Helmut Newton – Fotografien in der Weserburg – Museum für moderne Kunst, Bremen
Ein Kunst- und Kulturtipp vom Medienhaus Burgdorf
Helmut Newton und die Frauen - die Ausstellung „Helmut Newton – Fotografien“ vom 31. Mai – 31. Dezember 2008 in der Bremer Weserburg rückt einen der erfolgreichsten und umstrittensten Fotografen des 20. Jahrhunderts ins Licht. Sie ist ein Fest der Fotografie und gibt ein Forum für Diskussionen.
„Er ist eine Art Zauberlehrling des Bildes der Frau unseres Jahrhunderts. Vor seiner Kamera und auf seinen Bildern gibt es nur erwachsene, freie und selbständige Wesen. Frauen, die keine Schwäche und keine Zweifel kennen“, so Karl Lagerfeld. Helmut Newton über sich selbst: „Ich bin Feminist“
Der Fotograf der Schönen und Berühmten, der seit Beginn der 1960er Jahre für die größten Modezeitschriften der Welt arbeitete, blieb nie in den engen Grenzen der Auftragsarbeit. Vielmehr nutzte er die Modeindustrie, um seine eigenen fotografischen Fantasien in Szene zu setzen. Seine genau inszenierten Aktfotografien waren in ihrer bewusst ausgestellten Sexualität immer vieles in einem: innovative Modefotografie, gesellschaftliche Provokation und herausragende künstlerische Werke, die sich nahtlos in die große Geschichte der Aktfotografie einreihen.
Auf rund 720 Quadratmetern Ausstellungsfläche rückt die Weserburg, im Herzen der Hansestadt, Teerhof 20, vom 31.Mai. bis 31. Dezember mit „Helmut Newton – Fotografien“ den erfolgreichen Fotografen ins Licht. „Die Ausstellung gibt ein Forum für Debatten und Diskussionen, die sich um diese Bilder ranken. Wir sind gespannt“, beschreibt Weserburg-Direktor Carsten Ahrens den konzeptionellen Ansatz.
Die Ausstellung zeigt das breite Spektrum des revolutionären Mode- und Aktfotografen. Neben großformatigen, lebensgroßen „Big Nudes“, zu denen Newton durch Fahndungsfotos der RAF Terroristen inspiriert wurde, sind Arbeiten aus den unterschiedlichen Werkserien des Künstlers zu sehen: spannungsgeladene Szenen in kalkulierten fotografischen Inszenierungen, die anmuten, als seien sie Teil einer filmischen Erzählung, stehen neben den Portraits der Stars der schillernden Welt des Glamours.
Eine bewegende Biografie – Weltbürger mit deutschen Wurzeln
Helmut Newton, eigentlich Helmut Neustädter, wurde 1920 in Berlin als Sohn eines wohlhabenden Knopffabrikanten geboren. Bereits im Alter von zwölf Jahren kaufte er sich seine erste Kamera. In Berlin besuchte er das Gymnasium bis die Nürnberger Rassegesetze die Trennung der jüdischen von den „arischen“ Schülern verlangten. Sein Vater schickte ihn daraufhin auf die amerikanische Schule in Berlin. Das Thema Schule blieb jedoch eine lästige Nebensache. Newtons Interesse galt dem Schwimmen, den Mädchen und dem Fotografieren. 1936 endlich konnte er bei der Fotografin Yva (Else Simon) in die Lehre gehen, einer der bedeutenden Fotografinnen ihrer Zeit. Yva wurde von den Nazis in Auschwitz ermordet. Newton selbst bestieg auf Betreiben seiner Mutter am 5. Dezember 1938 den Zug in Berlin-Zoo, verließ seine Heimatstadt, verließ Deutschland und emigrierte über Triest zunächst nach Singapur, von wo aus es ihn nach Australien verschlug. In Australien wurde Newton zunächst interniert und diente ab 1940 für fünf Jahre in der australischen Armee. Nach Kriegsende gründete er sein erstes kleines Fotostudio in Melbourne und arbeitete gelegentlich für die australische „Vogue“. 1948 heiratete er die Schauspielerin June Brunell, die ab 1970 unter dem Namen Alice Springs selbst als Fotografin arbeitet und Newtons Werk nachhaltig beeinflusste.
Ein Leben im Luxus – Gesellschaft der Reichen, Mächtigen und Schönen
Ende der 1950er Jahre kehrt Newton mit seiner Frau June, wenig Geld und großen Träumen nach Europa zurück, zunächst nach London und dann nach Paris, wo seine große Karriere als Fotograf für „Vogue“, „Elle“ und „Queen“ beginnt. In den Rotlichtvierteln der Stadt findet er die bestimmenden Motive seines Werkes. In den 1970er und 80er Jahren erscheinen mit „White Women“, „Sleepless Nights“ und „Big Nudes“ die ersten Bildbände Newtons, die seinen Rang als künstlerischen Fotografen begründen. In den 80er Jahren sollen Newtons Tagesgagen bei bis zu 100 000 Mark gelegen haben. Das Ehepaar lebt luxuriös in Monaco und Los Angeles. Im Oktober 2003 überlässt der Fotograf mit den Worten „Wenn wir abgekrazt sind, geht alles nach Berlin“ der Stiftung Preußischer Kulturbesitz über 1.000 Arbeiten, die das Fundament der Helmut Newton-Stiftung bilden, die in ihrem Domizil in der Jebenstraße am Bahnhof Zoo Ausstellungen zum Werk von Helmut Newton und zur Fotografie unserer Zeit realisiert. Am 23. Januar 2004 setzt ein tragischer Autounfall in Los Angeles dem Leben von Helmut Newton ein Jähes Ende. Er, der neben den Frauen vor allem schnelle Autos liebte, war über dem Steuerrad seines Cadillacs zusammengebrochen, als er die Garage des Hotels Chateau Marmont verließ und gegen eine Wand raste. Wenig später erlag er im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Was bleibt sind seine Fotografien und die Erinnerung an einen bestechend verzaubernden Menschen, der in der Ausstellung durch Zitate von Zeitgenossen wie Karl Lagerfeld geradezu lebendig erscheint.
„Meine Frauen bleiben immer Sieger“ …..Helmut Newton.
Die Ausstellung „Helmut Newton – Fotografien“ zeigt Fotografien des Künstlers aus einer in dieser Form noch nie gezeigten Bremer Privatsammlung und wurde ermöglicht durch Unterstützung von: Senator für Kultur der freien Hansestadt Bremen, Sparkasse Bremen, Bremer Tageszeitungen AG, Bremen Marketing Gesellschaft, Radio Bremen/Nordwestradio.
Dank auch an Carsten Ahrens (Direktor) und Dietrich Reusche (Pressesprecher) vom Museum für Moderne Kunst Weserburg. Das Museum zählt zu den größten Museen für internationale zeitgenössische Kunst in Deutschland. Dieser Bericht entstand nach dem persönlichen Besuch der Ausstellung „Helmut Newton-Fotografien“ durch Susanne Schumacher vom Medienhaus Burgdorf. Weitere Informationen zur Ausstellung: http://www.weserburg.de




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