Gefängnisse schlimmer als Käfighaltung?
Die Würde des Menschen ist unantastbar? Und im Gefängnis? Nein weit gefehlt.
Trotz Modernisierung herrschen Zustände, die an schlimme Zeiten erinnern.
Vor mehr als 50 Jahren gab es für die Notdurft nur einen Eimer, der im Raum stand, der täglich geleert werden mußte.
Seit einigen Jahren, oh Wunder, gibt es ein richtiges Klo mit Spülung. Doch der Nachteil, auch das steht mitten im Zimmer und Lüftung ist Mangelware. Und der Zimmergenosse schaut auch noch zu. Wer wird da nicht aggressiv.
Klasse, wovon andere im Schlaf träumen, nackt vor fremden Leuten auf dem Klo zu sitzen, ist dort Wirklichkeit. Keine Schamgrenze. Na ja, ein paar hypermoderne Gefängnisse haben so etwas wie Sichtschutz auf halber Höhe.
Fernsehen, im Bett liegen, alles mit Sicht auf diese schönste Erfindung die ein Mensch machen konnte. In Ruhe auf dem Klo sitzen, Zeitung lesen, keine wilden Tiere stören einen. Idylle pur. Sicher manche Fernsehsendungen gehören dort weggespült, aber umschalten, umdenken wäre besser.
Das Schlimme ist aber, es kann jeden Normalo Bürger treffen, etwas Gewalt, fahren ohne Führerschein, Geldstrafe kann nicht gezahlt werden und schwuppdiewupp macht man Ferien auf Staatskosten.
Und auf diese Art und Weise will man die Gefangenen wieder zurück in die Gesellschaft eingliedern, resozialisieren, zu funktionierenden Menschen erziehen? Wer träumt da welchen Traum.
8,5 qm Gefängniszelle mit 2 Personen. Wenn da jeder seine Runde außer der Reihe gehen will, wird es ganz schön stressig.
Wohlgemerkt, es geht hier nicht um einen Schmusekurs für die Gefangenen. Sie sind straffällig geworden und müssen ihre Strafe absitzen, manche kürzer, manche länger. Aber in unserer Demokratie sollen die Menschen trotzdem nicht unwürdig ihre Strafe absitzen. Es geht nicht Auge und Auge, Zahn um Zahn.
http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php...
Nun, noch bei den Römern war der Toilettengang ein Gemeinschaftserlebnis - man unterhielt sich, Trennwände wären dabei nur störend gewesen:
"Berühmt war Rom aber für seine Prachtlatrinen, einem Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft. Sie verzauberten den Benutzer mit grandiosem Luxus, mit Säulen, Mosaiken, Fußbodenheizung und, wie der römische Dichter Martial berichtet, auch mit rezitierenden Dichtern. Für 50 bis 60 Menschen bot eine durchschnittliche Latrine Platz, von einem „Stillen Örtchen“ konnte keine Rede sein. In den Klos des Imperiums saß man fröhlich nebeneinander, erfuhr neusten Tratsch, hier wurde das eine oder andere Geschäft abgeschlossen, und so steht zu vermuten, dass der Begriff „sein Geschäft machen“ den Ursprung in der römischen Latrine hat.
Wie überall, wenn’s ums Geschäft geht, gab es auch hier Schmarotzer. Martial beschrieb einen Zeitgenossen namens Vacerra, der es darauf anlegte, von Latrinen-Bekanntschaften zum Essen eingeladen zu werden. „Warum“, fragte Martial, „Vacerra überall auf dem Abort die Stunden zubringt und den ganzen Tag dort sitzt?“ Und gab auch gleich Antwort: „Cenaturit Vacerra, non cacaturit!“ – „Essen möchte Vacerra, nicht kacken!“
http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/Klo-Toil...;art304,2326892
Und auf dem Donnerbalken gabs früher die besten Sch...hausparolen. Wer also mitreden wollte brauchte nur ein Bedürfnis verspüren.
Wenn man das allerdings tagtäglich muß - na ja. Wer im Knast sitzt ist eh´ziemlich beschissen dran.....
"Das Schlimme ist aber, es kann jeden Normalo Bürger treffen, etwas Gewalt, fahren ohne Führerschein, Geldstrafe kann nicht gezahlt werden und schwuppdiewupp macht man Ferien auf Staatskosten."
Na, es dauert schon etwas bis man heutzutage gesiebte Luft atmen muß - DuDu-Finger, Bewährung... "etwas" Gewalt? Aus der Sicht des "bischen" Opfers könnte derjenige wohl eher zu ein paar Monaten Abort verurteilt werden.
Ohne vorzeitige Spülung.
Ich habe den Artikel gelesen und bin auch der Meinung, das man 2 Jahre und 9 Monate nicht wegen "etwas Gewalt, fahren ohne Führerschein" aufgebrummt bekommt.
Auch bin ich der Meinung, dass es an jedem selbst liegt, wie er sich in der Gesellschaft zurecht findet bzw. aufführt.
Wenn es nach manchen Opfern gehen würde, würden manche Täter nicht in einer JVA, sondern in einem Arbeitslager landen - damit es richtig weh tut.
Was mich stutzig macht: Wenn es einem Straftäter nicht gefällt, wie er untergebracht ist, da fallen ihm sogar die Menschenrechte ein. Wieso aber nur dann?
Thomas, deine letzten zwei Sätze treffen den Nagel auf den Kopf. Da brauch man nichts mehr ergänzen.
tja, da muß drüber nachgedacht werden. und hilfe tut not. allein mit seinen gedanken und sexuellen fantasien sollte auch hier hilfestellung gegeben werden.
da sitzt so ein armer tropf im knast, hat ´ne tierische erektion;aber ein vorteil, die bettdecke schützt vor neugierigen blicken.
Ich hoffe auch nicht, dass der "Normalo Bürger" ohne Führerschein fährt. Denn es wird einen triftigen Grund haben, warum er keinen hat: Alkohohl am Steuer zum Beispiel oder ein chronischer Raser.
Beide gefährden rücksichtslos das Leben anderer.
Aber selbst die kommen kaum in die Verlegenheit eines Knastaufenthaltes, denn die Strafen sind ein Witz, selbst wenn es Tote dabei gibt. Da gab es hier schon einige schockierende Berichte auf myheimat, die das auf traurige Weise belegen.
Wie Teja sagt, erst kommt die Strafe, dann die Resozialisierung. Ich glaube im Vergleich zu vielen, wenn nicht gar fast allen, anderen Ländern auf der Welt haben die deutschen Gefängnisinsassen moderate Bedingungen. Ein bisschen abschreckend soll die Vorstellung "Gefängnis" ja schließlich auch noch sein.
Diese Diskussion ist so alt wie der Begriff "Strafe". Ich will sie nicht fortsetzen. Meistens wird ohnehin kein wirklich rationaler oder gar ehrlich christlicher Zugang dazu gefunden. Schnell gerät man in den Verdacht, man sähe nur die Täter und habe kein Verständnis für die Opfer. Dass man beide im Blick haben könne, glaubt einem sowieso niemand.
Für mich jedenfalls ist eines entscheidend:
Wie "christlich" und wie "zivilisiert" eine Gesellschaft ist, zeigt sich am ehesten daran, wie sie mit Opfern und Tätern umgeht.
Dazu kann man dann in das Neue Testament schauen oder in die Deklarationen zu den Menschenrechten und sich fragen, wie man es denn mit dem einen oder dem anderen oder gar beiden wirklich so hält.
Ich behalte da nichts für mich. Es macht nur wenig Sinn hier einen Kommentar zum StGB auszubreiten. Ein Fortschritt wäre es bereits, nähme man diejenigen Regeln und Grundsätze, auf die sich die Gesellschaft bereits geeinigt, zur Kenntnis. Ich habe lediglich einmal auf die viel beschworenen Wurzeln unserer Kultur verwiesen, die allzu gerne in den Meinungsäußerungen ignoriert werden.
Der Eingangsbeitrag verwies auf eine ganz praktische Frage der Menschwürde. Da macht es keinen Sinn, sich in Einzelheiten zu verlieren.
Nur, weil die Römer mal Gruppenkacken praktiziert haben, müssen wir das nicht einführen oder nachahmen.
Nur, weil man jemanden in den Knast steckt, weil einem sein moralischer Kompass nicht passt, muss man nicht in die gleiche Richtung fahren, wie er.
Und was die Strafe betrifft - die ist oft relativ. Was den einen umhaut, steckt der nächste locker weg.
Es ist aber doch schon vorgekommen, daß Verkehrssünder mit anderen, schlimmeren Gefangenen, zusammen im Gefängnis untergebracht sind.
Und dann kann es aber ganz anders zur Sache gehen.
Vielleicht wäre es schon hilfreich nach Straftaten einzulochen. Also hier Gewalttäter und dort Diebstahl, Verkehrssünder?
Es kann doch durchaus sein, daß sonst der eine vom anderen etwas "lernt" und dadurch noch mehr auf die falsche Bahn gerät.
Und wie Andreas auch schon sagte, der eine kann eben mehr einstecken als der andere.
Noch einmal zur Geschichte der Toilette.
Es gibt eine Bank in Frankfurt, die hat in der obersten Etage die Urinale vor einer großen Fensterfront stehen. Die ist nur für die oberen Manager gedacht. Dort können sie schon einmal das Gefühl auskosten, den unteren Menschen auf den Kopf zu pinkeln.
Und da wundern wir uns über das Verhalten der Banker gegenüber ihrer Kundschaft?
Es ist aber doch schon vorgekommen, daß Verkehrssünder mit anderen, schlimmeren Gefangenen, zusammen im Gefängnis untergebracht sind.
Irene, das ist doch der ganz normale Alltag auch in Freiheit. :-)
Also, ich finde euch toll. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus.
Hätte mir nicht vorgestellt, dass so unterschiedliche Kommentare kommen würden.
Eins ist ja auch klar, es gab ja schon so viele Schiebereien und Schmuggeleien in den Knast hinein, da müssen die Gefangenen ja unter Beobachtung stehen, egal was sie gerade machen.
@ Teja
in Deinem Profil schreibst Du, dass es über Dich nicht viel zu sagen gibt, da Du nichts zu sagen hast. Wenn ich mir so den Umfang Deiner Kommentar ansehe, bin ich schon gespannt, w e n n Du mal was zu sagen hast (*ggg*).
Nichts für ungut, aber man kann Koketterie auch übertreiben.
Gruß Günther
Macht Spaß, finde ich auch. Ist doch mal was anderes.
Deine Kommentare sind ja länger als mein Bericht;))
Neinnnnn, so war das nicht gemeint. Schreib ruhig so weiter. Finde ich o.k.
Ich meine nur, daß ich in der Beziehung was das viele Schreiben angeht, etwas zu faul bin. In meinem Kopf gehen dann soviele Ideen herum, daß ich oft etwas vergesse.
Naja, bei meinen Artikeln ist es ja auch so, wenn ich mehr dazu schreibe verliert die Satire.
Wenn ich gemein wäre und das bin ich nicht, so würde ich sagen, ab und zu schreibe ich eher wie ein Mann und nicht wie eine Frau;))
> "Und keiner überlegt, daß in allen Gemeinschaftsunterkünften außerhalb des Strafvollzuges gewisse Einschränkungen hinsichtlich Bequemlichkeit, persönlicher Hygienegewohnheiten und persönlicher Freiheit unumgänglich sind"
Die müssen einem ja auch nicht gefallen ;)
Also meinetwegen gern! Ich steh nicht so auf Gruppenkacken ;)
Was in Guantanamo gelaufen ist, also so kann es auch nicht laufen.
Wir regen uns über den Islam und seine Strafen auf, aber in Guantanamo ging es auch nicht christlich zu.
Ja, mir gab oder gibt es zu denken. Aber im Namen der Christenheit wurde schon so vieles getan...
Meinst du, es wird sich je etwas ändern?
Jean Paul Sartre:
"In keiner Epoche war der Wille zur Freiheit bewußter und stärker."
"In keiner Epoche war die Unterdrückung rasender und besser bewaffnet"
Und wie lange ist das schon her, als er das sagte.



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