"Das Akkordeon gehört auf die Füße gestellt!" Der Fachmann fürs Akkordeon beim Hohner-Ring in Burgdorf
Er ist Fachmann fürs Akkordeon und heißt auch so. Wolfgang Fachmann aus Bienenbüttel, Handzuginstrumentenbauer, was so viel bedeutet wie Akkordeonbauer, war einen ganzen Tag beim Hohner-Ring zu Gast, um an die dreißig Akkordeons des Orchesters und einiger Gäste auf Herz und Nieren zu prüfen. Im Anschluss daran hielt er einen aufschlussreichen Vortrag über den Umgang mit dem Akkordeon.
Der Hohner-Ring hatte den Spezialisten für Akkordeon-Reparaturen eingeladen, der mit viel Sachkunde die Akkordeons durchprüfte. Dabei hatte er auch immer humorvolle Geschichten und kleine Überraschungen parat. Als Fachmann das Innere eines Akkordeon begutachtete, meinte er, "Sie spielen hauptsächlich in C-Dur, ein bisschen G- und F-Dur ist auch noch dabei." Die verdutze Spielerin konnte dem nur zustimmen.
Checks und Tipps zum Akkordeon
Kleinere Reparaturen hat der Fachmann sofort ausgeführt. Ansonsten wurde akribisch aufgelistet, welche Mängel das Instrument aufweist. Wenn eine Stimme nicht richtig klingt, liegt es häufig nur an einem kleinen Staubkorn. Ein Pling mit einem pinzettenähnlichen Gerät und schon ist der Klang wieder voll da. Die Ventile werden begutachtet, ob sie aus Kunststoff oder Leder sind, mit entsprechenden Erklärungen dazu. Der Akkordeonbauer überprüft auch die Gurte und den Sitz des Akkordeons. Es soll nicht mittig, sondern etwas nach links versetzt hängen. Dann kann die rechte Hand bequemer spielen. Er checkt auch die Stimmung des Instruments. Gerade bei italienischen Herstellern, die an sich sehr gute Akkordeons bauen, muss man darauf achten, dass das Instrument auf den Kammerton a 440 Hertz gestimmt ist, sonst ist ein Zusammenspiel im Orchester nicht gut möglich. Mit leichtem Schmunzeln erzählt Fachmann auch, was er so alles im Innern eines Akkordeons wiederfindet.
Vortrag übers Stimmen und über den Umgang mit dem Akkordeon
Am Abend hat der Akkordeon-Spezialist einen Vortrag über das Akkordeon gehalten. Er berichtet, dass der Ursprung beim Knopfakkordeon liegt. Da aber die Musiklehrer fast ausschließlich mit dem Klavier vertraut waren, hatte Hohner die Idee mit der Klaviertastatur auf dem Akkordeon. Das hat sich dann durchgesetzt. Fachmann erklärt sehr anschaulich, wie er ein Akkordeon temperiert stimmt. "Rein stimmen kann jeder", sagt er, "aber die gleichmäßige Temperierung hinzubekommen ist schon eine Kunst, die auch allein mit modernen technischen Geräten nicht zu bewältigen ist." Er sitzt dann 10 – 12 Stunden an einem Instrument.
"Ein Akkordeon gehört auf die Füße gestellt!", betont er ausdrücklich, nicht hochkant auf einem Stuhl. Eine Unachtsamkeit und es fällt herunter." Für den Transport zeigt er Koffer, die am besten geeignet sind. "Aber zu Hause aus dem Koffer herausholen!", fordert er. Damit es an der Luft steht. Und wenn man das Instrument sieht, spielt man es auch häufiger.
Die Haltbarkeit eines Akkordeons ist auf vierzig Jahre ausgelegt, berichtet der Akkordeonbauer. Das ist eine sehr lange Zeit. Danach ist eine Reparatur zwar noch möglich, aber nicht mehr sinnvoll, da sie mindestens den Neuwert eines Instrumentes ausmacht. Wer daher ein fünfzig Jahre altes Akkordeon auf seinem Dachboden findet, sollte sich von dem Gedanken frei machen, er hätte etwas Wertvolles entdeckt. Eine einfache Entsorgung ist dann meistens angebracht.
Nur zwei Akkordeonbauer in Niederschsen
Wolfgang Fachmann ist einer von nur zwei Akkordeonbauern in Niedersachsen. Er betreut Akkordeonorchester, zum Beispiel die Orchester in Braunschweig und Celle. Er setzt alte Akkordeons instand und hat auch für jede Art der Anwendung das passende Akkordeon im Angebot, einschließlich umfassender Beratung.
Der Hohner-Ring ist sehr zufrieden mit der Veranstaltung mit dem Akkordeon-Fachmann. Die Akkordeonspieler haben viel dazugelernt, vor allem im Umgang mit ihrem Instrument. Es hat Spaß gemacht, dem Akkordeonbauer zuzuhören, Und in ein bis zwei Jahren werden mit Sicherheit wieder alle Akkordeons darauf warten, vom Fachmann überprüft zu werden.
Weitere Infos zum Hohner-Ring: Cordula Pütz, Tel: 05136-85737



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