Abschied
Carlotta sitzt an seinem Bett, in einem fremden Zimmer.
In einem Raum zwischen Leben und Tod.
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Als der Anruf kam, er wird diese Nacht vielleicht nicht überleben,
ist sie ohne nachzudenken einfach losgefahren. Und jetzt sitzt sie hier.
Die Nachtschwester kommt und fragt ob sie etwas möchte. Carlotta fragt nach
einem Kaffee, die Nachtschwester bringt ihr den Kaffee.
Carlotta berührt sein Gesicht, dass so schmal ist, sie streichelt über seinen Kopf, seine Haare, sie zeichnet die Linien seiner Augenbrauen, seiner Nase, seiner Lippen nach.
Er öffnet die Augen, erkennt er etwas? Laute kommen über seine Lippen,
ein Satz?... Es ist nicht zu verstehen. Doch Carlotta antwortet: Bleib ruhig ich bin da, es wird alles gut. Sie streichelt ihn wieder ganz behutsam, irgendwann wird er ruhiger. Sie überlegt, ob sie sprechen soll, aber sie läßt es.
Nur wenn er hin und wieder laut stöhnt sagt sie nur: Ich bin da, bleib ruhig.
Die Nachtschwester kommt wieder und bringt ihr einen etwas bequemeren Stuhl. Sie braucht nicht zu fragen, ob sie bleibt..... sie könnte nicht gehen.
Sie setzt sich in den anderen Liegestuhl und schiebt sich ein Kissen unter den Kopf. Wieder streichelt sie sanft sein Gesicht, Hals und Arme. Sein Herz schlägt ganz schwach. Sie spürt, es ist keine Kraft mehr in ihm.
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Carlottas Gedanken gingen zurück: Weihnachten, ist das schon 40 Jahre her? Sie weiß es nicht. Die Familie und einige Brüder mit Frauen und Kinder saßen im Wohnzimmer. Sie hatte ein ärmelloses schwarzes Georgettekleid an. Er saß neben ihr und streichelte ihren Arm.
Seine Mutter sagte: Laß Carlotta in Ruhe.
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Irgendwann kommt ein Gedanke in ihr hoch und setzt sich in ihrem Kopf und Herzen fest: Sie darf ihn nicht mehr festhalten, sie muss ihn loslassen, damit er in Ruhe gehen kann.
Sie fröstelt plötzlich, nimmt sich das Laken und deckt sich zu.
Neben ihr ist es ruhig, er atmet leise, er schläft, Carlotta schläft auch etwas ein.
Durch ein Geräusch wacht sie auf, die Nachtschwester geht gerade hinaus.
Sie schaut zu ihm hin, der Atem ist fast nicht mehr zu hören.
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Dann, nach einiger Zeit, ein tiefer Atemzug... Stille...., ein Atemzug.... Stille......., ihr kommt die Zeit so quälend lange vor, ...wieder ein Atemzug.... Stille …............
…... es ist vorbei.
Sie hatte ihn lange nicht gesehen und hätte ihn wohl nicht mehr erkannt, fast war er ihr fremd geworden und doch war sie ihm in diesem Augenblick so nahe wie sonst niemand. Zum Abschied küßt sie seine Stirn, dann geht sie.
Trost
Tröste dich, die Stunden eilen,
und was all dich drücken mag,
auch das Schlimmste kann nicht weilen,
und es kommt ein anderer Tag.
In dem ew`gen Kommen, Schwinden,
wie der Schmerz liegt auch das Glück,
und auch heitre Bilder finden,
ihren Weg zu dir zurück.
Harre, hoffe. Nicht vergebens
zählest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens,
Und – es kommt ein andrer Tag.
(Theodor Fontane)
Zur Erinnerung an F. 14. September 1966 - 18. Juli 2010 (0.55 Uhr)




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