Windmühle Wichtringhausen – eine Mühle „um die Ecke“

  Burgwedel: Bockwindmühle Wettmar | Der Wind war günstig, Südwest bis West, Stärke 2 bis 3 (Beaufort), die Holländermühle in Wichtringhausen drehte sich, als sich die Vertreter von acht Mühlen am Samstag, dem 16. April, trafen und vom Mühlenbesitzer Fritz Weber jun. empfangen wurden. Die Gruppe repräsentierte eine Vielfalt historischer Mühlen, nämlich Holländer- und Bockwindmühlen, eine Wasser- und eine Paltrockmühle – und das alles vertreten in der Region Hannover und im nördlichen Landkreis Hildesheim! Den Vertretern von vier weiteren Mühlen entging aus zeitlichen Gründen diesmal leider ein beeindruckendes Erlebnis.
Der selbstgewählte Name dieser Gruppe von Müllern lautet seit Neuestem >Gesprächskreis „Mühlen um die Ecke“< und ist vor etwa vier Jahren entstanden, initiiert von Reinhard Tegtmeier-Blanck, Freiwilliger Müller an der Bockwindmühle in Wettmar. Er erfuhr von sog. „Mühlenstammtischen“ mit regelmäßigen Treffen von Mühlenvertretern in anderen Regionen. Der Sinn war - dort wie hier - der Aufbau eines regionalen Netzwerkes, um andere Mühlen kennenzulernen und sich mit den dortigen Müllern und über ihre spezifischen Problemlagen auszutauschen.
Nachdem im letzten Herbst die Wassermühle Laderholz als Treffpunkt gedient hatte, (http://www.myheimat.de/burgwedel/kultur/das-wasser...) war es jetzt also Wichtringhausen. Die Holländermühle wurde 1752 von dem Gutsherrn v. Simmern erbaut. Nachdem 1810 durch die Gewerbefreiheit in Preußen auch die Mühlen aus den alten Adelsprivilegien gelöst und der „freien“ kapitalistischen Konkurrenz ausgesetzt wurden, konnten Privatleute als neue Unternehmer solche Betriebe kaufen. Seit 1835 ist die Mühle im Besitz der Familie Weber, die sie bis 1972 als Mehlmahlbetrieb betrieb, dann nur noch als Schrotmühle und bis 1989 zum Landhandel nutzte. Diese Art Betriebe hatten sich in diesen Jahren als konkurrierende Erwerbsquelle gegenüber den großen Industriemühlen überlebt und mussten schließen. Diese Holländermühle ist aber bis heute noch im alten Familienbesitz geblieben.Der Erhalt dieses für die Region einmaligen kulturhistorischen und technischen Denkmals als Schauobjekt würde die Kraft eines einzelnen Besitzers überfordern. Daher gründete sich 1999 ein Mühlenverein, der der Familie Weber seitdem hilft, diese einmalige Holländermühle zu bewahren.
Die „Mühlengäste“ von „Mühlen um die Ecke“ bekamen am Samstag diese Einmaligkeit zu sehen, die in dieser Region mit ihrer umfassenden „modernen“ technischen Ausstattung durch die Modernisierung in den 1950er Jahren ihresgleichen sucht. Erwähnt sei nur der Antrieb aller Müllereimaschinen durch eine stählerne Königswelle, die von der Flügelwelle oben bis in den Mühlenkeller zu einem komplizierten Transmissionssystem mit Ölbadkupplung führt, das die Windkraft auf die einzelnen Maschinen verteilt, hergestellt von den Eisenwerken Wülfel in Hannover. Mehr kann hier nicht berichtet werden, sondern man muss auf die Homepage der Mühle verweisen: http://www.windmuehle-wichtringhausen.de/ und auf das neue Buch von Rüdiger Hagen und Wolfgang Neß über die Mühlen der Region und Stadt Hannover.
Neben der Führung durch die Mühle von Fritz Weber bzw. der Besichtigung und Bewirtung(!) für die Gäste gab es noch einen weiteren wichtigen Tagesordnungspunkt, nämlich die Diskussion über die Endfassung eines geplanten Flyers, der zukünftigen Besuchern in den beteiligten Mühlen zum Abschied an die Hand gegeben werden soll, damit sie erfahren, welche Mühlen in der Nähe, also „um die Ecke“, sind und ein weiteres Besuchsziel sein könnten. Verstanden wird dieser Flyer nicht als eine bloße Public-Relations-Maßnahme für Mühlen, sondern als die Möglichkeit, den Besuchern vor Ort die historischen Mühlen mit ihrer spezifischen Geschichte vorzuführen und ihnen auch etwas über Müllerei und das vergangene Mühlenwesen zu vermitteln.
Eine konzentrierte und konstruktive Diskussion aller Beteiligten schuf die Grundlage zur Konzeption des Flyers, der im Wesentlichen durch Wolfgang Kartscher produziert wird, Architekt, engagiert an der Bockwindmühle im Lönspark Hannover. Das Ziel lautet: Am „Deutschen Mühlentag“, dem Pfingstmontag, 16. Mai 2016, soll er in den Mühlen zum Verteilen vorliegen. Die Erfahrungen sollen später ausgetauscht werden beim nächsten Treffen der „Mühlen um die Ecke“ am 22. Oktober 2016 in Asel, Hildesheim-Drispenstedt. Das ist der Standort einer Paltrockmühle (http://www.muehleasel.de/)

700 Jahre Windmühlen-Technik
430 Jahre Windkraft-Nutzung in Wettmar

www.bockwindmuehle-wettmar.eu
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2 Kommentare
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birgit schlange aus Springe | 19.04.2016 | 08:41  
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Dieter Goldmann aus Seelze | 19.04.2016 | 11:30  
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