Der Herner Axel Pütter, ehemaliger langjähriger Leiter einer Mordkommission und zuletzt Erster Hauptkommissar und Leiter der Bochumer Polizeipressestelle, ging mit 62 Jahren in den Ruhestand.

EKHK Axel Pütter begrüsste mich an seinem letzten Arbeitstag an seinem Schreibtisch. TPD-Foto:Volker Dau
 
Cover von "15 Morde"..... (Foto: RORORO)
Bochum: Polizeipräsidium |

Axel Pütter Abschieds-Gespräch am letzten Arbeitstag in seinem Büro:

Der Herner Axel Pütter, zuletzt Erster Hauptkommissar und Leiter der Bochumer Polizeipressestelle, ging mit 62 Jahren in den Ruhestand.

Daher führte ich an seinem letzten Arbeitstag in seinem Büro ein „Abschieds-Gespräch“ mit ihm.



Herr Pütter, Sie sind seit Mai 2009 Leiter der Pressestelle.


Wie kommt man dahin war meine Frage?

Eindrucksvoll schilderte Axel Pütter den Verlauf seines Berufslebens…

Von der Einstellung bis zur Pensionierung, wie sah diese bemerkenswerte Laufbahn aus?

Ab Oktober 1971 zwei Jahre BPA II (Bereitschaftspolizei) in Bochum bis 1973.

Anstellungs-Lehrgang Essen im Jahr 1974.

Insgesamt neun Jahre Schutzpolizei, in Essen und Bochum-Mitte - bis 1980.

Drei Jahre Studium 1980-83 an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Dortmund. Danach ein Jahr Dienst auf der Kriminalwache in Bochum.

Im Anschluss daran Sachbearbeiter bei der Kripo in seiner Heimatstadt Herne von 1984-1991, hauptsächlich in den Bereichen Einbruchskriminalität, Raubdelikte und Todesermittlungen.


Ab 1991 Sachbearbeiter im Fachkommissariat für Tötungsdelikte, dem damaligen 1. K und heutigem KK (Kriminalkommissariat) 11.


Bereits im Jahr 1988 Mitglied einer neu aufgestellten Mordkommission, der MK V. Nach Neuorganisation der Polizei NRW 1994 wurde Pütter Leiter der Mordkommission V und stellvertretender Dienststellenleiter des KK 11.

Die Mordkommissionen haben jeweils eine Woche im Wechsel Bereitschaftsdienst, von Montag 7 Uhr bis zum nächsten Montag 7 Uhr.

Eine Mordkommission besteht aus 6 Beamten und dem MK-Leiter. Im Einsatzfall kommt noch der Erkennungsdienst zur Spurensicherung hinzu.

Schlimmste Fälle u.a. 2002 die Mordnacht von Witten, (kürzlich auch im ZDF, in der Sendung „Hallo Deutschland“ ausgestrahlt, evtl. noch in der Mediathek zu finden).

Da gab es tatsächlich in einer Nacht zwei Tötungsdelikte in Witten innerhalb weniger Minuten.

Ein Ehemann wurde in seinem Haus schlafend mit 18 Schüssen niedergestreckt. Der Täter konnte ermittelt werden, da ein winziges Stück eines von ihm getragenen Gummihandschuhs am Tatort sichergestellt werden konnte. In diesem Stück Gummi wurde die DNA des Täters festgestellt. Die Rekonstruktion ergab, dass sich der Handschuh beim Nachladen der Waffe in dem Schlitten verfangen und ein kleines Stück Gummi abgerissen hatte. Der Ermordete stand seiner Ehefrau im Wege, da diese ein Verhältnis mit dem Mörder hatte. Beide wollten mit dem Erbe ein neues Leben beginnen.

In der gleichen Nacht hatte noch ein Mann seine Ehefrau und die beiden Kinder im Alter von zwei und fünf Jahren mit insgesamt über 140 Messerstichen getötet. Der Mörder litt unter Wahnvorstellungen.

„Die Taten, bei denen unschuldige Kinder getötet werden, berühren uns Ermittler am meisten“, so Pütter.


Mich interessierte wie intensiv die wenigen nichtgeklärten „Kapitalverbrechen“ immer wieder nachgearbeitet werden…

In seinem Buch: „15 Morde und andere Todesfälle“

hatte EKHK Axel Pütter von zwei noch offenen Fällen geschrieben. Davon konnte einer zwischenzeitlich aufgeklärt werden. Nämlich der Mord an einer 90-jährigen Seniorin. Einbrecher wollten die vermeintlich reiche Frau berauben und erschlugen sie. Einer der Beteiligten wollte sein Gewissen erleichtern und outete sich bei der Polizei. Die drei Täter wurden zwischenzeitlich verurteilt.


Vom letzten noch offenen Tötungsdelikt, einem Mord an einem Mann aus Wattenscheid, hatte Pütter noch jahrelang eine Aktenkopie

griffbereit in seinem Büro um sich diese in einer ruhigen Stunde immer wieder mal vorzunehmen. Bei solchen Gelegenheiten werden noch einmal kleinste Aspekte neu beleuchtet. Diese Akte hat er an eine Kollegin des KK 11 weitergegeben, die sich zur Aufgabe gesetzt hat, den Fall noch zu klären. Pütter weiß, dass der Fall dort in guten Händen ist.

Das OLG Hamm überprüft immer wieder ungeklärte Tötungsdelikte und erteilt u.U. Arbeitsaufträge an Staatsanwaltschaft und Polizei. Denn Mord verjährt nicht!


Vom stellvertretenden Leiter des KK 11 ging es im direkten Übergang in die Pressestelle um dort die Vorgängerin abzulösen.


„Auf der Pressestelle angekommen, hatte ich einen absoluten „Kaltstart“.

Wenige Tage nach Beginn meiner Amtszeit hatte ich gleich die größte Pressekonferenz zu moderieren, die es jemals in Bochum gegeben hatte: die Pressekonferenz zum sogenannten Fußball-Wettskandal mit internationaler Berichterstattung. Auch in der „Tagesschau“ wurde über den Betrugsfall berichtet. Weitere Highlights als Pressesprecher waren sicherlich die Live-Fernsehauftritte in den Sendungen „Menschen bei Maischberger“, „Daheim und Unterwegs“ und in der Sendung „Aktenzeichen XY…“. Einmal noch bei Eduard Zimmermann; ein zweites Mal bei Rudi Cerne.“

Ein „alter Kollege“ der MK V, KHK Guido Meng, folgte Axel Pütter in die Presseabteilung, als die Position des stellvertretenden Pressechefs ausgeschrieben wurde.

Nun wollte ich von Axel Pütter noch etwas zu den Abläufen in der Pressestelle wissen, die zu den wirklich lesenswert aufbereiteten Meldungen für die Medien führen…

Der Tag beginnt morgens um 07:00 Uhr mit der Auswertung der Print- und Onlinemedien. Um 08:30 Uhr findet täglich eine Besprechung mit allen Direktionen von Schutzpolizei, Kripo usw. statt. Hier werden die Ereignisse der letzten Nacht oder des Wochenendes erörtert. Im Anschluss informiert der Leiter der Pressestelle die Behördenleiterin über die neuesten Geschehnisse.

Diese Vorgänge werden von den Mitarbeitern der Pressestelle auf den Computern abgerufen, zu Pressemeldungen verarbeitet und anschließend ins Internet gestellt.

Wegen der Vielzahl der zu schreibenden Pressemeldungen wird die Arbeit auf der Pressestelle örtlich bezogen aufgeteilt:

PHK Volker Schütte, „Urgestein der Pressestelle“, schreibt schwerpunktmäßig für die Städte Herne und Witten. PHK Guido Meng, Thomas Kaster und die junge Kommissarin Nicole Schüttauf betreuen in erster Linie die Ereignisse aus Bochum.

Zum Ende des „Abschiedsgespräches“ habe ich Herrn Pütter noch gebeten ein paar Dinge zu seiner Zeit bei einer Mordkommission zu (er-)klären…

Mir ging es darum, einige klassischen Dinge zu den Abläufen bei „Mord+Totschlag“ zu erfahren, die mir schon beim Lesen von „15 Morde“ aufgefallen waren…

Viele Dinge in „unseren“ Krimiserien sind doch wirklich arg an der Realität vorbei!

So gibt es den „venezianischen Spiegel“ nur beim Erkennungsdienst und auch nur für Gegenüberstellungen und nicht für Vernehmungen.

Bei diesem, von einer Seite durchsichtigen Spiegel, können Zeugen/Opfer von Straftaten einen Täter identifizieren, ohne selbst von diesem gesehen zu werden.

Zu meiner Frage zur Vernehmungssituation erzählte der erfahrene Erste Hauptkommissar dann wirklich bemerkenswerte Dinge:

„Das wichtigste ist, mit dem Tatverdächtigen überhaupt ins Gespräch zu komme

n!

Auch wenn es schwer fällt, weil jemand beispielsweise ein schlimmes Verbrechen begangen hat, ist der Täter so „normal wie möglich“ zu behandeln. Wir müssen einen Zugang zu ihm zu finden, denn die für uns wichtigsten Einzelheiten einer Tat erfahren wir nur von ihm.


Dazu ist der Verdächtige so zu behandeln wie es Recht und Gesetz vorgeben!“


Es gibt klare Anweisungen, wie Vernehmungen stattzufinden haben und was „verbotene Vernehmungsmethoden“ sind, betont Axel Pütter!

Vernehmungen brauchen viel Sensibilität und Empathie der Vernehmungsbeamten!

Das führt manchmal tatsächlich noch zu Geständnissen, die niemand erwartet hat!

So hat ein Serientäter in einer Vernehmungspause nach sieben Stunden intensiver Befragung plötzlich ein Geständnis abgegeben. Er hatte den Beamten gegenüber zugegeben, mehrere Frauen in Deutschland und Holland niedergestochen/niedergeschlagen zu haben. Unter anderem gestand er Taten in Emden, Wuppertal, Oldenburg, Venlo, Münster und Bochum, von denen die Ermittler bis dahin keine Kenntnisse hatten.

Es schien ihm wohl plötzlich wie eine „Art der Erlösung“?

Auf die Frage warum er denn jetzt plötzlich reden würde -nach sieben Stunden Schweigen- kam die simple Antwort: „Sie haben mich wie einen Menschen behandelt“!

Leider konnte dem Täter, der sechs versuchte Tötungsdelikte gestanden hat, eine Tat nicht nachgewiesen werden. Es handelte sich um ein Tötungsdelikt in Lüneburg, wo der Mörder ein 16-jähriges Mädchen erstochen hatte. „Wir hatten unseren Serientäter auch für diese Tat im Verdacht, weil es sehr viele Parallelen zu unserem Fall in Bochum gab. Als wir ihn auf diesen Fall ansprachen, hatte er sich zudem sehr merkwürdig verhalten. Er hat die Tat abgestritten und wollte danach auch nicht mehr mit uns sprechen.

Einen Mord wollte er wohl nicht gestehen! Das, obwohl er von „Tötungsphantasien“ gegenüber Psychologen gesprochen hatte!


Auf meine Frage nach den Wittener Satanisten, einem Ehepaar, das gemordet hatte, erzählte Pütter, dass es wohl beinahe noch mehr Opfer gegeben hätte, weil zum Mordabend eingeladene Personen nicht erschienen waren.

So wurde aber ihr zur „Party“ eingeladener und erschienener Arbeitskollege heimtückisch von beiden mit 66 Messerstichen getötet! Darüber hinaus fanden wir in der Wohnung eine sogenannte „Todesliste“ mit Personen, die noch getötet werden sollten.

Meine Frage, ob es nur „reine Mordslust“ war, verneinte Axel Pütter. „Es waren offensichtlich auch krankhafte psychische Störungen bei den Tätern vorhanden“.

Mehr als ein Jahrzehnt später versucht der Mörder aus der Haft entlassen zu werden. Der Kapitaldezernent der Staatsanwaltschaft Bochum, Herr OStA Andreas Bachmann, ist mit dem Fall betreut. Der Täter sitzt noch ein. Die damalige Ehefrau ist inzwischen aus der Haft entlassen worden. Beide sind mittlerweile geschieden.

Nach zwei Stunden bedankte ich mich für das nette Gespräch und ich wünschte dem scheidenden Pressechef der Bochumer Polizei noch einen gesunden „Unruhestand“!
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