Schwarzfahren gewollt ?

Wann? 31.12.2011 07:00 Uhr
Wo? Bahnstation Wildbad, 91593 Burgbernheim DE
    Burgbernheim: Bahnstation Wildbad | Gibt es noch so was wie Schildbürgerstreiche ? Ich denke ja.

Da gibt es eine Stadt in Mittelfranken, die es nach Jahrelangen Anstrengungen eines sehr rührigen Bürgermeisters endlich wieder geschafft hat, den Ort an eine weitere sehr wichtige Bahnverbindung anzubinden. Wo doch heute im Zeitalter der Mobilität und des Umweltschutzes eine gute Bahnverbindung, gerade für Pendler sehr wichtig ist.

Womit wir beim Thema wären. Die Stadt Burgbernheim hat nun also diesen schönen neuen Bahnanschluß (Station Wildbad) erhalten, der eine direkte Anbindung an das Bahnnetz zwischen Ansbach und Würzburg darstellt.
Also eigentlich beste Voraussetzungen für eine optimale Bahnverbindung.
Wäre da nicht ein kleiner aber entscheidender Sachverhalt, der diese Haltestelle zu einer echten Herausforderung für den Bahnreisenden macht.
Denn es wurde lediglich nur in Fahrtrichtung Ansbach ein Fahrkartenautomat
aufgestellt.
Auf der Gegenseite der Halte-Station Wildbad, also in Richtung Würzburg steht leider keiner.
Gut Sie werden sagen, dass ist ja bei den meisten Bahnhöfen / Stationen so.
Aber in diesem Fall hat es da halt doch einen kleinen aber feinen Unterschied
zu anderen Bahnhöfen. Denn um eine Fahrkarte in Richtung Würzburg zu
erwerben, bedarf es eines kleinen Fußmarsches von rund 10 Minuten, von dem einen Bahnsteig zum andern. Eine vormals bestehende Fußgängerbrücke über die Gleisanlagen, mußte kurz vor Eröffnung der Haltestelle, durch die Gemeinde abgebaut werden (Statik-Probleme) und konnte bislang leider nicht durch eine neue ersetzt werden. Denn die Gemeinde hat hierfür leider derzeit kein Geld zur Verfügung.
Jetzt werden Sie sagen, na und sind die doch selber Schuld. Falsch gedacht !
Denn diese Brücke gehört erst seit kurzem der Gemeinde, sie kam zu ihr, wie die berühmte Jungfrau zum Kind.
Denn man hatte erst vor kurzem auf Regierungsebene entschieden,
Bahnbrücken jeglicher Art über die Gleisanlagen der Deutschen Bahn an den
jeweiligen Träger der Straßenverbindung zu übereignen und ihm somit auch die
Verantwortung, die Wartung und die Unterhaltung zu übertragen.
Im vorliegenden Fall, musste daher aus reiner Verantwortung heraus, die
Gemeinde diese Brücke, erstmal überprüfen lassen, um dann auf Grund dieser
Prüfung, die Brücke aus statischen Gründen erst zu sperren und dann
schließlich im Winter dieses Jahres
gänzlich abbauen zu lassen.
Handelt es sich doch schließlich immer hin um eine stark befahrene ICE-Strecke und u.a. auch um eine der Hauptadern des Güterverkehrs der
Deutschen Bahn.

All dies hat also nun zur Folge, dass man bereits erwähnten Umweg in Kauf
nehmen muß, um an seine Fahrkarte
in Richtung Würzburg zu kommen.

Für einen Ortsunkundigen der also an den Bahnsteig (Ri WÜ) kommt
(zu diesem Zeitpunkt hat er wenn er dort angekommen ist, bereits 50 m zuviel
gelaufen),
stellt sich nun die Frage:
"Ja wo ist er denn, der Fahrkartenautomat ?"

Dank einer mäßigen, bis teilweise gar nicht vorhandenen Ausschilderung,
wird ihm die Suche zu dem
nicht gerade erleichtert.
Also was nun ?
Jetzt beginnt dann erst der eigentliche Teil der Odyssee.
Man muß nämlich irgendwie auf die andere Seite der Gleisanlagen gelangen um zu dem einzigen Fahrkartenautomaten zu kommen.
Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten, entweder die unter Strafe stehende Variante der Überquerung der Gleisanlagen, um auf direktem Weg auf die andere Seite zu gelangen (was häufig beobachten wird), oder aber in Form
eines kleinen Leistungsmarsches, was gerade für ältere und ggf. auch leicht
Gehbehinderte Menschen, eine echte Zumutung ist und im Schnitt rund
10 Minuten Umweg bedeutet.
Man muss nämlich zu diesem Zweck die erwähnten 50 m die man eh schon zuviel gelaufen ist wieder zurück laufen, um dann unter einer Bahnunterführung durchzulaufen um dann rechts auf die Gegengerade der
anderen Haltestation zu gelangen.
In Metern von Bahnsteig 1 bis 2 gemessen ca. 150 - 200 m.
Zu entdecken ist der Automat auch nicht gleich, ist er doch nicht zuletzt auch aus Schutz vor Witterungseinflüssen, direkt unter dem Vordach der Haltestelle in Richtung Ansbach angebracht.
Deswegen sieht man ihn nämlich von der
anderen Seite des Bahnsteigs aus auch nicht.
Als Ortsfremder sollte man zu dem nicht der Versuchung erliegen, den
auf der Ansbacher Seite befindlichen alten Bahnhof anzusteuern, denn der
wurde in den 80`Jahren bei Schließung der ehemaligen Haltestelle, an eine
Privat-Person verkauft.
Dieser widerrum hat nun mehr Publikumsverkehr als ihm lieb ist und er
weißt mit einigen Schildern und Absperrungen deutlich darauf hin dass
"er hier nicht der Bahnhof ist und hier auch kein Aufenthaltsort für wartende
Bahnreisende ist".
Hat man dies allerdings irrtümlich auch noch angenommen, so hat man nun
zusätzliche 2 - 3 Minuten auf seinem Zeitkonto angesammelt.
Ist der Automat gefunden und die Karte gelöst, macht man sich nun also
auf den Weg zurück zum Bahnsteig 2 (Richtung Würzburg).

Ende des ersten Aktes.

Da Burgbernheim aber auch noch ein herliches Wanderparadies am Rande der
Frankenhöhe ist, hat diese Probleme also der gemeine Wandersmann,
der von Haus aus meistens Fremd ist auch !
So ist zum Beispiel in vielen Wanderführern noch immer die nun nicht mehr
vorhandene Fußgängerbrücke über die Bahngleise eingezeichnet und es
fehlen dem geneigten Besucher auch jegliche Hinweisschilder, wenn er z.B.
aus dem Wald bzw. vom Langskeller kommend die neue Haltestelle ansteuert.
Somit ist also auch hier ein länger Aufenthalt in dem schönen Örtchen
Burgbernheim einzuplanen.

Nun habe ich mich natürlich im Vorfeld zu diesem Beitrag, auch direkt an den
Bürgermeister von Burgbernheim Hr. Schwarz gewendet, um nicht etwas zu
veröffentlichen, was nicht der Wahrheit entspricht.
Allerdings beteuerte er, auch machtlos gegenüber soviel Dienstleistungsverweigerung von Seiten der
Deutschen Bahn zu sein. Man habe mehrfach mit der Deutschen Bahn
Gespräche geführt, ist aber bislang zu keiner gütlichen Einigung gekommen.
Auch ein Angebot der Stadt, einen Automaten am unteren Kreuzungsbereich,
vor der Bahnunterführung zu installieren sei aus Gründen der ungeklärten
Kostenübernahme gescheitert.

Da ich selber mehr ein Mensch des Handelns als des Wegschauens bin,
getreu dem Motto: "Wer an die Quelle will, der muß gegen den Strom schwimmen",
habe ich nun diverse Medien eingeschaltet deren Aufgabe es von Haus aus ist , sich um solche moderne "Schildbürgerstreiche" zu
kümmern.

Und kaum zu glauben, aber die zeigten doch wirklich auch noch Interesse.
Also schauen wir doch mal ob es was bringt , gewöhnlich stirbt die Hoffnung ja
zuletzt... und Nix für ungut.
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