Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Überall wurden Wohnungen und Geschäfte von Bürgerinnen und Bürgern jüdischen Glaubens geplündert, zahlreiche Menschen von den Nationalsozialisten misshandelt und ermordet.

Fünf Menschen wurden in dieser Nacht in Bremen umgebracht: in der Neustadt die Fahrradhändlerin Selma Zwienicki und der Kaufmann Heinrich Rosenblum, in Burgdamm das Arztehepaar Adolph und Martha Goldberg und in Platjenwerbe der Monteur Leopold Sinasohn. Die Bremer Synagoge wurde von SA-Männern zerstört. Über 170 Männer jüdischen Glaubens wurden in dieser Nacht verhaftet und tags darauf durch die Stadt zum Zuchthaus Oslebshausen getrieben. Von dort aus wurden sie am 11. November 1938 in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg deportiert.

Die Fraktionen der Bremischen Bürgerschaft gedachten am 10. November 2014 der Opfer der Reichspogromnacht von 1938. Vertreterinnen und Vertreter von SPD, CDU, Grüne und DIE LINKE legten am Mahnmal in der Dechanatstraße einen Kranz nieder.

Als diesjähriger Ehrengast nahm James Schultz aus den USA teil. Sein Großvater gehörte zu den Männern, die vor 76 Jahren von Bremen aus verschleppt wurden. „Viele Angehörige aus meiner Familie mütterlicherseits wurden Opfer des Holocaust. In der Pogromnacht wurden mein Opa Wilhelm Anspacher, mein Großonkel Hermann und sein Sohn Günter verhaftet, in das Zuchthaus Oslebshausen und von dort aus in das KZ Sachsenhausen deportiert. Erst nach Wochen kehrten sie zurück.“ Er bedankte sich für die Einladung: „Ich habe die Einladung gerne angenommen in der Absicht, dazu beizutragen, die Toleranz unter den Menschen zu stärken und dem Antisemitismus entgegenzuwirken, wo auch immer er sein schreckliches Gesicht zeigt. Ich stehe heute hier, mit jüdischem Glauben und jüdischer Herkunft, an diesem Ort: als Deutsche wie Sie alle – und freuen uns auf eine Stadt, die uns willkommen heißt in einem sicheren Europa.“

Kristina Vogt erhob in ihrem Redebeitrag die Forderung, sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einzusetzen. „Wir müssen uns wieder von vorne damit auseinandersetzen, wie wir Antisemitismus und Rassismus wirksam begegnen. Es ist eine politische Auseinandersetzung aber auch eine persönliche, die wir führen müssen. Ebenso müssen wir die Frage der Erinnerungskultur klären, nun wo die Zeitzeugen sterben.“

Die Abgeordnete zeigte sich bedrückt über den Umstand, dass auch im Jahr 2014 jüdische Synagogen und Einrichtungen immer noch von der Polizei geschützt werden müssen. „Allein das zeigt, wie wenig ‚normal‘ ein Leben für Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland ist. Es wird Zeit das zu ändern und es geht uns alle was an.“

Hier das Video von der Gedenkstunde: www.youtube.com/watch?v=2LBuFwJylp8
Hier die Rede von James Schultz: www.linksfraktion-bremen.de/fileadmin/user_upload/Texte_aktuell/BremischeBuergerschaft/2014/11_November/Rede_JamesSchultz_Reichspogromnacht_20141110.pdf
Hier die Rede von Kristina Vogt: www.linksfraktion-bremen.de/fileadmin/user_upload/Texte_aktuell/BremischeBuergerschaft/2014/11_November/Rede_Vogt_Reichspogromnacht_20141110.pdf
Hier geht’s zur Fotogalerie: www.dielinke-bremen.de/politik/fotos/2014/gedenken_an_die_reichspogromnacht_opfer/
Am Montagabend gedachten 50 Gröpelingerinnen und Gröpelinger am ehemaligen jüdischen Altenheim in der Gröpelinger Heerstraße 167 der Opfer der Reichspogromnacht vor 76 Jahren, darunter auch der Kreissprecher der Nordwest-LINKEN, Bernd Brejla, die Ortsteilbeirätin Helga Ebbers und die Bürgerschaftsabgeordnete aus Walle, Kristina Vogt (beide DIE LINKE).

77 Jüdinnen und Juden wohnten 1938 in diesem Gebäude. Am 23. Juli 1942 wurden von diesem Ort aus 163 Menschen nach Theresienstadt deportiert.

Neben der VVN - dem Bund der Antifaschisten, legte auch die Bürgerschaftsabgeordnete Kristina Vogt für DIE LINKE einen Kranz an der Gedenktafel nieder. Kurze Reden hielten unter anderem Marion Bonk und Raimund Gaebelein.

So zeigte sich Gaebelein erschrocken angesichts der Bilder aus Köln, als dort vor einigen Wochen bei einer rechtsradikalen Hooligan-Demo die Bremer Nazi-Band ‚Kategorie C‘ an der Spitze eines schwarz-braunen Mobs gegen Minderheiten aufmarschierte und deren Vertreibung forderte.

„Heute erleben wir, wie wieder Menschen auf der Flucht sind vor Unterdrückung, Krieg oder politischer, religiöser beziehungsweise ethnischer Verfolgung. Weniger Flüchtlinge schaffen es nach Deutschland. In Erinnerung an die Geschichte sind wir verpflichtet, sie bei uns aufzunehmen. Glücklicherweise haben wir in Bremen eine Willkommenskultur entwickelt, die auf die Geflohenen zugeht und sie einbezieht in unser Gemeinschaftsleben. Daran sollten wir weiterarbeiten“, so Gaebelein.
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