie sich später meist selber engagieren. Dies ist ein Gewinn für unsere Gesellschaft.

Wenn Sie an die Ehrenamtlichen bei der TSG denken: Gibt es Menschen, die sich über die Maßen für die TSG engagieren? Was zeichnet diese aus?

Das Ehrenamt allgemein ist aller Ehren wert und unbezahlbar!
Die TSG ist nur zukunftsfähig, wenn Menschen dazu bereit sind, ihre Zeit unentgeltlich für andere Einzusetzen und damit unser hohes Niveau aufrecht zu erhalten.
Intensive Vorstandsarbeit, aktive Abteilungsvorstände, der Einsatz vieler Betreuer und Helfer, eine große Schar von Müttern, Vätern und Verwandten, die ihre Kinder zu Sport und Wettkämpfen fahren, sind das Fundament der TSG.. Durch gemeinsam Erlebtes, Freude am Sport und Neuem motivieren wir uns gegenseitig für unsere Arbeit. Mein Appell bei dieser Gelegenheit an alle, sich zukünftig zu engagieren! Wir freuen uns auf Sie und haben für viele Bereiche ein geeignetes Betätigungsfeld.

Wo sehen Sie die TSG in zehn Jahren?

Die TSG sehe ich auch in den nächsten zehn Jahren als stabilen Faktor für das Gemeinwesen in unserer Stadt. Neben sportlichen Erfolgen und einem sportfreundlichen Umfeld, wird die Suche nach besten und erfolgreichen Lösungen die TSG auch in der Zukunft von Jung und Alt als ihr Sportverein vor Ort angesehen werden.

Mal abgesehen von der TSG: Was macht Großburgwedel lebenswert?

Eine besonders aufgeschlossene Bevölkerung, wachsende Strukturen in einer günstigen geografischen Lage, eine kleinstädtische Atmosphäre und eine gegenseitige Anerkennung guter Leistungen und Angebote. Deshalb lebe ich sehr gern in Großburgwedel.

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