Feuerwehr, THW, Rettungsdienste: Stößt das Ehrenamt beim Katastrophenschutz an seine Grenzen?

Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann

Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Programmwerkstatt der SPD-Region Hannover in den Räumlichkeiten des THWs in Burgdorf mit über 40 Expertinnen und Experten von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen.

Bernd Lange, SPD-Europaabgeordneter unterstrich in seiner Begrüßung die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements für das Gemeinwesen. Er warnte davor, wie bei den Debatten über die Vergabe des Rettungsdienstes in der Region Hannover, über den „europäischen Umweg“ Regelungen durchzusetzen, die die gewachsenen Strukturen auch beim Katastrophenschutz aushebeln und zu Verwerfungen bei Entlohnung und Arbeitsbedingungen führen. In der Diskussion wurde deutlich, dass es für die Vergabe von Rettungsdiensten klaren Regelungen auf der Landesebene und auf Bundesebene einer Änderung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) bedarf. Die SPD-Bundestagsabgeordneten aus der Region Hannover sind hier initiativ geworden. Einer entsprechenden Veränderung stellt sich allerdings ganz besonders die FDP entgegen. Bis zum Ende des Jahres 2011 wurden die Beauftragungsverträge in der Region Hannover interimsweise verlängert. Verlässliche Strukturen, die eine hohe Qualität und Wirtschaftlichkeit gewährleisten, sollen erhalten bleiben.
Die gemeinsame Leitstelle von Feuerwehren und Rettungsdiensten hat sich nach Einschätzung der Experten bewährt und soll weiter entwickelt werden. Handlungsbedarf wird hingegen für eine Neufassung des niedersächsischen Brandschutzgesetzes gesehen.

Sehr intensiv wurde über die Auswirkungen des demografischen Wandels und über die neuen Herausforderungen für das Ehrenamt bei Rettungs- und Hilfsorganisationen diskutiert. Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann brachte die Debatte auf den Punkt: „Ohne Ehrenamt kann man alles vergessen!“ Was nützten die besten Einrichtungen und Ausstattungen, wenn die Aktiven fehlten? Immer stärker rücken Kinder und Jugendliche in das Blickfeld, wenn es darum geht, Fluktuation und Nachwuchsmangel entgegenzutreten. Bei den Feuerwehren wird dabei auf Kinder- und Jugendfeuerwehren gesetzt. Als neue Zielgruppen werden darüber hinaus zunehmend Frau und MigrantInnen ausgemacht. Bemängelt wurde die häufig anzutreffende fehlende Akzeptanz von ehrenamtlicher Tätigkeit in Betrieben und Einrichtungen. Hier gilt es, entgegenzuwirken und für eine größere Anerkennung und Wertschätzung zu werben. Am Beispiel des DRKs in Burgdorf wurde deutlich, dass es auch möglich ist, ältere Menschen für ehrenamtliches Engagement und zur Unterstützung zu gewinnen.
Thematisiert wurde auch eine bessere Verzahnung von Haupt- und Ehrenamtlichkeit und die Frage, wie neue Anreize zum Mitmachen geschaffen werden können. Wichtig sind zudem auch die eigenen der Organisationen diejenigen zu halten, die sich bereits engagieren. Verstärkung und Verbesserung von Fortbildung spielen auch eine große Rolle.

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