Rüttelfrost und Plombenhusten - Fahrradfahren in Burgdorf
Die Burgdorfer Pflasteritis sorgt für neue Rappelstraße und Gefahrenquellen für Radler - nun musste sogar der Kurs des Fahrradrennens vom 8. August, der Burgdorfer City-Nacht, geändert werden.
Gelegenheitsradler, die mit 8 bis 10 km zum Einkaufen fahren, werden es nicht so sehr bemerken wie die zunehmende Zahl von Menschen, die ihr Auto abgeschafft haben und ihre Wege in der Stadt nur noch mit dem Fahrrad zurücklegen, wobei sie auch schon Geschwindigkeiten bis zu 20 km/h und mehr erreichen – im Vergleich zu Autos selbst in der Fußgängerzone ist das aber immer noch ziemlich langsam.
Solchen "Rasern"auf zwei Rädern werden nun dicke Steine in den Weg gelegt. Den Autofahrern wird´s egal sein ...
Der VVV hat inzwischen den Kurs des Radrennens geändert, da die dicken Steine den Rittern auf den schmalen Reifen nicht
zugemutet werden können.
Auch Rollator-Schieber und Pfennigabsatz-Besitzerinnen wissen von der Pflasteritis schon länger ein Lied zu singen. Insbesondere der Spittaplatz, die Hannoversche Neustadt und Schmiedestraße sowie Neue Torstraße sind mit Pflastersteinen verziert. Manche dieser ungleichmäßig geformten Naturprodukte sind im Laufe der Jahre zu Stolperfallen mutiert. Sie hatten keinen Bock mehr zu stehen, sie haben sich einfach gesetzt! Und das nicht immer gerade.
Doch das alles ist noch gar nichts gegen das, was den Radler Am Wall erwartet, wo Wallgartenstraße und Hannoversche Neustadt sich kreuzen. Die Steine, die hier verlegt wurden, sind noch ein paar Nummern größer. Und natürlich auch die Fugen dazwischen. Wer hier mit dem Fahrrad zügig hinüber FÄHRT, ist selber schuld. Die meisten dürften aus Selbstschutz absteigen und schieben. Rüttelfrost und Plombenhusten wären sonst die unausweichlichen Folgen.
So spart sich die Stadt sogar noch das Anbringen des beliebten Schildes „Fahrradfahrer absteigen“. Manche, die das Fahrrad hartnäckig als FAHRzeug und nicht als SCHIEBzeug begreifen, werden allerdings auch diesem groben Pflaster ausweichen und über den Gehweg fahren, was sie wiederum mit Fußgängern in Konflikt bringt. Die Belästigten werden sich dann bei der Stadt beschweren, was diese zum Anlass nehmen könnte, rigorose Maßnahmen zu ergreifen und die Radler abzukassieren - wie schon im Bahnhofstunnel.
Anstatt den Bürgern die Fortbewegung mit dem umweltfreundlichsten Verkehrsmittel, dem Fahrrad, zu erleichtern, ist das Gegenteil der Fall. Unebene Wege, Aufforderungen zum Absteigen, Barrieren, fehlende Bordsteinabsenkungen, undurchlässige Einbahnstraßen, die vielen neuen Steigungen und Umwege entlang der Umgehungsstraße – all das trägt nicht dazu bei, jemanden zum Fahrradfahren zu motivieren.
Im Gegenteil: Wenn erst der Durchgangsverkehr aus der Stadt heraus ist, wird das entstandene Vakuum schnell durch zusätzlichen Auto(individual)verkehr gefüllt. Erfahrungen aus nahezu allen Städten, die eine Durchgangsstraße bekommen haben, belegen dies. Wünschen wir unserem Bürgermeister genügend Stehvermögen bei der nächsten Kommunalwahl und darüber hinaus, damit nicht der vieldiskutierte „Pfropfen“, also das Stückchen Einbahnstraße, das die Durchfahrung der Innenstadt erschweren und unattraktiv machen und so für eine Verkehrsberuhigung sorgen soll, gezogen wird.
Rüttelfrost und Plombenhusten bekommt man übrigens auch, wenn man vom Ostlandring in die Siedlung Beerbusch einfahren will. Gleich zwei "Panzersperren" werfen den unaufmerksamen Radler ab oder versetzen ihm einen kräftigen Schlag ins Kreuz. Völlig sinnlos!
Nachtrag: Inzwischen redet kein Mensch mehr davon, die meisten Radler umfahren einfach die Rüttelfläche. Kann die Stadt das wirklich als Erfolg verbuchen?



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