Jakobsweg - vor einem Jahr: Dauerregen

Iglesia San Martin

Samstag, 10.05.2008
Castrojeriz – Frómista 29,2 km

Wir werden um 06.30 Uhr mit gregorianischen Gesängen geweckt. Irgendwie feierlich.
Das Wetter ist jedoch alles andere als das: der Tag des großen Regens. Die noch feuchte Wäsche von gestern eingepackt, mit Poncho losmarschiert und nach 6 Stunden im Regen am Ziel eingetroffen.

Auf dem ersten Wegestück zeigt die Karte drei lohnende Aussichtspunkte. Bei diesem Regenwetter können sie natürlich nicht halten, was versprochen ist. Auch die Herberge San Nicolás in einer Kirche kurz vor Itero de la Vega nehmen wir nicht als Kleinod auf. Statt sie mir anzusehen, ziehe ich vor, aus dem Regen in die erste Bar von Itero zu flüchten, um einen heißen Kaffee zu nehmen.
Etwa zwei Stunden später sind wir in Boadilla del Camino, von wo es die letzten sechs Kilometer am Canal de Castilla bis Frómista entlang führt.

Heute brauche ich keine Dusche. Ich habe – mit nur dem T-Shirt unter dem Poncho – nicht geschwitzt. In der übervollen Herberge bleibt nur die Möglichkeit, die Wäsche am Bettgestell zu trocknen. Über mir im Matratzengeflecht hängen Unterwäsche, T-Shirt, Hose, Strümpfe und Handtuch.

Die Gore-Tex Membran hat im Laschenbereich meiner Bergschuhe nicht dicht gehalten. So kaufe ich eine Zeitung, um die Schuhe ausstopfen zu können. Sie kosten alle 1 €, ich nehme die dickste.
Im Supermercado schaffe ich es trotz meiner geringen Spanisch-Kenntnisse, eine Dose Schuhfett zu kaufen. Das Fett wird noch gute Dienste auf dem Camino leisten.

Ich gehe heute mit Kurt essen. Bei einem früheren Gespräch berichtete er von einer seiner Meinung nach denkwürdigen Begebenheit. Er habe sich irgendwann auf dem Weg gefragt, ob er noch richtig sei. Just in dem Moment sei er gestolpert – über eine im Boden eingelassene Muschelmarkierung. Im Übrigen pflegt Kurt vor dem Zu-Bett-Gehen zu sagen: „Wenn Gott will, sehen wir uns wieder!“ Gott wollte es und will es bis zum Ende unseres Weges.
Heute Abend reden wir zunächst über Profaneres bei Ensalada mixta und Trucha (Forelle) (8,80 €). Der Belgier Raf und seine holländische Begleiterin nehmen an unserem Tisch Platz und essen mit uns.
Raf war auch bei dem erwähnten Gespräch zugegen. Er trägt ebenfalls eine „Zufalls“-Geschichte bei: er sei an einem Tag in Frankreich noch sehr spät unterwegs gewesen. Es war dunkel, und er hatte die Orientierung verloren. Schließlich klopft er an eine Tür. Es öffnet jemand, der auch flämisch spricht und außerdem selbst den Jakobsweg gegangen war. Er lädt Raf ein, bei ihm zu übernachten.
Raf ist übrigens am 18.Februar in der Nähe von Brüssel gestartet!!!

Bei der Rückkehr in die Herberge finden wir zwischen unseren Betten einen neuen Gast auf einer Matratze auf dem Boden. Und auch in den Ecken der Flure haben sich Pilger niedergelegt. Das Haus ist wirklich randvoll.

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