Interview: Benedikt von Peter -Regisseur- Staatsoper Hannover "Intolleranza" (c) Irene Deseke

von Irene deSeke aus Burgdorf | am 24.08.2010 | 1651 mal gelesen | 6 Kommentare | 0 Bildkommentare | 1 Bild

Benedikt von Peter Jahrgang 1977, geboren in Köln studierte Musikwissenschaften, Gesang, Germanistik und Jura
Assistent von Luca Ronconi und Peter Mussbach (Salzburger Festspiele)
Regiemitarbeit von Christof Loy (verschiedene Produktionen)
Mitinitiator der “Akademie Musiktheater Berlin Salzburg”
Gründung, mit einigen anderen Mitgliedern, die Produzentengemeinschaft “evviva la diva”
2003-2005 Spielleiter Hamburger Staatsoper (deutsche Erstaufführung von Peter Eötvös “Angels in America”, Einladung hiermit zum Holland Festival 2006)
2006 Spielzeit in Heidelberg mit “Chief Joseph” von Hans Zender
2007 Götz-Friedrich-Preis für die Inszenierung “Chief Joseph”
2007 Gastprofessur für Regie an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt
2007/08 Debüt an der Komischen Oper mit Händels “Theseus”
2010/11 nach “Fidelio (1805)” seine dritte Arbeit an diesem Haus mit der Neuinszenierung von Mozarts “Idomeneo”

Jetzt hier an der Staatsoper Hannover mit der Inszenierung von “Intolleranza” von Luigi Nono.

I.D.
Worin geht es in diesem neuen Stück?

B.v.P.
Das Stück Intolleranza arbeitet auf mehreren Ebenen.
Zunächst schildert es zeitgeschichtliche Stationen verschiedenster Unterdrückungszusammenhänge, die die Hauptfigur auf der Suche nach seiner Heimat kennen lernt. Neben dieser zeitgeschichtlichen Dimension beschäftigt sich das Stück aber auch mit der Frage nach einer Möglichkeit der Revolutionierung dieser Verhältnisse durch das solidarische Kollektiv. Ein Kollektiv in dem auch die Hauptfigur schließlich seine "wirkliche Heimat" erkennt.
Es ist also eine Art kommunistisches Lehrstück.

I.D.
Hast du eine besondere Motivation, dieses Stück zu inszenieren?

B.v.P.
Die Frage nach der Möglichkeit und den Bedingungen von kollektiven Zusammenhängen scheint mir heut zu Tage, nach dem scheinbar eindeutigen Sieg des Individualismus und Egoismus eine nach wie vor ungelöste Frage.
Wenn man so will, ist sie eine Frage, die uns das 20. Jahrhundert ungelöst hinterlassen hat. Trotzdem wir uns sicher sind, dass ein am Kollektiv ausgerichtetes gesellschaftliches Leben zu hohe Kosten verursacht, spüren wir doch die Sehnsucht nach kollektiven, überbaulichen Zusammenhängen, nach deren Wärme und scheinbaren Sicherheiten.
Ein schönes Paradox also, womit man sich gerne beschäftigt.

I.D.
Bei dieser Inszenierung spielen viele Statisten mit, nach welchen Kriterien werden diese ausgesucht?

B.v.P.
Wir haben Menschen gesucht die "echt", also unverstellt sind - in ihrem Ausdruck, in ihren Bewegungen und Stimmen. Also bewusst keine Menschen, die ihre Wirkung steuern oder kontrollieren wollen. Ich glaube, dass die Proben deshalb auch so gut funktionieren, weil uns das zu großen Teilen gelungen ist.

I.D.
Benedikt von Peter, so jung und schon so große Erfolge und Auszeichnungen.
Wie gehst du mit Kritik um (z.B. Komische Oper Berlin, das spektakuläre Bühnenbild)

B.v.P.
Kritik ist immer nur eine Seite der Medaille. Publikumszuspruch kann der Kritik komplett widersprechen und auch Intendanten verpflichten nicht mehr auf Grund von Kritiken. Die Künstler sind also von den Kritiken nicht wirklich abhängig. Das beruhigt. Ärgerlich bleibt es trotzdem wenn Kritiker nicht die mindeste Ahnung haben, wie Produktionen zustande kommen und oft nicht erkennen welche Arbeiten allein handwerklich betrachtet funktionieren und gekonnt sind.
Auch gibt es viel zu selten inhaltlich ausgerichtete, sondern mehr und mehr geschmacklich orientierte Kritiken. Das auszuhalten gehört zum Beruf.
Man ist wie ein Bundestrainer beim Fussball. Da sitzen auch viele vor dem Fernseher und wissen wie es besser geht.

I.D.: Danke Benedikt von Peter.

Lasst nicht zu, dass Intoleranz eure Herzen und Köpfe erobert.

Jeder gute Mensch ist gut auf die gleiche Weise,
jeder böse Mensch dagegen ist böse auf eine besondere Weise
(frei nach Leo Tolstoi “Anna Karenina”) -Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie dagegen ist unglücklich auf ihre besondere Art-

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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Anzeiger | Erschienen am 31.08.2010
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6 Kommentare zum Beitrag
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Axel Haack aus Freilassing am 24.08.2010 um 09:11 Uhr  
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen am 24.08.2010 um 11:06 Uhr  
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TalkToFrank am 25.08.2010 um 00:24 Uhr  
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