Straßensatire zur "Musikschau der Nationen" in Bremen

Der Ein­satz der neuen "Verteidigungs"mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Leyen für eine fa­mi­li­en­freund­li­che­re Bun­des­wehr wurde "ge­wür­digt" und mit Vor­schlä­gen wie „Wehr­pflicht ab 6 Jah­ren“ er­gänzt. Foto: Hartmut Drewes
Bremen: Mitte |

Rund achtzig, überwiegend junge Menschen, besetzten am Samstag den Bremer Marktplatz mit militärischem Gerät. Es waren panzerähnliche Fahrzeuge, ganz im Gegensatz zur Bremer Hochrüstungsindustrie, schnell und billig hergestellt. Anlass war die „Mu­sik­schau der Na­tio­nen“, die vor 50 Jahren ihre Premiere als Mi­litär­mu­sik­fes­ti­val feierte.

Trotz fast sibirischer Kälte erschienen Uniformierte aller Waffengattungen, dazu Kindersoldaten mit Maschinenpistolen, auch clownartig gekleidetes Marketendervolk, bewaffnet mit Toilettenpapier und Klobürste, eine Militärkapelle und auch Polizistinnen.

Die Bremer Polizei, die mit etwa zehn Wagen und hoher Mannschaftszahl herangerückt war, als wäre eine Massendemonstration mit Krawallmachern zu erwarten, war gar nicht nötig. Im Gegenteil: Die militärische Kolonne begrüßte auf das Freundlichste die Polizistinnen und Polizisten und bedankte sich für die deren Unterstützung des militärischen Propagandazuges.

Dieser warb mit markanten Sprüchen für klare Positionen, wie: „Waffen für alle“, „Hör uff mit Humanität“, „Gib Krieg eine Chance“, „Frieden??? Niemals!!!“, „Mehr Krieg für alle“. Da wurde nicht drum herum geredet. Schon vorn auf dem Panzerfahrzeug, bestückt mit einem beachtlichen Kanonenrohr (aus Plastik), das drohend aus einer Tonne ragte, standen klar und deutlich die Worte „Frieden nein danke!“

Dem Zug vorangetragen wurde ein schwarzes Transparent, auf dem in gotischer Schrift zu lesen war: „Flöten! Tröten! Töten! Gib dem Krieg eine Chance!“. Die Worte wurden von Trommelwirbel und Pfeifen des im Gleichschritt marschierenden „Musikkorps“ unterstrichen. So wurde der „Musikschau der Nationen“ schon vorgegriffen, und das kostenlos.

Mit militärfreundlichen Aufrufen zog das Bataillon lärmend durch die Stadt zur ÖVB-Arena. Dort wurden die Akteure, inzwischen zum Teil blutbeschmiert, von Marketenderinnen des Bremer Friedensforums mit heißem Tee und Kaffee begrüßt und bedient.

Die Polizei schien das Militärspektakel nicht zu verstehen. Sie stellte sich schützend vor das Gebäude, als stände eine Erstürmung bevor. Einem Verdächtigen wurde ein Werkzeug abgenommen, da es nicht nur für zivile, sondern auch für militärische Zwecke genutzt werden könnte. Und das in der Rüstungshochburg Bremen. Dabei wurde während des Umzuges ständig im Sinne der neuen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, deren Konterfei als Ikone feierlich mitgeführt wurde, für eine militärisch-zivile Zusammenarbeit geworben. Die Ministerin wurde übrigens mit den Worten zitiert: „Ich wär so gern ´ne Drohne!“

Es konnte leider nicht geklärt werden, warum das "Bataillon für Militärpropaganda" von Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert zum Empfang der Gäste der "Musikschau der Nationen" im Rathaus keine Einladung erhielt.


Fotos: Hartmut Drewes


> Weitere Informationen:
http://www.bremerfriedensforum.de/260/event/straen-satire-gegen-den-militarismus/
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 01.02.2014 | 02:18  
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