Das Leben der Honigbienen im Winter

Amerikanischer Vorschlag - anno dazumal

Breidenbach: Marburgerstr. 18 | In den letzten Tagen hat der Winter Einzug gehalten - zwar noch nicht mit Schnee, aber mit frostiger Kälte. Es stellt sich die Frage, wie eigentlich
die Tiere bei dieser Kälte über den Winter kommen, die nicht wie wir Menschen das Hilfsmittel Heizung haben.

Dabei denkt man auch an die Honigbienen, die bei Temperaturen unter
plus 10 Grad schon nicht mehr ausfliegen können und steif werden.
Die Bienen erfrieren aber nicht ! Sie können nur bei Futtermangel verhungern.

Die Bienen halten auch keinen Winterschlaf, sie rücken aber bei dieser Kälte
enger zusammen und bilden eine sogenannte Wintertraube. Dicht an dicht gedrängt bilden sie eine kugelförmige Einheit zwischen und auf den Waben, halten sich gegenseitig warm, d.h. im Kern der Kugel wird auch bei strengstem Frost stets eine Temperatur von mind. + 20 Grad C gehalten.

Die außen an der Wintertraube befindlichen Bienen kühlen natürlich stärker ab, aber es findet immer wieder ein Austausch mit den im warmen Kern befindlichen Bienen und alle verfolgen den gleichen Zweck des Überwinterns.

Die notwendige Wärme wird durch Zittern mit der Brustmuskulator erzeugt und das verlangt Kraft, die durch die Aufnahme von Zuckerlösung (Winterfutter)
erlangt wird.

Für diese Nahrungsaufnahme rückt die Bienentraube langsam den noch vollen Futterwaben hinterher und sollten sie dann in einer Frostperiode an eine Leerwabe geraten, haben die Bienen ein Problem.
Also Verhungern und nicht Erfrieren !

Außerdem hat es die Natur so eingerichtet, daß die Lebensdauer der Winterbienen wesentlich verlängert ist ( bis zu 8 Monaten ) durch reichlich Aufnahme von Eiweiß in Form von Pollen und Futter.
Im Sommer, bei intensiver Tracht werden die Bienen nur 3 Wochen alt, sie arbeiten sich zu Tode.

Bei dem Thema Überwinterung geht die Erinnerung an die Anfangsjahre meiner Imkerei zurück.
Damals bestanden die anfangs selbst gebauten Bienenkästen nach dem Vorbild der Alberti-Kästen aus 20 mm dickem Holz
(nicht gut wärmeisolierend !) und für die Wintervorbereitung mußte zur Wärmeisolation der Hohlraum mit vielen Schichten Wellpappe, Papier und Strohmatten gepolstert werden.

Ohne ein Bienenhaus, der Einpackaktion und einem ganz kleinen Flugloch war zu dieser Zeit keine Überwinterung möglich. Es galt die Meinung, daß jeder nur mögliche Zug vermieden werden muß - ein Öffnen der Völker war für dieselben lebensbedrohend.

Und anno dazumal, Ende des 19.Jahrhunderts kam man in Amerika auf den Gedanken, die Bienenkästen im Herbst schon zu vergraben, mit mehreren Lagen von Erde und Stoh abzudecken und über Luftröhren mit der Außenwelt zu verbinden und somit durch den Wärmeschutz zu überwintern.

Heute ist die Bienenzucht nicht mehr so umständlich und die 50 mm dicken Styroporbeuten können sogar nur vor Regen geschützt im Freien überwintern.

In der heutigen Zeit ist für die Bienenzucht die eingeschleppte Varroa-Milbe
ein größeres Problem als der Frost.



Harry Clemens

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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Marburger extra | Erschienen am 08.02.2012
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