Jakobsweg - vor einem Jahr: Blumenteppich auf dem Camino

Sonntag, 25.05.2008 – der 32.Tag
Sarria – Portomarín 26 km

Wie gesagt: heute früh beim Abmarsch erklärt sich der nächtliche Lärm auf überraschende Weise. Rechts und links des Blumenteppichs bleibt Platz für uns frühe Pilger (The early bird catchest the flower.). Oben am Konvent bewundern wir zusammen mit anderen Frühaufstehern das mit riesigem Aufwand geschaffene Kunstwerk.

Zunächst geht es bergab zum Flussbett des Río Pequeno, über eine Bahnlinie und dann wieder hinauf in den Bergnebel. Er ist glücklicherweise nicht sehr dicht, so dass die Sonnenstrahlen bald zu uns drängen. Wunderschöne Fotomotive in der nächsten Stunde.
Um 09.15 Uhr stehen wir am 100-Km-Stein. Im aktuellsten Faltblatt und in einem Reiseführer wird diese Angabe angezweifelt. Seien es nun noch 109 oder die angezeigten 100 Km – wir lassen uns dort fotografieren. Wir betrachten den Stein als besonderes Symbol.
Ein Radfahrer mit gebrochener Bremse schiebt sein Mountain-Bike an uns vorbei. Mich würde schon interessieren, wo und wann dieser Defekt behoben werden kann. Die meisten Rad-Pilger sind vor-wiegend auf asphaltierten Straßen unterwegs. Diejenigen aber, die sich mit dem Rad über „unseren“ Camino, über Stock und Stein quälen, verdienen den höchsten Respekt.
Wir wandern wieder durch viele kleine Dörfer in waldreichem Gelände. Erst kurz vor Portomarín wird das Gelände wieder offener. Über den Speichersee hinweg sehen wir das heutige Ziel. Es geht hinunter zur Brücke, über den Stausee und auf der Gegenseite hinauf zu den beiden für uns in Frage kommenden Herbergen.
Im O Mirador sind wir bestens aufgehoben, zumal die benachbarte Albergue Ferramenteiro noch nicht
geöffnet ist. Bei ihr sieht man übrigens deutlich, wie man durch eine große Herberge auch zu Reichtum kommen kann. Sie ist am Hang gebaut. Unten die „gut ausgestattete Großherberge“ und oben darüber thront mit Front zur oberen Straße eine schmucke Villa der Eigentümer, die die unten ankommenden Pilger nicht sehen können oder sollen!
Im O Mirador kommen wir in einem 4-Betten-Abteil gut unter. Zu einem „sehr gut“ fehlt die bessere Fensterseite und der Umstand, dass später ein sehr, sehr korpulenter Spanier einzieht, der natürlich schnarcht – das aber mit „Aussetzern“. Es hört sich an, als werde er jeden Moment das Zeitliche segnen. Unter diesem Mitbewohner leidet vor allem eine ebenfalls später eingetroffene junge Deutsche, die am nächsten Morgen über eine fürchterliche Nacht klagt. Wohl dem, der Ohropax-Stöpsel sein eigen nennen kann.
Ansonsten ist für heute noch anzumerken, dass ich in dem Restaurant, zu dem unsere Herberge gehört, eine wundervolle Pizza gegessen habe. Ich hatte einfach riesigen Appetit darauf und habe deshalb heute die galizische Küche ausgeschlagen.
Und die gute Nachricht zum Schluss: in jedem Fall sind es ab Portomarín weniger als 100 Km.

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