Der angeschweißte Karl "Titte" Winkelmann

Karl "Titte" Winkelmann, Franz Jatzkowski, Ernst Richter, Otto Pätz, Otto Schiller und Johannes Cibis
 
Karl Winkelmann

100 Jahre seit Gründung der Hänigser Kasparbahn - Karl "Titte" Winkelmann ein "Burgdorfer Original"

Die Kleinbahn verband vom 24. Februar 1908 bis zum 31. Juli 1961 den Kalischacht in Hänigsen mit dem Burgdorfer Bahnhof.

Wenn von der Burgdorfer Kreisbahn die Rede ist, dann gilt der Lokführer Karl Winkelmann - genannt "Titte" - aus Burgdorf als ihre Symbolfigur. Neben seinen Berufskollegen Franz Jatzkowski, Ernst Richter, Otto Pätz, Otto Schiller und Johannes Cibis war er zwar nur einer unter den sechs geprüften Fachmännern, sein Andenken blieb - obwohl bereits 1964 verstorben - am lebhaftesten in der Erinnerung der Zeitgenossen haften. Dazu trugen sein Humor und seine Eulenspiegeleien aber auch seine Hilfsbereitschaft und Gutmütigkeit bei. Exemplarisch für seine Schalkhaftigkeit sei folgende Begebenheit in die Erinnerung zurückgerufen:


Wie Karl "Titte" Winkelmann den Brenner Wietfeld reinlegte.

Zusammen mit dem Brennereibesitzer Hermann Wietfeld und dem Busunternehmer Ernst Kohlstruck spielte Karl Winkelmann regelmäßig in dem damaligen"Stadtwappen" in der Hannoverschen Neustadt einen zünftigen Skat. Beiläufig erzählte der Brenner eines Tages seinen Skatbrüdern, daß bei ihm zu Haus ein Schwein geschlachtet und die Wurst besonders gut geraten sei. Er schwärmte auch von dem Mett so sehr, daß seinen Mitspielern das Wasser im Munde zusammenlief.
Darauf machte "Titte" Winkelmann folgenden Vorschlag: "Wenn du die Getränke bezahlst, dann hole ich Wurst und Mett, und wir lassen es uns ebenfalls gut schmecken." Hermann Wietfeld war einverstanden, und Karl Winkelmann machte sich auf den Weg. Der führte ihn direkt zur Ehefrau des Brenners. Mit todernstem Gesicht sagte er zu ihr: "Martha, Hermann schickt mick, wie woll´n dewost probeiern un dat Mettverseuken. Du schöst mick´n betten inpacken!"

Ahnungslos gab sie ihm das Gewünschte, und stolz kehrte Karl Winkelmann mit den gehamsterten Fleischwaren zu seinen Skatbrüdern zurück. Die ließen es sich gut schmecken, und an Getränken wurde ebenfalls nicht gespart. Am nächsten Tag erst kam der Brenner dahinter, daß ihm "Titte" Winkeimann einen Streich gespielt und er neben den Geträken auch noch das Essen für den lustigen Abend geliefert hatte.



Wie Karl Winkelmann zum Neger wurde

EinesTages feierten Karl Winkelmann und seine Arbeitskollegen in der Burgdorfer Bahnhofswirtschaft das Schichtende so tüchtig, daß "Titte" betrunken und willenlos war. Das nutzten seine Kumpel aus und schwärzten sein Gesicht mit Schuhcreme ein. Als sie danach schwankend das Lokal verließen und der eingeschwärzte Karl unterwegs fletschend sein kräftiges Gebiß zeigte, da sah das wirklich furchterregend aus.
Seine Zechkumpane brachten ihn bis zur Haustür und verschwanden, bevor diese geöffnet wurde. Aber "Titte" hatte eine verständnisvolle Ehefrau, die Röschen hieß. Während er auf dem Sofa seinen Rausch ausschlief, machte sie sich daran, sein Gesicht zu säubern. Danach ging sie zur Nachbarin, um ihr von dem jüngsten Streich der Kreisbahner zu berichten.
In der Zwischenzeit erschien der Lokführer und Mitzecher Ernst Richter in Winkelmanns Wohnung und wollte sich nach dem Befinden seines Arbeitskollegen und der Reaktion der Familie erkundigen. Als er Karl allein schlafend und gesäubert vorfand, da geizte es ihn, das Gesicht erneut einzuschwärzen und ungesehen zu verschwinden. Wie Röschen bei ihrer Rückkehr darauf reagierte, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich glaubte sie, ein Gespenst sei dagewesen und hätte ihren Karl zum zweitenmal zu einem Neger gemacht.


Der angeschweißte "Titte"

Wie rauh aber herzlich das Verhältnis der Arbeitskollegen bei der Burgdorfer Kreisbahn untereinander war, das macht folgende Begebenheit deutlich, die leicht schwerwiegende Folgen hätte haben können.
Während "Titte" Winkelmann auf dem Werkshof neben der Lok stand und sich intensiv und laut mit dem Maschinenpersonal unterhielt, schweißten Mitarbeiter seine Schuhe an den Bahnschienen fest, ohne daß er es bemerkte. Das war möglich, weil Karl Winkelmann Unfallstiefel trug, deren Sohlen aus Eisen versehen waren, und weil nebenan gerade Schweißarbeiten ausgeführt wurden.
Die Reaktion des auf so ungewöhnliche Art Angeschmiedeten kann man sich vorstellen. "Titte" wird sich bei passender Gelegenheit entsprechend revanchiert haben.

Die Geschichten wurden von Albert Depenau aus Hänigsen zusammengetragen und im Juli 2000 auf dem Kulturserver erstmals im Internet veröffentlicht.

Kennt jemand noch weitere "Lausbub-"Geschichten von meinem Ur-Großvater ? Über Kontakte oder kurze Geschichten freue ich mich riesig. Kontakt gern auch per Mail an: medienhausburgdorf@web.de

Lars Schumacher

Noch etwas zum nostalgischen Teil von Reisen mit der Eisenbahn: Der folgende Filmbeitrag ist von den Brüdern Lumiere aus Frankreich aus dem Jahr 1895 und war der erste Film der vor Publikum gezeigt wurde. Es ist der Film "Die Ankunft eines Zuges im Bahnhof von La Ciotat - L'Arrivée d'un train à La Ciotat"


Mehr zur "Kaspyarbahn": http://www.museumseisenbahn.de/dme/dme91_1_klb_hae...
Mehr zu OKOK TELEVISION: http://www.okok.de/

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2 Kommentare zum Beitrag
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Hans Jürgen Scherer aus Ronnenberg am 11.07.2008 um 16:41 Uhr  
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Ulrike Michaelis aus Bremen am 03.09.2008 um 12:25 Uhr  
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